Wohin entwickelt sich der Tourismus?

Welche Antworten der Master „Tourismus und nachhaltige Regionalentwicklung – Management und Geographie“ darauf hat und warum Sie ihn studieren sollten

Keine Frage, dass der Tourismus in der Pandemie ganz besonders gelitten hat und noch lange leiden wird. Leiden im Sinne von durch Immobilität verursachtes Zusammenbrechen touristischer Märkte, flankiert von Pandemie-bedingten Einschränkungen der Betriebstätigkeit bis hin zu Beherbergungsverboten. Die Covid-19 Pandemie hat die Verletzlichkeit touristischer Wertschöpfung sehr deutlich aufgezeigt, und das Bewusstsein für die Krisenanfälligkeit des Tourismus nimmt gerade massiv zu. Der Tourismus ist aber auch „Lebenselixier“ breiter Gesellschaftsschichten, entstanden aus der Notwendigkeit von Erholung durch die massiven Veränderungen von Arbeitsbedingungen durch industrielle Entwicklungen. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich nicht nur die Industriegesellschaft hin zu einer stärker Dienstleistungs-orientierten Gesellschaft entwickelt, sondern auch der Tourismus stärker zu einem Ausdruck gesellschaftlicher Freude an Teilhabe, Interesse, Verpflichtung und Verantwortung, aber auch an Ansprüchen wie Freiheit, Selbstverwirklichung und zunehmend auch Nachhaltigkeit. Längst ist die Rede von „Sinn-Destinationen“ als jene Räume, die dem Gast nicht nur Erholung und Entspannung bieten, sondern eine tiefergehende Berührung mit zentralen Lebensfragen, wie Begegnung oder Beziehung, ermöglichen. Von Resonanz ist die Rede. Jede Form von Reisen, Besuchen und Erfahren sowie Erleben, aber auch das bewusste „Nicht-Erleben-Wollen“ können Fragen auslösen, Gedanken anregen und hinführen zu den großen Fragen des Selbst und seiner Beziehung zum Ganzen. Sinn kann hier aber auch als "Zweckmäßigkeit ohne Zweck" gesehen werden, als Autonomie des Ästhetischen, aber auch des Schönen im Besonderen: der äußere Zweck der "Nützlichkeit" fehlt, und das innere Erleben wird zum zentralen Baustein der „Sinn-Destination“.

Notwendig wird ein starker Fokus auf jene Themen sein, die den Tourismus aufgrund der langen Krise zukünftig maßgeblich beeinflussen werden, und dadurch die Geschäftsmodelle bzw. die Kooperations-, Leistungs- und Ertragssysteme verändern. Anbei einige zentrale Themen, welche die Entwicklung des Tourismus maßgeblich beeinflussen, und die auch in die Lehrinhalte von Studienprogrammen Eingang finden werden:

  • Sustainability Governance,
  • Resource-Management,
  • Service & Experience Design,
  • Mobility Management,
  • Resilience,
  • Risk & Crisis-Management,
  • Safe Travel Ecosystems, und
  • Cultural Leadership.

Leadership bedeutet in der Ausbildung an Universitäten, sich nicht ausschließlich auf die Vermittlung von Fachwissen zu konzentrieren, sondern durch die hohe Methodenkompetenz gemeinsam zwischen Lehrenden und Lernenden weitere Entwicklungen zu konzipieren und anzustoßen, und somit Teil von diesen zu sein. Antizipation und Transformation bedeuten dabei, sich zukünftige Entwicklungen vorstellen zu können bzw. diese mit entsprechenden Tools herleiten zu können, um Wege, Strategien und Umsetzungsmechanismen des Wandels aufzuzeigen. Leadership bedeutet Inspiration und Motivation. Dies ist eine zentrale Herausforderung in hochwertigen Ausbildungsformaten, und dies ist ebenso eine Herausforderung bei der zukünftigen Gestaltung jenes Phänomens, welches wir heute als Tourismus bezeichnen.

Leadership bedeutet demzufolge in einem universitären Masterprogramm für Tourismus mehr denn je, die „Ökonomisierung“ der touristischen Ausbildung der vergangenen Jahre mit einer stärker multi- und interdisziplinären Ausbildung zu ersetzen. Das Masterprogramm „Tourismus und nachhaltige Regionalentwicklung – Management und Geographie“ trägt diesem Gedanken seit über 10 Jahren Rechnung, als dass Geographie und Wirtschaftswissenschaften in den Lehrinhalten ineinanderfließen und das Programm auch von zwei Fakultäten in Kooperation angeboten wird. Tourismus ist eine angewandte Wissenschaft, welche ohne Praxisbezug nicht auskommt. Das Arbeiten in kleinen Gruppen, das Auslandssemester mit der Möglichkeit, einen zweiten Masterabschluss (Double Degree) zu erhalten, die z.Z. mehrwöchigen Exkursionen, das Berufspraktikum und das interdisziplinäre Entwickeln sind denn auch die Besonderheiten, welche den Studierenden die Befähigung geben, in einer Vielzahl unterschiedlicher Bereiche im öffentlichen Dienst, z.B. im Bereich Stadt- und Regionalentwicklung, oder in der privat organisierten Tourismuswirtschaft zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Zukünftig werden Psychologie, Soziologie, Kulturwissenschaften, Informatik und ausgewählte Naturwissenschaften (Klimaforschung) stärker Einzug halten.

Von Prof. Dr. Harald Pechlaner