Baeumker Beiträge

Professor Dr. Manfred Gerwing ist Herausgeber der Baeumker Beiträge. Die über 100jährige Reihe der "Baeumker-Beiträge" ist ein international bekanntes und anerkanntes Zeugnis mediävistischer Forschung. In deren Mittelpunkt steht die Geistigkeit und Kultur des Mittelalters.Zugleich soll verdeutlicht werden, dass das Denken sich nicht an historische oder geographische Grenzen klammert, sondern als stetiger Fluss und die Zeit übergreifende Einheit zu betrachten ist.

Schon der 1853 geborene, spätere Philosophieprofessor und Begründer der Reihe, Clemens Baeumker, zeigte in seinen zahlreichen editorischen, literatur- und problemgeschichtlichen Arbeiten die Vielfalt scholastischer Ideenentwicklung. Fortan musste das Bild des "dunklen" Mittelalters als Epoche der geistigen Rückschritte revidiert werden.

Martin Grabmann, der als Herausgeber folgte, setzte diesen Weg fort. Seine Studien zur scholastischen Methode und zur Aristotelesrezeption mit dem Schwerpunkt auf Thomas von Aquin und dessen Schule sind auch heute noch als Bahn brechend zu bezeichnen. Es folgten weitere große Namen: Michael Schmaus, Bernhard Geyer, Franz Pelster, Artur M. Landgraf und Heinrich Ott.

Seit 1970 wird die "Neue Folge" im Auftrag der Görresgesellschaft von Ludwig Hödl und Wolfgang Kluxen herausgegeben. Auch diese beiden Wissenschaftler stehen mit ihrer Forschung für den Diskurs der Gegenwart mit dem Mittelalter. Dieses Gespräch verlangt vom (post-)modernen Menschen, sich der Weite und Tragweite seines Denkens bewusst zu werden und sich - gerade in Zeiten globalen Handelns - auch globaler Verantwortung zu stellen. Schon Thomas von Aquin (gest. 1274) schrieb in seinem Werk "Über die Wahrheit" (De Veritate 24,2): "In eo [= in ratione] solum liberum arbitrium plenarie invenitur." "In der Vernunft liegt der Ursprung unserer ganzen Freiheit." Negativ gedeutet bedeutet dies, dass der Mensch, wenn er die Verantwortung für das von ihm in Gang Gesetze preisgibt, sich der wahren Möglichkeiten seiner Freiheit beraubt. Christlich gesprochen verfehlt der Mensch dann seine Bestimmung als Bild Gottes. Positiv gedeutet, ist der denkende Mensch immer wieder aufgefordert, sich dem Schatz und dem Reichtum seines Denkens zu widmen, um verantwortlich handeln zu können. Das mittelalterliche Denken hatte noch eine klare, aber auch differenzierte Vorstellung von der Einheit des Denkens, vom Einen, Wahren und Guten (unum, verum, bonum). Dieses Denken schloss die Einheit von christlichem Glauben und philosophischem Erkennen ein.

Am 21.11.2005 erfolgte im Rahmen eines Festaktes der Wechsel der Herausgeberschaft von Ludwig Hödl zu Manfred Gerwing (Theologie) und von Wolfgang Kluxen zu Theo Kobusch (Philosophie) . Während der Dogmatik-Professor der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Manfred Gerwing, vor allem zur mittelalterlichen Spiritualität, Theologiegeschichte des Mittelalters und zur Eschatologie und Apokalyptik forschte, liegen die Schwerpunkte des am Philosophischen Seminar der Universität Bonn lehrenden Professors Theo Kobusch im Bereich der Problemgeschichte antiker und mittelalterlicher Philosophie, der Metaphysik- und Freiheitsgeschichte und der Sprachphilosophie. Beide Professoren führen also, jeder in seinem Fachgebiet, den Schwerpunkt der Untersuchung der Geistigkeit und Kultur des Mittelalters fort.

Auch wenn seit dem Erscheinen des ersten Bandes im Jahre 1891 bei der Aschendorff'schen Buchhandlung zu Münster die wissenschaftliche Landschaft sich grundlegend gewandelt hat, so gilt doch, was Kluxen anlässlich des hundertsten Bestehens 1990 sagte: "In dieser reicheren, international ungemein erweiterten Forschungslandschaft repräsentieren die Baeumker-Beiträge die Kontinuität erfolgreicher Forschungstradition, die unverminderte Geltung wissenschaftlicher Maßstäbe auch bei sich ändernden Interessen und Perspektiven, und sie tun das nicht zuletzt kraft der Unabhängigkeit der Herausgeber von allen Bindungen außer denjenigen, an die objektive Norm wissenschaftlicher Qualität."

Die Fortführung der Reihe der "Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters" ist somit auch die Fortführung des Denkens des schon Gedachten. Es bereichert das Gespräch der Gegenwart und hilft, neue Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen und die Einheit des Denkens zu bewahren, dessen der Mensch in Zeiten der Globalisierung umso mehr bedarf.