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08.07.15

Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Stephan E. Müller

1999-2015 Professor für Moraltheologie in Eichstätt


"Was hilft dem Menschen leben?", fragte Prof. Dr. Stephan E. Müller in seiner Abschiedsvorlesung am 08. Juli 2015. Er nahm dabei die nahezu 200 anwesenden Hörer mit hinein in eine Suchbewegung nach dem Kern des christlichen Ethos, der für die Beantwortung der Frage eine wichtige Rolle spielt.

Das Zentrum, so Müller, sind nicht moralistische Forderungen:  „Nein! Im Mittelpunkt des christlichen Ethos steht nicht das, was wir tun sollen, sondern im Zentrum steht das Geheimnis Gottes: Sein Dasein und Sein Handeln. Im Zentrum steht das, was wir im Anschluss an die Heilige Schrift die Gnade nennen.“ Dieser Grundlinie eines Primats des Indikativs, eines Vorrangs der Zusage Gottes vor dem Imperativ war das Lehren und Forschen Müllers als Moraltheologe an der KU Eichstätt-Ingolstadt in den zurückliegenden 16 Jahren verpflichtet.

Stephan E. Müller wurde am 28. Februar 1950 in Frankfurt/Main geboren und wurde nach dem Theologiestudium in Mainz und Münster am 15. Februar 1975 in Mainz zum Priester geweiht. Er wirkte dann als Kaplan in Gießen und als Religionslehrer in Bad Nauheim sowie als Subregens und Ökonom im Mainzer Priesterseminar. Nach Promotion und Habilitation sowie einer Lehrstuhlvertretung in Würzburg wurde Müller im April 1999 Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät in Eichstätt. Seitdem ist er nebenamtlich als Seelsorger in den Pfarrgemeinden von Tagmersheim und Rögling tätig. Mit seiner  Abschiedsvorlesung geht eine lange Zeit des hauptamtlichen Engagements an der KU und an der Theologischen Fakultät zu Ende. Jedoch bleibt er als emeritierter Professor der Fakultät weiterhin aktiv durch die vertretungsweise Übernahme der Lehre im Fach Moraltheologie verbunden.

Müller selbst sprach im Rahmen der Feierlichkeiten seinen Kollegen der Theologischen Fakultät für das Miteinander Arbeiten in den zurückliegenden Jahren Dank aus. Für seine aktuellen und früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Lehrstuhl und für die Zusammenarbeit mit der Diözese Eichstätt fand er anerkennende Worte. Ausdrücklich würdigte er auch die Studierenden der Fakultät, die er begleiten durfte und die ihm selbst mit ihren Fragen oder ihrer Kritik immer wieder Ansporn zum fachlichen Nachdenken waren.

Der Dekan der Theologischen Fakultät Prof. Dr. Wehr bedankte sich im Rahmen der Feierlichkeiten ausdrücklich bei Prof. Dr. Müller für sein Wirken in der Forschung,  in der Lehre, in Gremien und in der akademischen Selbstverwaltung. Er hob dabei seine besondere Zuverlässigkeit sowie seine freundliche und ehrliche Art hervor. Als Wissenschaftler und Seelsorger gleichermaßen, so Wehr, habe Müller die Fakultät und die Theologie-Studierenden nachhaltig positiv geprägt. Vizepräsident Prof. Dr. Fisch überbrachte den Dank und die Anerkennung der Hochschulleitung für das vielfältige Wirken Müllers. Als Vertreter der Studierenden fand Daan Huntjens bewegende Worte, die von der Beliebtheit und von der Prägekraft des akademischen Lehrers Müller zeugten.

Die in der Abschiedsvorlesung eröffnete Frage: „Was hilft dem Menschen leben?“ beantwortete Müller in seinem Vortrag zusammenfassend mit den prägnanten Worten: „Traditio amoris – Weitergabe der Liebe“. Es zeigte sich durch die Vorlesung und die verschiedenen Dankesworte eindrücklich, dass diese Grundantwort zur Lebenshilfe für Prof. Dr. Müller und sein Wirken nicht allein theologisch-begründete Rede, sondern genauso persönliches Lebensanliegen ist. Die anwesenden Hörer gaben ihm ihre Anerkennung – ganz im Sinne der „traditio amoris“ – am Ende der Abschiedsvorlesung durch einen schier endlosen Applaus zurück.

© Bilder: M. Sänger, CW; Text: M. Kühnlein, ThF