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Das Fach „Mittelalterliche Geschichte“ in Eichstätt

Mit dem Begriff „Mittelalter“ bezeichnen wir üblicherweise das Jahrtausend europäischer Geschichte, das zwischen 500 und 1500 liegt. Seinen zunächst lateinischen Namen medium aevum und seine Existenz verdankt diese historische Epoche italienischen Humanisten, die sich um 1400 erfolgreich und nachhaltig als Wiederentdecker einer angeblich in Vergessenheit geratenen Antike in Szene setzten und den vorangehenden Zeitraum als „mittlere Zeit“ im Sinne einer „Zwischenzeit“ beschrieben. Die europäische Aufklärung griff diese abwertende Abgrenzung gegenüber einer als ungebildet und abergläubisch dargestellten Zeit dankbar auf und verhalf nicht nur der Bezeichnung, sondern auch ihrer negativen Konnotation zum Durchbruch. Seit langem wissen wir, dass die antike Tradition für die mittelalterliche Geschichte von großer Bedeutung war und dass das intellektuelle Erbe des Mittelalters die Identität Europas bis heute nachhaltig prägt. So fragwürdig diese Epochenbezeichnung daher auch sein mag, eine gewisse Berechtigung kann man der groben Zusammenfassung dieses Zeitraums unter einem gemeinsamen Begriff mit Blick auf verbindende Merkmale dennoch nicht absprechen. Ohne Zweifel war das Mittelalter eine Zeit zumeist schwach ausgeprägter und überwiegend monarchisch verfasster Staatlichkeit mit einer schon durch die langwährende Bindung an die lateinische Sprache gering entwickelten Schriftlichkeit und einer ständischen Ordnung mit geringer sozialer Mobilität. Stets dominierte im mittelalterlichen Europa die Landwirtschaft als wichtigster Erwerbszweig, und immer wieder wurde Europa aufgrund der im Vergleich zu heute geringen Ertragsquoten von dramatischen Hungersnöten und bedrohlichen Seuchen heimgesucht, gegen welche die der antiken Tradition verpflichtete gelehrte Medizin keine Hilfe bot. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch eine trennscharfe Grenzziehung insbesondere an den Anfangs- und Endpunkten der Epoche nicht leicht, denn die Antike lebte in ihrer Sprache, ihrem Bildungssystem, vielen Institutionen und auch im Christentum als immer stärker alltagsprägende Kraft lange über die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers im Jahre 476 hinaus fort. Ähnlich schwer fällt es, eine Trennlinie zur Moderne zu ziehen: Herrschaftsverdichtung, Anfänge einer flächendeckenden Verwaltung und eine vor allem durch die Verdrängung des Lehnsaufgebots durch Söldnerheere bedingten wachsenden Finanzbedarf lassen bereits Frühformen moderner Staatlichkeit erkennen, weitreichende wirtschaftliche Verflechtungen nahmen weltwirtschaftliche Zusammenhänge in Ansätzen vorweg, eine Explosion der Schriftlichkeit kündigte in Verbindung mit der Durchsetzung des Papiers seit dem 14. Jahrhundert das Aktenzeitalter an, die Ausbreitung der Universität über ganz Lateineuropa bahnte der Bildungsgesellschaft den Weg und städtisches Leben begann bereits im 12. Jahrhundert, neue Formen politischer Autonomie in die gesellschaftliche Organisation einzuführen. Gerade mit Blick auf diese Linien, die teilweise noch den modernen Menschen der Gegenwart ans Mittelalter binden, erscheint das Mittelalter als eine Zeit, die uns in einer charakteristischen Dialektik von Fremdheit und Vertrautheit entgegentritt. Die wissenschaftliche Erforschung des Mittelalters bezieht ihren Reiz, aber auch ihre Relevanz in Teilen aus diesem Umstand. Und auch die Gründe, warum das Mittelalter, in Besucherzahlen historischer Großausstellungen gemessen, die bei weitem populärste historische Epoche darstellt, könnten damit zusammenhängen. In Eichstätt umfasst das Lehrprogramm alle Teilepochen der Geschichte des europäischen Mittelalters. Dabei steht neben der Erarbeitung von historischem Orientierungswissen auch der methodische Kompetenzerwerb im Vordergrund. Eine Schnittmenge beider Bereiche bildet die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen des öffentlichen Umgangs mit der mittelalterlichen Geschichte. Auch dieses mit Blick auf den Arbeitsmarkt für Historikerinnen und Historiker immer wichtigere Feld historischer Beschäftigung hat einen festen Platz im Lehrprogramm. Die am Lehrstuhl angesiedelte Forschung konzentriert aktuell auf die Geschichte der mittelalterlichen Kirche und das Papsttums, in besonderer Weise auf die Lösung des Großen Abendländischen Schismas durch das Konstanzer Konzil (1414-1418), auf Kommunikation und Mobilität und auf Aspekte der Durchdringung der mittelalterlichen Gesellschaft durch Normen des gelehrten Rechts. Weitere Forschungsvorhaben widmen sich der Praxis mittelalterlicher Herrschaft im Spiegel der Herrschaftswechsel, der Kreuzzugswerbung, der Hansegeschichte, der praktischen Durchsetzung kirchlicher Eherechtsbestimmungen und der politischen Bedeutung des hochmittelalterlichen Bischofsamtes.

Die Landwirtschaft – wichtigster Zweig der mittelalterlichen Ökonomie

  • Den Haag, Koninklijke Bibliotheek Hs. 76 F 13, f. 10v (Fécamp-Psalter, um 1180): Monat Oktober mit Monatsarbeiten.
  • Im oberen Bild wird links ein Bauer bei der Aussaat des Wintergetreides gezeigt. Rechts sehen wir eine Frau beim Handspinnen. Sie steht und hält den Spinnrocken mit der gekämmten Wolle unter ihren angewinkelten linken Arm geklemmt und zieht mit der linken Hand den Faden aus, während die rechte Hand den Faden mit der rotierenden Spindel mit Spindelstab und dem - hier fehlenden - Wirtelgewicht hält. Der Ort der Darstellung am Rande des Feldes kann durchaus realistisch sein, denn das Handspinnen wird in dieser Form in manchen Ländern noch heute im Freien – etwa beim Hüten von Tieren oder bei der Beaufsichtigung von Kindern – ausgeführt.


    Im unteren Bild ist ein Bauer zu erkennen, der mit der zu jener Zeit noch für die ländliche Bevölkerung typischen Kopfbedeckung, der kapuzenartigen und Kopf wie Schultern bedeckenden Gugel, bekleidet ist. Er führt ein Pferd, das eine Egge zieht und damit ein Zugtier, das erst mit der Ausbreitung des hier ebenfalls dargestellten Kummets im Hochmittelalter in größerer Breite eingesetzt wurde. Aufgrund der höheren Ganggeschwindigkeit, die zur Zerschlagung von Erdschollen und Klumpen nötig war, kamen zum Ziehen einer Egge bei der Unkrautbekämpfung, beim Auflockern des Saatbettes oder – wie wohl hier – beim Eineggen der Saat nur Pferde statt der ursprünglich als bevorzugtes Zugtier eingesetzten Ochsen in Frage.