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Die Katalogisierung der christlich-orientalischen Handschriften des Klosters Andechs

Das vor den Toren Münchens gelegene Kloster Andechs nennt eine Sammlung orientalischer Handschriften sein eigen, die bisher weitgehend unbearbeitet geblieben sind und keine wissenschaftliche Katalogisierung erfahren haben.

Den Kern der Sammlung bilden gut einhundert Handschriften, die der Franziskanerpater Arsenius Rehm (1738-1808) in Kairo erwarb, als er dort von 1770 bis 1776 als Kaplan an der französischen Gesandtschaft tätig war. Rehm, der sich für die Sprachen des Orients interessierte und später auch für einige Zeit Professor des Arabischen an der Universität Fulda wurde, brachte die Bücher mit zurück in sein Mutterkloster auf dem Frauenberg in Fulda. Dort verblieb die Sammlung, nur um einige wenige der Fuldaischen Stadtbibliothek geschenkte Exemplare vermindert, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde dann 1852 mit Hilfe des Bayerischen Königs von Bonifaz Haneberg (1816-1876) für das Benediktinerstift St. Bonifaz in München erworben. Haneberg, ein umfassend gebildeter Theologe und Orientalist, der 1844 zum  ordentlichen Professor für alttestamentliche Exegese und biblisch-orientalische Sprachen an der Universität München ernannt worden war, war 1850 in St. Bonifaz eingetreten, wurde später Abt des Klosters und schließlich Bischof von Speyer. Wohl im Zuge der Bemühungen um einen Verkauf der Sammlung hatte im Oktober 1847 der Bonner Orientalist Johann Gildemeister (1812-1890) in Fulda einen „Catalog der Rehm’schen Handschriften“ erarbeitet, der allerdings nur den Charakter einer „Handlist“ trägt und unveröffentlicht geblieben ist. Der „Catalog“ enthält 107 Nummern und wurde später von Haneberg, der selbst zweimal in den Orient reiste und dort auch Bücher und Handschriften erwarb, um 25 weitere Einträge ergänzt.

Den Großteil der Sammlung macht muslimisches Schrifttum meist in arabischer, aber auch in türkischer und persischer Sprache aus. 31 Manuskripte entstammen der Literaturproduktion der orientalischen Christen. Auch hier überwiegen Arbeiten in Arabisch, es finden sich aber auch Texte in syrischer, koptischer, äthiopischer, persischer und türkischer Sprache.

Die Forschungsstelle Christlicher Orient der Universität Eichstätt-Ingolstadt hat vom Abt des Klosters St. Bonifaz in München, dem auch das Kloster Andechs untersteht, die Erlaubnis erhalten, die christlich-orientalischen Handschriften wissenschaftlich zu bearbeiten. Ziel des Vorhabens, das im Herbst 2012 begonnen wurde, ist die Erstellung eines umfassenden Katalogs, der auch der Bestandsgeschichte Rechnung trägt. Dazu arbeitet das von Dr. Carsten Walbiner (Birzeit/Eichstätt), Prof. Dr. Franz-Christoph Muth (Mainz/Eichstätt) und Prof. Dr. Hubert Kaufhold (München/Eichstätt) gebildete Projektteam eng mit Bibliothek und Archiv des Kloster St. Bonifaz, namentlich der Stiftsarchivarin Dr. Brigitta Klemenz, zusammen.