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19.09.19

Englischsprachiges Lehrangebot zum Zweiten Vatikanischen Konzil und zu Erinnerung – Vergebung – Versöhnung

Für die katholische Theologie ist es notwendig über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und international sprachfähig zu werden. Dafür ist es wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, auch in englischer Sprache theologische Texte und Sachverhalte zu erschließen und zu diskutieren. Der Lehrstuhl Theologie in Transformation bietet im Wintersemester 2019-20 zwei englischsprachige Lehrveranstaltungen an, die dazu Gelegenheit bieten. Das Angebot steht daher sowohl internationalen Studierenden offen wie auch deutschen Studierenden, die ihre theologische Sprachkompetenz auf Englisch verbessern möchten. Insbesondere der Kurs zum Zweiten Vatikanischen Konzil bietet sich hierfür an, da an den Konzilstexten elementare theologische Fragen auf Englisch behandelt werden, die für Theologie, Kultur und Gesellschaft von elementarer Bedeutung sind.


Konzilseröffnung des 2ten Vatikanischen Konzils (foto: Peter Geymayer)

Unter dem Titel: “Renewal and Ressourcement”. The Impacts of the Second Vatican Council in European History” wird das zweite Vatikanische Konzil (1962-65)  als historisches Ereignis in seiner theologischen und kulturellen Bedeutung in den Blick genommen. Es werden grundlegende Fragen und Werte behandelt, die für das Verständnis der Theologie ebenso fundamental sind wie für eine pluralistische und freiheitliche Gesellschaft: Menschenwürde und Religionsfreiheit, das Verständnis von Dialog und der Umgang mit dem religiösen und weltanschaulichen Pluralismus, die Frage nach den Quellen von Hoffnung und die Frage nach dem universalen Heilswillen Gottes.

Innerhalb des Kurses werden wir die dynamischen Interaktionen zwischen den Christlichen und den sogenannten sekulären Werten untersuchen, indem wir die offiziellen Konzilsdokumente, theologische Texte der wichtigsten Konzilstheologen wie Yves Congar und Karl Rahner sowie einige relevante Quellen der Sekundärliteratur erschließen.

In dem Kurs “Memory-Forgiveness-Reconciliation. Theologische und philosophische Perspektiven“ werden anhand zahlreicher theologischer und philosophischer Texte Fragen der Erinnerung und Vergebung, der Gerechtigkeit und einer möglichen Versöhnung thematisiert. Wir greifen dabei auf Autoren wie Johann Baptist Metz, Hannah Arendt, Paul Ricoeur und Jacques Derrida zurück.

Prozesse der Erinnerung, der Vergebung und Versöhnung zwischen Opfern und Tätern sind von eminenter Bedeutung, um in Gesellschaften, die von Gewalterfahrungen, Unrecht und Traumatisierung geprägt sind, Perspektiven für Gerechtigkeit und ein friedliches Zusammenleben zu eröffnen. Die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Vergebung ist nicht nur ein psychologisches und politisches Problem, sondern wirft tiefreichende philosophischen und theologische Fragen auf. Die Lehrveranstaltung wird zunächst die ambivalente Rolle thematisieren, die Religion und Glauben in Konflikten und bei der Suche nach Frieden zukommt. Anschließend wird nach der Kraft und Bedeutung von Erinnerung als einer Bedingung für Versöhnung gefragt: Wie kann die Abgründigkeit fremden Leidens erinnert werden, sodass der Perspektive der Opfer Gerechtigkeit widerfährt? In einem philosophischen Teil wird die Paradoxie der Vergebung diskutiert, die nur frei und unerzwingbar geschehen kann und die doch notwendig ist, um Opfern wie Tätern einen Neuanfang zu ermöglichen. Schließlich wenden wir uns der Frage zu, ob der christliche Glauben eine Hoffnung auf universelle Versöhnung in Gott eröffnet.