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2008: Hortus Wander Wunder Kammer

Im vergangenen Sommersemester 2008 wurde das Wissenschaftliche Projekt  in  Zusammenarbeit mit der "Lithographie-Werkstatt Eichstätt" erstmals durchgeführt. Anlässlich der 1100-Jahr-Feier der Stadt Eichstätt hat diese ein Kunstprojekt mit Künstlern aus Europa, Amerika und Japan initiiert. Ausgangspunkt des Projektes ist das berühmte Eichstätter Pflanzenbuch aus dem Jahre 1613, der "Hortus Eystet­tensis", der Künstlern als Inspiration für ihre Arbeit zum Thema "Garten" dient.  Unter dem Titel HORTUS WANDER WUNDER KAMMER präsentierten die Künstler von Juli bis September 2008 ihre Arbeiten der Öffentlichkeit.

Dreizehn Studierende des Europastudienganges beteiligten sich an dem Projekt. Die Studenten erstellten eine Pressemappe, schrieben Artikel für die lokale Zeitung, arbeiteten an der Redaktion des Ausstell­ungs­­kataloges mit und brachten Ihre Ideen für die Gestaltung der Flyer und Plakate ein. Eine Gruppe von Studenten erstellte einen Internet-Blog (www.lithos-jura.de/hortusblog/), auf dem Porträts der beteiligten Künstler, Essays, Berichte und Reportagen rund um die Hortus-Veranstaltungen nachzulesen sind. Und natürlich arbeiteten die Studieren­den bei der Vorbereitung und Durchführung der Veran­staltung mit.

Neben diesen praktischen Kulturmanagementaufgaben verfolgte das Wissen­schaft­liche Projekt auch eine theoretische Zielsetzung. Die Studierenden sollten sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit der Kulturgeschichte des Gartens in Ost und West beschäftigen. So entstanden im Rahmen des Projektes Essays zu Themen wie "Der Park von Versailles als Abbild absolutistischer Herrschaftsvorstellungen", "Der englische Landschaftsgarten",  "Der japa­nische Zen-Garten", "Die historische Garten­architektur Eichstätts", die auch auf der Website des Projektes nachzulesen sind  (http://www.lithos-jura.de/hortusblog/).

Ungewöhnlich an dieser Lehrveranstaltung war neben der Verbindung von wissen­schaftlicher und praktischer Tätigkeit auch die Art der Seminarorganisation. Die Studierenden konnten die Aufgabenbereiche, für die sie sich engagieren wollten, nach ihren eigenen Interessen wählen und bildeten Projektteams, in denen sie die definierten Aufgaben eigenverantwortlich koordinierten und zuverlässig bearbeiteten. Es wurde bei der Planung ganz bewusst auch Raum für eigene Ideen belassen: so entstanden z.B. der Internet-Blog, bunte Blumen-Ansteck­buttons und eine Präsen­tation über das Hortus-Projekt auf dem studentischen Kultur Open Air Festival der Universität, die so ursprünglich nicht vorgesehen waren. Für Ihr Engagement erhielten die Studierenden neben den universitären Leistungs­nach­weisen auch eine Praktikumsbestätigung der Lithographie-Werkstatt Eichstätt.

In diesem Projekt wurden den Studierenden zeitliche, organisatorische und inhalt­liche Freiräume gewährt: sie wurden mit Engagement, Kreativität und Kompetenz gefüllt.

Stefanie Potsch-Ringeisen, Projektleiterin Europastudien


Innenansichten zum Wissenschaftlichen Projekt des Europastudiengangs "HORTUS WANDER WUNDER KAMMER"

Mit dem begeisterten Ausruf: "Endlich mal etwas Praktisches!" begrüßten wir Bachelor­studenten zu Beginn unseres letzten Semesters in Eichstätt das Angebot, semesterbegleitend bei dem internationalen Kunstprojekt HORTUS WANDER WUNDER KAMMER mitzuwirken. Ein so genanntes wissenschaftliches Projekt im Rahmen der Europastudien sollte als eine Form des Brückenschlags - als krönender Abschluss unserer Studienzeit - zwischen universitärem Lernen und beruflicher Praxis eine Verbindung von theoretischer Reflexion und pragmatischem Handeln erzielen.

Das interdisziplinäre Gartenprojekt, das von der Lithographie-Werkstatt Eichstätt in Zusammenarbeit mit dem Japan-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München konzipiert und organisiert wurde, erfüllte in verschiedenster Hinsicht das Bedürfnis nach Praxisbezug der Europastudenten, die während ihrer Studienzeit stets mit der Frage: "Und was macht man danach damit?" konfrontiert wurden. Von Seiten der Universität betreute Stefanie Potsch-Ringeisen, wissen­schaftliche Mitarbeiterin des Europastudiengangs, das Projekt. Während erster Treffen wurden Gruppen gebildet, die weitgehend eigenverantwortlich Aufgaben übernahmen, die zum Management so eines Kulturevents gehören. Bisher erworbene Kenntnisse und Kompetenzen konnten wir so in den vielfältigsten Bereichen aktivieren: frei nach seinen persönlichen Interessen konnte man sich für das Engagement im Projektteam "PR/Öffentlichkeitsarbeit" entscheiden oder für die Gestaltung des Ausstellungskatalogs und verschiedener Werbeflyer und Plakate. Eine Gruppe fand sich zusammen, die für die gesamte Dokumentation des Projekts - von der Vorbereitungsphase bis zum Ende der ersten Veranstaltungsetappe - zuständig war. Presse- und Bildmaterial, Künstlerporträts, Veranstaltungshinweise sowie unsere wissenschaftlichen Arbeiten wurden auf der eigens vom Doku-Team kreierten Webseite veröffentlicht (www.lithos-jura.de/hortusblog).


Schließlich arbeiteten fast alle dreizehn studentischen Mitwirkenden bei der Organisation der einzelnen Events mit. Auch hier war eine große Vielfalt geboten, so dass wir uns sowohl um die Bestuhlung der Veranstaltungsorte kümmerten und bei der Hängung der Werke mithalfen als auch den Künstlern als direkte Ansprech­partner zur Ver­fügung standen und selbst zu Mitwirkenden ihrer Performances werden durften. Uns bot sich also das einmalige Angebot, unser Fachwissen in der Praxis unter Beweis zu stellen. So wurde beispielsweise "Interkulturelle Kommuni­kation" im Dialog mit den größtenteils ausländischen Künstlern direkt in Eichstätt erlebbar. Einige von uns nahmen die Gelegenheit wahr, sich näher mit der Litho­graphie, den Künstlern und deren Werken zu befassen: sie führten persönliche Interviews als Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit bzw. für die Dokumentation auf der eigenen Webseite  oder nahmen an Veranstaltungsortsbesichtigungen teil. Ebenso stand der Besuch eines Solnhofener Steinbetriebs sowie die Besichtigung eines Steinbruchs auf dem Programm, bei denen sich auch die Studenten über das Herstellungsverfahren von Lithographie-Steinen informieren konnten.

Kurz nach der Kick-off-Veranstaltung, bei der gemeinsam mit den beiden Betreuer­­innen Stefanie Potsch-Ringeisen und Li Portenlänger, Leiterin der Litho­graphie-Werkstatt Eichstätt, die Rahmen­be­dingungen für das Projekt abgesteckt wurden, verspürten wir bereits große Euphorie und Tatendrang, die besonders durch zwei Gründe hervorgerufen wurden: zum einen versprach das Projekt von Anfang an ein großes Maß an studentischer Eigeninitiative und -verantwortung. Zum anderen durften wir an einer Lehrveranstaltung teilnehmen, die bisher noch nie in dieser Form im Vorlesungsverzeichnis zu finden war. Im Gegensatz zu gewöhnlichen, regelmäßig stattfindenden Seminaren mit einem Referat oder einer Klausur als Leistungs­nach­weis, hatten wir die Chance, einen Essay zu einem "Gartenthema" unserer Wahl zu verfassen und uns das restliche Semester mit der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungsreihe zu beschäftigen, wofür wir am Ende eine Praktikums­bestätigung von der Lithographie-Werkstatt ausgestellt bekamen. Durch wenige festgesetzte Termine für Besprechungen in der Großgruppe entwickelten die Klein­gruppen ein großes Maß an Eigenorganisation, Teamarbeit und eigenem Zeit­management. Interessant war die Eigendynamik, die sich mit der Zeit durch die intensive Zusammenarbeit in der Gruppe entwickelte. Die Teams vernetzten sich, tauschten sich aus und klärten Probleme unkompliziert und direkt miteinander.

Mit dem eigenen Aufgabengebiet begonnen, mach­ten wir schnell die Feststellung, dass eigene Ideen stets willkommen waren und uns "Praktikanten" ein großer Handlungsspielraum gewährt wurde, den wir von vorheri­gen Berufserfahrungen in dieser Art nicht kannten. Gerade diese intensive Einbeziehung von uns als Studen­ten in die konzeptuelle und organisatorische Projektgestaltung, das uns entgegen­gebrachte Vertrauen in unsere Kompetenzen und der direkte Dialog mit den aus­ländischen Künstlern bewirkten eine persönliche Identifikation mit dem Projekt, die bei uns für starke Motivation sorgte. Unsere praktischen Erfahrungen und Erlebnisse während der vier Monate ließ die bislang womöglich noch verschwommenen Kon­turen eines interdisziplinären Studiengangs klarere Formen annehmen. Beispiels­weise konnte das bislang während des Studiums erworbene Wissen für das mögliche Berufsfeld "Kulturmanagement" eine sichtbare Anwendung finden.

Zudem wurde im Laufe des Projektes die vielfach während des Studiums diskutierte Schwierigkeit von interdisziplinärer Arbeit evident, d.h. die Vereinigung von Kunst, Kultur, aber auch Wissenschaft und Institutionen. Dies zeigte sich zum Beispiel bei der Eröffnungsveranstaltung, die sowohl wissenschaftliche Vorträge als auch Videoinstallationen und die Ausstellung von Kunstobjekten beinhaltete, wobei sich die Verbindung dieser verschiedenen Disziplinen als Herausforderung erwies.

Durch das große Interesse von studentischer Seite, die motivierte Mitarbeit und den erfolgreichen Verlauf der ersten Veranstaltungen wurde dem Europa­studiengang bereits für weitere Projekte die Zusammenarbeit mit KUNSTRÄUME Bayern angeboten. Als Fazit können wir Studenten an kommende Interessenten nur weitergeben, dass es sich aus unserer Sicht auf jeden Fall gelohnt hat, an dem Projekt teilzunehmen. Dieses erwies sich als eines der Highlights unseres Studiums.