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Bewahrung christlich-orientalischen Kulturerbes:
Unerschlossene Handschriftenbestände koptischer Bibliotheken

Die Forschungsstelle Christlicher Orient der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt trägt mit diesem Projekt dazu bei, koptische Manuskripte in Ägypten dauerhaft zu bewahren, zu katalogisieren und der Wissenschaft zugänglich zu machen. Seit der Revolution im Jahr 2011 gestaltet sich die politische Situation dort sehr instabil und besonders die koptischen Christen sehen sich Diskriminierungen ausgesetzt. Vor diesen Hintergründen erscheint eine systematische Dokumentation der teilweise noch völlig unerschlossenen Bestände des kulturellen Erbes einer religiösen Minderheit besonders wichtig. Momentan werden in einer ersten Phase Handschriften komplett digital erfasst, anschließend sind ihre wissenschaftliche Aufarbeitung sowie ein Beitrag zu ihrer Restaurierung und Erhaltung geplant.

Phase 1: Digitalisierung von koptischen Handschriftenbeständen (laufend)

Im Orient lagern unzählige, noch unentdeckte Handschriften, die die Liturgie sowie die Kirchengeschichte und das Kirchenrecht der koptischen Christen festhalten. Ihre große Zahl ist darauf zurückzuführen, dass der Buchdruck im Orient erst Mitte des 18. Jahrhunderts Einzug hielt und bis dahin Texte handschriftlich tradiert wurden.

Die Forschungsstelle Christlicher Orient bemüht sich um deren digitale Erfassung. Dafür konnte sie bereits verschiedene Klöster in Kairo als Projektpartner gewinnen. Um deren Bibliotheksbestände zu digitalisieren, erhalten diese eine moderne Ausrüstung mit Digitalkamera, mit deren Hilfe jede einzelne Seite der dort vorliegenden Manuskripte von einer Fachkraft abfotografiert und gespeichert wird. Finanziert wird dieses Vorhaben aus Projektmitteln, die die Gerda-Henkel-Stiftung zur Verfügung stellt.

In zwei katholischen Franziskaner-Klöstern hat die Digitalisierung bereits begonnen. Die Forschungsstelle Christlicher Orient ist aber auch mit den orthodoxen Klöstern im Gespräch, um deren Bestände dokumentieren zu können.

Phase 2: Wissenschaftliche Erschließung der Handschriftenbestände (geplant)

Nach der Digitalisierung der Manuskripte sollen diese auch inhaltlich erschlossen werden. Sie werden - soweit noch nicht geschehen - vollständig katalogisiert. Dadurch und durch ihr Vorliegen in digitaler Form können sie der Wissenschaft leichter zugänglich gemacht werden. Die Auswertung dieser Quellen zur Liturgie der koptischen Christen, ihrer Sprache sowie ihrer Kirchengeschichte in weiteren Projekten ist dann deutlich erleichtert.

Phase 3: Erhaltung der Original-Handschriften (geplant)

Aber nicht nur die digitalen Kopien der koptischen Handschriften sind für die Wissenschaft der Christlichen Orients ein wertvoller Quellenschatz, auch die Originale sind ein Kulturgut, das es zu bewahren gilt. Deshalb setzt sich die Forschungsstelle Christlicher Orient zusammen mit den ägyptischen Klöstern ebenfalls dafür ein, die oft schon durch Schimmel, Insekten oder Witterung beschäfigten Manuskripte zu restaurieren und zu konservieren, um das Erbe einer religiösen Minderheit dauerhaft zu sichern.

 

Text: Regina Greck
Fotos: Kilian Müller