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Preis der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG
für die beste interdisziplinäre Arbeit

Preisträger 2018

Dr. Isabel Strubel für die beste Dissertation

Wofür übernimmt man Verantwortung? Was erlebt man als gerecht, was als ungerecht? Urteile, Emotionen und Motive zur Verantwortung und Gerechtigkeit haben sich in zahlreichen Kontexten als bedeutend für die Erklärung nachhaltigen Handelns erwiesen. Allerdings wurde dabei bislang der nachhaltige Konsum so gut wie nicht untersucht. In diese Lücke ist Dr. Isabel Strubel mit ihrer Dissertation mit dem Titel „Nachhaltiger Konsum, Fairer Handel und Gerechtigkeit“ getreten. Für ihre Arbeit im Bereich der Sozialpsychologie erhält sie den Preis für die beste Dissertation 2018. Um die Frage zu beantworten, warum sich Menschen für nachhaltigen Konsum und fairen Handel engagieren, hat Isabel Strubel ein eigenes Untersuchungsmodell entwickelt und mittels einer Forschungsreihe getestet. Diese umfasste vier Teilstudien mit unterschiedlicher Methodik: eine qualitative Repertory Grid Interview- Studie, eine querschnittliche Fragebogenstudie, eine Nachbefragung, die diese zu einem Längsschnitt erweitert, sowie eine Vignettenstudie. Der Gesamtumfang der befragten Personen liegt dabei bei fast 2000. Im Ergebnis zeigte sich, dass Motive der Verantwortung und Gerechtigkeit von großer Bedeutung für den Kauf nachhaltig erzeugter, insbesondere fair gehandelter, Lebensmittel sind. Zudem stellen sie wichtige Beweggründe für Engagement zugunsten des fairen Handels dar. Diese moralischen Motive werden durch soziale Normen und traditionelle, nutzenbezogene Kaufmotive ergänzt. Dabei lassen sich verantwortungs- und gerechtigkeitsbezogene Motive nicht auf Eigennutz reduzieren. Diese Befunde des Dissertationsprojekts von Isabel Strubel bilden einen wichtigen Ansatzpunkt, um nachhaltigen Konsum zu fördern. Isabel Strubel studierte 2005 bis 2012 mit einem Stipendium des Max Weber-Programms des Freistaates Bayern in Eichstätt und Straßburg Psychologie, Mathematik und Französisch für das Gymnasiallehramt. Ihre Abschlussarbeit wurde mit dem Preis der Eichstätter Universitätsgesellschaft für herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten ausgezeichnet. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Princeton University begann sie 2012, gefördert durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, die Arbeit an ihrer Promotion bei Prof. Dr. Elisabeth Kals (Lehrstuhl für Sozial- und Organisationspsychologie). Parallel dazu arbeitete sie an mehreren Forschungsprojekten zur Freiwilligenarbeit sowie in der Lehre mit. Im September 2017 begann Isabel Strubel ihr Referendariat am Siebold-Gymnasium in Würzburg. Derzeit befindet sie sich in Elternzeit.

Dr. Tobias Steindl für die beste Dissertation

Die kumulative Dissertation mit dem Titel „Accounting and Society: A Holistic Perspective on Corporate Social Responsibility“ von Dr. Tobias Steindl erhält den Preis für die beste Dissertation 2018. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der unternehmerischen Nachhaltigkeit (Corporate Social Responsibility). Dabei wird das Themengebiet aus drei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Im ersten Beitrag „Building a social empire? Managerial preferences, shareholder litigation, and corporate social responsibility“ wird untersucht, welche privaten Präferenzen Manager/- innen im Hinblick auf Nachhaltigkeitsinvestitionen haben. Hierbei kann anhand eines natürlichen Experiments gezeigt werden, dass Manager/-innen bevorzugt „zu viel“ in Nachhaltigkeitsprojekte investieren. Dabei werden insbesondere Investitionen getätigt, die nicht dem Kerngeschäft des Unternehmens zuzuordnen sind (sog. immaterielle Nachhaltigkeitsinvestitionen). Zu diesen immateriellen Nachhaltigkeitsinvestitionen zählen u. a. Unternehmensspenden an Organisationen, zu denen der/die Manager/-in einen besonderen Bezug hat. Der zweite Beitrag mit dem Titel „Do customers affect the value relevance of corporate social responsibilty reporting?“ untersucht, inwiefern der Kapitalmarkt auf die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts reagiert. Hier kann anhand einer umfangreichen empirischen Analyse gezeigt werden, dass insbesondere für kleinere Unternehmen, die Endkonsumenten adressieren (sog. B2C Unternehmen), die Kapitalmarktreaktionen positiv, für größere Unternehmen, die andere Unternehmen als Kunden adressieren (sog. B2B Unternehmen), die Kapitalmarktreaktionen hingegen negativ sind. Im letzten Beitrag mit dem Titel „Cultural rule orientation, legal institutions, and the credibility of corporate social responsibility reports“ betrachtet Steindl inwiefern die Kultur und das Rechtssystem eines Landes die Qualität bzw. Verlässlichkeit von Nachhaltigkeitsberichten beeinflusst. Die Ergebnisse einer internationalen Archivdatenstudie zeigen, dass Länder mit einer stärkeren kulturellen Regelorientierung und einem ausgeprägterem Rechtssystem verlässlichere bzw. qualitativ hochwertigere Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Tobias Steindl studierte Internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und Oslo. Während seines Promotionsstudiums an der KU und der Macquarie University (Sydney, Australien) war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für ABWL, Controlling und Wirtschaftsprüfung (Prof. Dr. Göttsche) tätig. Zudem verbrachte er Forschungsaufenthalte an der Macquarie University, Seattle University und University of Salamanca.