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Projekte und Forschungsbereiche

Germanistische Institutspartnerschaft (GIP) mit Brasilien, seit 2013: FAU Erlangen-Nürnberg, UFRGS Porto Alegre, UFPEL Pelotas, unter Einbindung der KU Eichstätt-Ingolstadt

Die DAAD-geförderte Institutspartnerschaft wurde von Erlangen aus aufgebaut und wird unter Mitwirkung des Lehrstuhls für Deutsche Sprachwissenschaft der KU weitergeführt. Zu den Zielen gehört der Austausch von Studierenden, der Lehraustausch sowie die Kooperation in der Forschung. Unter anderem wird an der UFRGS intensiv das sogenannte Hunsrückische erforscht, deutsche Dialekte, die in Südbrasilien heute noch von den Nachfahren deutscher Auswanderer gesprochen werden. Unter Einbindung der Institutspartnerschaft sollen weitere Dialektgruppen in Südbrasilien einbezogen und didaktische Maßnahmen zur Nutzung der Dialektkenntnis im DaF-Unterricht in Südbrasilien erforscht werden.

 

Flexionsmorphologie in der Nominalphrase oberdeutscher Dialekte

Die Substantive weisen in ihrer Numerus- und Kasusmarkierung große Variation auf – nicht nur in der Standardsprache, sondern auch in den Dialekten des Deutschen. Diese sind jedoch bislang in Hinblick auf die Flexionsklassenvarianz kaum systematisch untersucht worden. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie das Deklinationssystem im heutigen Dialekt aufgebaut ist und welche historischen Umbauten der Deklinationsmorphologie stattgefunden haben, um die aktuellen Deklinationssysteme hervorzubringen. Dabei werden auch wichtige Theorien zum morphologischen Wandel auf den Prüfstand gestellt – es lässt sich zum Beispiel verfolgen, dass entgegen der Vorhersagen wichtiger Theorien in ostoberdeutschen Dialekten häufig eine gute Pluralmarkierung durch morphologischen Wandel abgebaut wird, indem ein –n, das als Pluralmarker dient, auch in den Singular verallgemeinert wird, vgl. bair. Sg. die Stuben (< die Stube) – Pl. die Stuben. Weiterhin wird der Wandel der Deklinationsklassen auf typologische Muster bezogen, etwa die Neigung des Deutschen zu klammerbildenden Strukturen, unter anderem in der Nominalphrase. Ein Antrag für ein Drittmittelprojekt mit breiterem Skopus befindet sich in Vorbereitung. Der Wandel von Deklinationsklassen wird daneben auch im germanischen Sprachvergleich untersucht.

 

Personennamen: Spitznamen und Familiennamen

Am Beispiel der Spitznamenbildung wird untersucht, welche Muster bei Kurznamen systematisch anzutreffen sind. Dabei wird konsequent auch eine sprachvergleichende und namentypenübergreifende Perspektive (Personen- vs. Tiernamen) herangezogen. So lässt sich z. B. feststellen, dass deutsche und niederländische Spitznamen mit großer Häufigkeit Zweisilbern auf –i entsprechen (Sani < Sandra), während im Schwedischen Zweisilber auf Schwa verbreitet sind, die eine Geminate aufweisen (Lasse < Lars). Neben Spitznamen werden auch Familiennamen aus einer kontrastiven germanistischen Perspektive untersucht.

 

Verstehbarkeit nah verwandter Varietäten

Zwischen Dialekten einer Sprache (z.B. Bairisch und Ostfränkisch) und nah verwandten Sprachen einer Sprachfamilie (z. B. Deutsch und Niederländisch) besteht häufig zu einem gewissen Grad Verstehbarkeit, ohne dass die andere Varietät durch Sprecher der ersten Varietät zuvor erlernt werden muss. So kann man z. B. mit Deutschkenntnissen zu einem gewissen Grad niederländische Zeitungstexte verstehen und kann innerhalb des deutschen Sprachgebiets in Teilen die dialektale Varianz verarbeiten. In Arbeiten zum interdialektalen und interlingualen Verstehen wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren für den jeweiligen Grad an Verstehbarkeit maßgeblich sind, wobei sowohl nicht-sprachliche Faktoren (Sprachkontakt, Attitüden) als auch sprachliche Faktoren (sprachlicher Abstand in Lexikon und Grammatik) herangezogen werden.