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Herzlich Willkommen an der Professur für Prozessorientierte Soziologie
Wozu überhaupt Soziologie?

Soziologie ist notwendig und mitunter auch sehr nützlich, um die aus den alltäglichen Handlungen, Praktiken, Gewohnheiten und Pfiffigkeiten von Menschen hervorgehenden Beziehungsgeflechte und Vergesellschaftungsprozesse besser zu verstehen. Diese Antwort auf die Frage nach der Existenzberechtigung unseres Faches klingt kompliziert und trivial zugleich – also typisch soziologisch!

Obwohl sie die Erfahrung machen, dass sie ihr nicht entkommen können, möchten Soziologen der Frage, wozu Soziologie eigentlich gut sein soll, gerne ausweichen. Denn Soziologen glauben zu wissen, dass der unbefriedigende Eindruck, den ihre Antworten auf diese ‚grundlegende Sinnfrage’ hinterlassen, nahezu unvermeidlich ist. Wir sind doch alle Teil von ‚Beziehungsgeflechten’ und wissen über diese selbstverständlich auch Bescheid. Dazu brauchen wir doch keine Soziologen! Soziologen fahren Fahrrad, trinken Mineralwasser, gehen hin und wieder zum Arzt und wissen wie man sich an der Supermarktkasse verhält. Auch sie sind selbstverständlich in die sozialen Beziehungsgeflechte involviert und haben an den alltäglichen Wissensprozessen teil, für die sie sich wissenschaftlich interessieren. Als Reflexionswissenschaftler sozialer Beziehungen haben sie darüber hinaus aber Methoden entwickelt, sich über das alltägliche Bescheid-Wissen zu wundern. Und es hat sich herausgestellt, dass dieses Wundern ein erster wichtiger Schritt ist, um die Logik sozialer Beziehungsgeflechte und Vergesellschaftungsprozesse zu entschlüsseln.

Was ist Prozessorientierte Soziologie?

Die Prozessorientierte Soziologie geht aus von der Priorität des Werdens, der Differenz und fortlaufenden Veränderung des Sozialen. Sie methodisiert und kultiviert den Verdacht, dass sich sozialwissenschaftliche Probleme als Scheinprobleme herausstellen können, die durch statische Begriffe und die „Verhexung des Verstandes durch die Sprache“ (Wittgenstein) erst zustande kommen. Daher entwickelt die Prozessorientierte Soziologie Sprach- und Denkmittel, die ihren veränderlichen empirischen Phänomenen angemessen sind.

Den Ausgangspunkt unserer Arbeit am Arbeitsbereich Prozessorientierte Soziologie bilden Beobachtungen und analytische Beschreibungen alltäglicher sozialer Geschehnisse. Wir bemühen uns, die dazu geeigneten Methoden in der Lehre zu vermitteln und in empirischen Forschungen weiterzuentwickeln. In dieser empirischen, mikrosoziologischen und kulturanalytischen Orientierung sind wir thematisch nicht festgelegt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns etwa mit vergleichenden empirischen Analysen von Praktiken des Schreibens in Werbeagenturen und in der Wissenschaft oder mit der Frage, wie versucht wird, teamförmige Arbeitsprozesse über die Schaffung besonderer Orte, Situationen, Stimmungen und Atmosphären (positiv) zu beeinflussen. Zudem spielt am Arbeitsbereich Prozessorientierte Soziologie die kritische Auseinandersetzung mit Machtprozessen und Herrschaftsverhältnissen eine wichtige Rolle.

Was sollten Studierende mitbringen und was können sie mitnehmen?

An der Prozessorientierten Soziologie interessierte Studierende sollten eine intellektuelle Lese- und Abenteuerlust und ein gewisses Durchhaltevermögen in der Auseinandersetzung mit den klassischen und den theoretischen Texten unseres Faches mitbringen. Darüber hinaus ist die Bereitschaft wichtig, Vertrautes, Gewöhnliches und Alltägliches befremdlich zu finden und dem soziologischen Blick auszusetzen. Mitnehmen können Studierende und Interessierte dann hoffentlich einen gewissen analytischen Spürsinn, eine generelle Kritikfähigkeit und die Befähigung sich über Selbstverständliches zu wundern.

 


Kontakt

Sie finden uns im Kapuzinerkloster (KAP) im 1. Stock, Zimmer 101 und 105.

Postanschrift:

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Professur für Prozessorientierte Soziolgie
Kapuzinergasse 2
85072 Eichstätt

Sekretariat:

Frau Johanna Pfahler

Tel:   +49 8421 93 - 21501
Fax:  +49 8421 93 - 21798
E-Mail: johanna.pfahler(at)ku.de