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Collegium Willibaldinum und Jesuitengymnasium ab 1564
  • Das Collegium Willibaldinum wurde 1564 von Bischof Martin von Schaumberg als erstes tridentinisches Seminar in Deutschland (und als Zweites weltweit nach Rieti) gegründet.
  • Das Hauptmotiv für die Gründung durch Fürstbischof Martin vom Schaumberg war die "Sorge um den Erhalt des katholischen Glaubens in Deutschland, das Bemühen um dessen Schutz gegen die Invektiven der neuen Häresien, sowie um eine Behebung der moralischen und eruditiven Mängel im Diözesanklerus jeden Ranges."  
  • Schaumberg wollte die katholische Ausbildung der Heranwachsenden auf die Disziplinen der "Artes liberales", die "Sacrae litterae" und die Kirchenpraxis gründen, um damit den größten Effekt für die Pfarreien und die "cura animarum" in der Eichstätter Diözese zu erzielen.  
  • Der Lehrplan entsprach einer Philosophischen und Theologischen Universitätsfakultät, diese Gleichwertigkeit wurde 1565 durch einen Privilegienbrief des Herzogs Albrecht V. bestätigt. Ebenfalls seit 1565 bestand ein Inkorporationsvertrag mit der Artistenfakultät in Ingolstadt, wonach die Studien in den benachbarten Hochschulstandorten gleichgestellt wurden .
  • Das Professorenkollegium bestand aus Weltpriestern, die anfänglich aus Ingolstadt, später vom Germanicum in Rom berufen wurden, und z.T. bereits als Zöglinge das Seminar besucht hatten. Problematisch war allerdings die hohe Personalfluktuation, die trotz guter Bezahlung bestand.
  • Herausragende Professoren der Frühzeit waren u.a.Wolfgang Holl (später Weihbischof), Johann Ertlin (später Weihbischof in Bamberg), Johann Heiß, Peter Stevart, Robert Turner und Friedrich Staphylus (Regens von 1593 bis 1614).
  • Nach dem Tod des Gründers und Mentors Martin von Schaumberg im Jahre 1590 geriet das Seminar in eine finanzielle Krise, die bald seine Existenz in Frage stellte.
  • 1602 wurde das Collegium Willibaldinum auf eine bloße Lateinschule beschränkt .
  • 1614 stellt das Ende des tridentinischen Seminars dar. Die Gründe hierfür lagen in der mangelhaften Finanzierung und im raschen Wechsel der Professoren.
  • Infolge der Säkularisation des Hochstifts löste sich das Collegium 1806 allmählich als Priesterbildungsstätte auf, nachdem die Jesuiten es bereits 1773 hatten aufgeben müssen.

  • Bischof Martin von Schaumberg hatte bei Gründung des Collegium Willibaldinum als Erster in Deutschland die Vorgaben des tridentinischen Konzils berücksichtigt (relevant war hierfür der Beschluss Priesterseminare einzurichten um eine bessere Ausbildung der Seelsorger gewährleisten zu können: also Ausbildungsstätte für angehende Kleriker). Darüber hinaus wurde es auch allen anderen Interessierten als Fortbildungsstätte ans Herz gelegt .
  • Unverrückbare Forderung des Tridentinums war: die Bildung der Priester gehört zu den Rechten und Pflichten eines jeden Bischofs, und muss daher am Bischofssitz erfolgen.

Quellen

  1. Müller, R. A.: Eichstätts höheres Bildungswesen in Mittelalter und Frühmoderne. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S. 20.
  2. Ebd., S. 21.
  3. Vgl. Zschaler, F.: Zur Geschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. in: W.K.St.V. (Hrsg.): 50 Jahre W.K.St.V. Unitas-Frankonia zu Eichstätt, S. 65.
  4. Müller, R. A.: Eichstätts höheres Bildungswesen in Mittelalter und Frühmoderne. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S. 24.
  5. Naab, E.: Beobachtungen zur Theologie in Eichstätt auf dem Weg vom Collegium Willibaldinum zur Katholischen Universität. in: 11. Jahrbuch zur Universitätsgeschichte, S. 41.