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Preis der Eichstätter Universitätsgesellschaft e.V.
für herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten

Die Eichstätter Universitätsgesellschaft e.V. fördert insbesondere wissenschaftliche Vorhaben in Forschung und Lehre,
kulturelle Veranstaltungen und die Bildungsziele der Universität.

Preisträger 2018

Dr. Marco Benini

Der Preis für die beste Habilitation geht in diesem Jahr an Dr. Marco Benini für seine Arbeit „Die Heilige Schrift im Horizont des Gottesdienstes –
Liturgische Bibelhermeneutik.“
Die Bibel erscheint manchmal als Buch mit sieben Siegeln. Es braucht einen Leseschlüssel. Die Liturgie der Kirche, mit der die meisten Gläubigen überhaupt erst mit der Bibel in Berührung kommen, schließt die Heilige Schrift auf, verkündet sie, ja ist ganz von ihr durchdrungen. Die Leitfrage der Arbeit ist: Wie geht die Liturgie mit der Schrift um? Welche Zugänge schafft die Feier des Gottesdienstes? Wie versteht die Liturgie die Schrift? Die Bedeutung dieser Fragen unterstreicht das II. Vatikanum: „Von größtem Gewicht für die Feier der Liturgie ist die Heilige Schrift“ (SC 24). Nach dem Apostolischen Schreiben Verbum Domini (2010) muss „die Hermeneutik des Glaubens im Hinblick auf die Heilige Schrift ihren Bezugspunkt stets in der Liturgie haben“ (52). Was heißt das konkret?
Die Studie geht diesen Fragen in zwei großen Teilen nach. Der erste untersucht an signifikanten Beispielen den Gebrauch der Schrift in der Liturgie. Denn die Leseordnung bindet Lesungen des Alten und Neuen Testaments sowie Psalmen intertextuell zusammen und lässt im Licht des Kirchenjahres je andere Aspekte aufleuchten. Auch Gebete und Gesänge sind biblisch inspiriert; Zeichen und Handlungen wie die Fußwaschung am Gründonnerstag oder das weiße Taufgewand sind rituelle Zitate/Inszenierungen der Schrift. Dabei werden Messe, sakramentliche Feiern und Tagzeitenliturgie berücksichtigt – und zwar im römischen, mailändischen und byzantinischen Ritus.
Darauf baut der zweite Teil auf, der die Dimensionen einer liturgischen Bibelhermeneutik systematisch erfasst. Die Liturgie versteht die Schrift nicht primär als Dokument der Vergangenheit, sondern feiert sie als aktuelles, neu zugesprochenes „Wort des lebendigen Gottes“, als Medium der Gottesbegegnung. Die Studie analysiert, welche Konsequenzen dies für das liturgietheologische und liturgiepastorale Verständnis der Schrift im Gottesdienst und für das interdisziplinäre Gespräch mit der Bibelwissenschaft hat.
Marco Benini, geboren 1982, hat an der KU und in Rom Theologie studiert und wurde 2008 zum Priester geweiht. Nach vier Jahren als Kaplan und Jugendseelsorger in Neumarkt begann er neben der seelsorglichen Tätigkeit in Pfraunfeld ein Promotionsstudium an der KU zum „Osterfestkreis im Ingolstädter Pfarrbuch des Johannes Eck“. Die Dissertation wurde 2016 mit dem Kardinal Wetter-Preis ausgezeichnet. Während seiner Habilitation war Benini zugleich Domvikar in Eichstätt. Seit August 2018 ist er Gastprofessor an der Catholic University of America in Washington, DC.