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Sonntag, 5. November 2017: Kongolesischer Gottesdienst

Katholischer Gottesdienst nach kongolesischem Ritus mit Prof. Dr. Olivier Ndjimbi-Tshiende
Beginn 14 Uhr in der Kapelle der Katholischen Hochschulgemeinde. Im Anschluss ist Raum
für Gespräche und Austausch.

 

Die Messe im kongolesisch-afrikanischen Ritus
- Was ist sie und wie sieht sie aus?

In den 80er Jahren fing der damalige liturgiereformfreundliche Kardinal Joseph Albert Malula an eine neue der Kultur der Afrikaner und Kongolesen angepasster Liturgie der Messe aufzustellen und auszuprobieren. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Bald waren die katholischen Kirchen voll von Gläubigen. Sie standen bis außerhalb der Kirchenhäuser. Was war geschehen?

Kardinal Malula hat den afrikanischen Geist und Charakter verstanden. Fast alle wichtigen Momente des Lebens werden mit Tanz gefeiert. Denn im Tanz verbinden sich Afrikaner/Kongoleser mit ihren Ahnen, mit denen sie auf diese Weise das Leben feiern. Ob Tod oder Leben, ob Freude oder Trauer, ob Erfolg oder Misserfolg - durch den Tanz danken sie, trauern sie, beklagen sie sich und bitten den Höchsten und Allmächtigen um Hilfe. Tanzen ist nicht nur Ausdruck der Freude, sondern auch der Trauer, der Traurigkeit und der Bitte. Durch den Tanz kommunizieren Kongoleser/Afrikaner miteinander und mit der überirdischen Welt der Ahnen und des Allmächtigen. Darum fühlten sie sich im neuen Gottesdienst wohl und konnten so auf ihre Art - im betenden Tanzen - besser mit Gott und den Heiligen kommunizieren.

Diese Liturgie wurde von Rom in den 80er Jahren unter dem Namen „römische Messe im kongolesischen Ritus“ genehmigt. Kurz darauf breitete sie sich im ganzen Afrika südlich der Sahara aus.

Inhaltlich hat man folgende Teile der römischen Messe umgestellt oder geändert:

  • Die allgemeine Antwort auf die Aufforderung des Priesters „Der Herr sei mit euch“ beantwortet man mit „und auch mit dir“.
  • Das Glorialied kommt erst nach der Predigt und dem Sündenbekenntnis: Denn nach dem Gotteswort und entsprechend dessen Inhalt fühlt man sich erst als Sünder, und nach der Vergebungsbitte kommt die Freude zum Vorschein.
  • Da der Altar Jesus als den Hohepriester kennzeichnet, wird im Glorialied mit dem Weihrauch des Altardienstes um den Altar getanzt.
  • Die Doxologie nach dem Hochgebet wird ausführlicher gesungen – vom Volk und dem Priester immer im Wechsel.
  • In der Regel ist die Predigt eine Art Dialog zwischen Volk und Priester. Auf diese Weise wird die Predigt noch lebendiger. Manchmal wird auch dabei gesungen und mit Sprichwörtern das Wort Gottes erklärt.
  • Bei der Prozession zum Auszug wird genauso getanzt wie beim Einzug in die Kirche. Es wird viel lebendiger und für die Afrikaner ganzheitlicher gefeiert und gebetet - eben mit Leib und Seele. Jedes Volk soll Gott verehren und anbeten wie es ihm am ehesten entspricht. Aber alle Völker können voneinander lernen.