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Berufsfeldbezogene Zusatzqualifikation

tiefenpsychologisch fundierte Themenzentrierte Interaktion


Der dreisemestrige Kurs ist für Studierende aller Fakultäten geöffnet. Wer dieses Modul erfolgreich absolviert, wird überfachlich qualifiziert und dabei für Alltag und Beruf, in Staat, Kirche und Gesellschaft tragende Fähigkeiten erlangen (u. a. Gesprächsführung; Kommunikationsmodelle; Reflexion eigener Voraussetzungen, Anlagen und Ressourcen). Die erbrachte Leistung wird mit 10 Credit Points (cp) nach dem ECTS anerkannt; darüber hinaus hat jede/r Teilnehmer/in die Möglichkeit, sich diese Weiterbildung durch ein Zertifikat (Assistant of Community / tf TZI) bescheinigen zu lassen (gemäß Modulbeschreibung im KU. Campus-Management-System).  Für die Vergabe der 10 cp ist regelmäßige und aktive Teilnahme von der Einführungsveranstaltung bis zur letzten Blockeinheit verlangt; diese ist zudem Bedingung für die Vergabe des Zertifikats (Splitten der Anteile ist nicht möglich).

Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) führt in Methode und Haltung ein, Gruppen- und Gesprächsprozesse dynamisch im Sinne lebendigen Lernens und Lehrens zu gestalten und so Gruppen- und Teamleitung einzuüben. In ihrer Flexibilität und axiomatischen Ausrichtung ist sie nicht nur für andere Wege offen (Gestaltarbeit; Bibliodrama; Organisationsentwicklung; Gemeindeberatung usw.), sondern vor allem auch hilfreich zur Orientierung in alltäglichen Kommunikationssituationen, bei wertebestimmter Lebens-Ausrichtung und Richtungsuche (Umsetzung lebensbestimmender Grundoptionen, Axiome, Überzeugungen, Grundhaltungen in konkreten Alltag).

Die Weiterbildung gibt demgemäß eine sinnorientierte und ganzheitliche, methodisch ausgefeilte und praktisch erprobte, das jeweilige Studium unterstützende und weiter führende Ausrichtung auf den Mitmenschen in Individualität und Sozialität. Zugleich werden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch in konkrete, krisen- und konfliktstabile, konstruktiv auf Überwindung fataler Trennungen, Dualismen und Abgrenzungen bedachte Konzepte (Urteilsfähigkeit) und Praktiken (Anwendungstauglichkeit) der Kommunikation eingeführt. Sie lernen dabei, auch selbst solche Konzepte zu entwickeln, sie in Alltag und Beruf umzusetzen und anzuwenden.

Grundlage der im Sinne des Humanums werteorientierten, wertebestimmten und wertebestimmenden Arbeit ist die Axiomatik der Themenzentrierten Interaktion nach der deutsch-amerikanischen Psychoanalytikerin Ruth Cohn (1912-2010). Auf dieser Axiomatik aufbauend und sie weiterführend entwickelte Ruth Seubert (*1940) in enger Abstimmung mit Ruth Cohn die tiefenpsychologisch fundierte Themenzentrierte Interaktion (tf TZI/IR) .

Diese integriert insbesondere, von christlichen Grundhaltungen inspiriert, die Psychologie des Wiener Arztes, Logotherapeuten und Existenzanlytikers Viktor E. Frankl (1905-1997). Er ist der Begründer der so genannten Dritten Wiener Schule (nach Freud, nach Adler), die darin besonders fruchtbar wurde, dass sie das freudianisch-materialistische Bild vom Menschen entscheidend korrigierte und so ganz neue Sinn-Perspektiven eröffnete.

Das auf Ganzheitlichkeit optierende Menschenbild der tiefenpsychologisch fundierten Themenzentrieren Interaktion schließt die Idee des geistig Unbewussten nach Frankl und die Idee der Teleonanalyse (biografische Entwicklung und Sinnorientierung) nach Alfred Adler (1870-1937) ein. Das Zusammenspiel dieser Komponenten gibt nicht zuletzt auch kirchlicher und religiöser Kommunikation im Kontext säkularer wie postsäkularer Stimmungslage an der Basis wie in hierarchisch gestuften Berufsfeldern eine hohe Prägnanz. Die tiefenpsychologisch fundierte Themenzentrierte Interaktion ist Grundlage der Arbeit in dem hier angebotenen Modul.

Der Grundsatz von Ruth Cohn "Es geht ums Anteilnehmen" kann von der tf TZI insbesondere, soweit gewünscht und mitgetragen, auf christliche bzw. religiöse und kirchliche Gemeinschafts- und Gemeindebildung transponiert und im Blick auf das Evangelium adaptiert werden.

Hier wird dann das Prinzip der wechselseitigen Anteilnahme von der eher horizontalen, zwischenmenschlichen auf die vertikale, transzendente Ebene erweitert. Wie dies geschieht, zeigt das folgende, von Ruth Seubert (Institut Simone Weil) entwickelte Strukturbild für Formation und De-formation von Person (Ich), Gruppe (Wir), Aufgabenerfüllung (Es) und Umgebungsbedingungen (Globe) – das Vier-Vektoren-Modell der tf TZI/IR [©]:

Ziele des Kurses – in Kurzform:

  1. Im Kontext der heutigen Lebenswelten (religiös, multireligiös, multikulturell, ‚postsäkular', relativistisch usw.) ein tragfähiges Verständnis von Person und Persönlichkeit entwickeln und einüben
  2. Förderung und Unterstützung der persönlichen, existenziell zu verantwortenden Individuation inmitten sozialer Prozesse, Orte (Gemeinde:  Orts- und Personalgemeinden; Gemeindeverbände) und Räume (Kultur, Politik, Gesellschaft)
  3. Leitung von Kleingruppen unter besonderer Rücksicht biografisch-lebensgeschichtlicher Themenzentrierung, die je nach Teilnehmer-Profil eher alltagspraktisch, religiös-theologisch, pastoral oder spirituell akzentuiert sein kann.


In den genannten Zielen spiegelt sich die Absicht gezielter Balancierung der vier ausschlaggebenden Vektoren im Strukturbild der tf TZI, das deren dialektische Verschränkung, wechselseitige Förderung und konkretes Zusammenspiel vor Augen führt:

  • Individuelles Selbst-sein: Persönlichkeitsbildung in individuell-spezifischen Kommunikationssituationen; Verantwortung der Freiheit und/als Autonomie – auf der Ich-Achse; ganzheitlich, zwischen Idealität (Wünschbarkeit; Optionen; das hätte ich gern so…) und Realität (Fakten, Ereignisse, Erfahrungen, lebensgeschichtliche Einsichten; es ist einfach nicht oder eben doch so und nicht anders…)
  • Soziales Mit-sein: positive, konflikteinschließende Interdependenz in Alltag, Staat, Gesellschaft, Kirche; Ins-Gespräch-bringen von Kultur und Glaube/Werteorientierung in den diversen Lebenswelten; unaufhebbare Prägung durch jeweilige Sozialisation – die Wir-Achse
  • Aufgaben-, Themen- und Zielorientierung in aller Kommunikation: Bewusstmachung und Einübung glaubens- und werteerschließender, stützender und verbauender Strukturen (Lebenswelten, Kommunikationssituationen, gelebte oder erstrebte Haltungen und Lebensorientierungen); gemeinsames ‚Thema', gemeinsames Interesse, gemeinsame Arbeit an… – die Es-Achse
  • universale Vernetzung und Verwobenheit: Teil und Ganzes, Einzelnes und Alles – die Globe-Achse


Daraus ergibt sich die inhaltliche Schwerpunktsetzung der drei Projektsemester:

  • Person – Persönlichkeit – Individuation (Ich- und Wir-Achse)
  • Lebenswissen in Austausch und Begegnung (Wir- und Es-Achse)
  • Kommunikation in Kooperation und Konkurrenz (Es-,Wir-, Globe-Achse)

Inspiriert durch das dem Konzept zugrundliegende Menschenbild ist vom ersten bis zum dritten Semester die Sicht auf die menschliche Wirklichkeit vor dem absoluten Horizont integriert. Es gibt eine Reihe von TZI-‚Curricula‘, die allerdings nicht Norm, sondern kontingente Konkretionen sind. Als Inhalte und Arbeitsschritte sind Persönlichkeitsentwicklung, Theorievermittlung und Methodentraining zur Führungskompetenz unerlässlich:

  • Persönlichkeitsentwicklung: biografische Arbeit; Werteorientierung; Sinn, Sinnmitte, Sinnverlust; Person – Gruppe – Lebenskonzept / Evangelium
  • Theorievermittlung: Ursprung, Methode und Haltung, System und Struktur der tf TZI/IR im Überblick; Dynamik von Persönlichkeit und Gruppe; Konfliktdiagnose, -prävention, -intervention
  • Methodentraining: Führungskompetenz in Gruppen und berufsbezogenen Teams,  Steuerungsprozesse, Interventionen, einschl. Krisenintervention, Konfliktmanagement

Die Inhalte umfassen letztlich – nach Maßgabe der eingebrachten Interessen – alle möglichen und wirklichen Kommunikationsfelder, in der Weite und Tiefe menschlicher Kommunikationssituationen, in Gelingen und Scheitern. Sie werden besonders in Absprache mit Vertreter-inne-n der Pastoralpsychologie und -soziologie, der Gemeindearbeit und Spiritualität je neu, konkret und lebendig, situations- und prozessbezogen entwickelt.
Alle Veranstaltungen finden prinzipiell in Einheit von Theorie (Information; Erarbeitung) und Praxis (Erprobung; Einübung) statt. Die Lehrform der Vorlesung bzw. des (längeren) Vortrags ist nur in Ausnahmefällen vorzusehen.
Nach einer für alle Interessenten obligatorischen Einführungsveranstaltung folgen neun Wochenend-Blockveranstaltungen, aufgeteilt auf je drei Freitag-Samstag-Einheiten pro Semester. Die Veranstaltungen beginnen jeweils im Wintersemester. Neben dem Intervall-Präsenzstudium (150 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten = 8 cp) ist auch Selbststudium (50 UE = 2 cp) verlangt; weitere Informationen finden sich unter der Modulbeschreibung in KU. Campus-Management-System.
Prof. em. Dr. Ulrich Willers
Philosophie/Fundamentaltheologie; Master of Community (tf TZI/IR) – Projektleiter

 

[1] Die tf TZI/IR wird am Institut Simone Weil (Marktheidenfeld; ISW) seit 1996 gelehrt. Die tf TZI-Methode ist eine Weiterentwicklung der von Ruth C. Cohn um 1955 in New York begründeten Themenzentrierten Interaktion (TZI). Das ISW (Inhaber „Hauskirche fiat verbum e. V.) ist ausschließliche Lizenznehmerin der Marke „tf TZI“ (EU-Marke Nr. 013915111 und IR-Marke Nr. 1 277 787). – Die tf TZI ist beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) für die Anwendung in folgenden Bereichen eingetragen: 41 Education; Providing of Training; Provision of Training Courses; Coaching; Arranging and Conducting Seminars and Workshops; Arranging of Lectures; Provision of Training Courses; Provision of Training Courses. 42 Scientific Research Services. 44 Medical Services; Psychotherapy Services; Psychological Counseling.