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Studientag 2019 "Religionskultur - eine Herausforderung für religiöse Bildung"

Am 27. November 2019 veranstaltete der Lehrstuhl für Didaktik der Religionslehre, für Katechetik und Religionspädagogik einen Studientag zum Thema "Religionskultur - eine Herausforderung für religiöse Bildung". Als Gastredner waren Dr. Viera Pirker von der Universität Wien und Prof. Dr. Konstantin Lindner von der Universität Bamberg zu Gast in Eichstätt. Das Programm war auf die Studierenden hin zugeschnitten und beinhaltete neben theoretischen Inputs auch Workshop-Einheiten, während derer sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv beteiligen und ausprobieren  konnten. Ziel des Studientages war es, bildungsrelevante Elemente der Religionskultur zu bearbeiten. Er widmete sich kulturell wirksamen Ausdrucksformen des Christentums ebenso wie medialen Transformationen von Religion.

Der Studientag begann mit einem Vortrag von Dr. Viera Pirker, die dem Plenum einen Einblick in "Visuelle Religionskulturen - religionspädagogische Impulse und Perspektiven" gab. Dr. Pirker konnte dabei eindrücklich aufzeigen, dass die Mediatisierung der Moderne auch Auswirkungen auf die Religionspädagogik hat. Dabei ist der "Visual Turn" als Wende hin zum Bild der Ausgangspunkt für einen Paradigmenwechsel. Anhand einer Bildclusteranalyse von Instagram-Profilen aus dem christlich-katholischen Milieu konnte Dr. Pirker visuelle Religionskulturen im Internet identifizieren. Deutlich wird dabei, dass Religion sich gerade auch im Internet visuell darstellt und dort wirkmächtig ist. Diese Visualität stellt für die religionspädagogische Forschung und Praxis Neuland dar.

Im Anschluss hatten die Studierenden die Wahl an einem Workshop teilzunehmen. Im ersten Workshop von Dr. Pirker untersuchten die Studierenden Bilder, die sie selbst auf ihren Smartphones zur Verfügung hatten, auf religiöse Konnotationen und Deutungsmuster.  Dem zweiten Workshop unter der Leitung von Akademischen Direktor Klaus König lag die Annahme zugrunde, dass bei Jugendlichen die religiöse Sozialisation durch Familie und Gemeinde in großem Umfang durch religiöse Selbstsozialisation in der Begegnung mit popkulturellem Material ersetzt wird. An einigen Popsongs und Raps aus den letzen Jahren untersuchte der Workshop deshalb, welche religiös relevanten Bilder, Motive und Positionen Jugendlichen begegnen.

Nach der Workshopeinheit kam die Gruppe zu einem weiteren Impulsvortrag zusammen. Prof. Dr. Konstantin Lindner stellte in seinem Vortrag "Religionen im Kontext kultureller Vielfalt. Bildungsbezogene Verortungen" die Frage, welche Rolle die Religion im Kontext kultureller Vielfalt spielt. Dabei zeigte er auf, dass religiöse Bildung einen Beitrag zur kulturbezogener Bildung leisten kann. Aus religionsdidaktischer Perspektive ist die Beschäftigung mit religionskulturellen Kontexten in dreierlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen wird dadurch eine "transkulturell-religiöse Wahrnehmungsschulung" gefördert, zum anderen zeigt sich darin ein "metareflexives Thematisieren religiöser Weltcodierung" und schließlich verweist dies auf ein "aktives In-Beziehung-Setzen mit kulturell-religiösen Ausdrucksweisen".

In der anschließenden Workshop-Phase beschäftigte sich Prof. Lindner mit der Frage, inwiefern klassische Zeugnisse der Religionskultur - Heiligenfiguren, Kapellen, Marterln etc. - einen Beitrag zur religiösen Selbstvergewisserung leisten. Den zweiten Workshop leitete Klaus König. Darin setzten sich die Studierenden mit der These auseinander, dass Christliches im zivilisatorischen Gewand existiert, bspw. in rechtlichen Vorgaben, sozialem Handeln, Konventionen u.ä. Der Workshop erkundete Wege, wie sich christliche Elemente in zivilisatorischer Muster transformiert haben. So kam es z.B. seit der Reformationv im 16. Jhdt. zu einer stufenweise Kommunalisierung von Christlichem. Andererseits haben kirchliche Verhaltensweisen (Buße, Beichte) nicht-intendierte Folgen für die Disziplinierung im modernen Berufs- und Alltagsleben.

Den Flyer zum Studientag finden Sie hier.