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Jesuitengymnasium und Lyzeum
  • Bischof Karl August Graf von Reisach war ein "ungewöhnlich energischer und konfliktbereiter Geistlicher" , der zudem einen pragmatischen Lösungsansatz verfolgte.
  • Er pochte auf die Bewahrung der Eigenständigkeit der Kirche sowie auf die deutliche Abgrenzung gegenüber dem Staat  . Die stufenweise Verwirklichung seiner Ideen sah so aus: Zunächst wollte er für ausreichende Geldmittel sorgen um unabhängig von staatlichen Zuschüssen und damit auch Beeinflussung zu sein. Um dies zu erreichen gründete er den St. Willibald-Verein. Zudem wollte er das "krankende"  Priesterseminar um ein Knabenseminar ergänzen. Als nächsten Schritt plante der Bischof den Aufbau eines Lyzeums. Sein gesamter Plan sah also ein aus mehreren Teilen bestehendes Bildungsprogramm vor, welches sich an die Regelungen des Tridentinums anlehnte.
  • Bischof von Reisach gründete den St. Willibald-Vereins, wobei er jährliche Einnahmen von 20.000 bis 30.000 Gulden einkalkulierte, die allerdings nur in den Spitzenjahren erreicht wurden. Trotz geringerer Einkünfte als geplant, blieb der Verein bis zur Einführung der Kirchensteuer nach dem Ersten Weltkrieg die wichtigste Einkommensquelle des Seminars . 
  • Der nächste Schritt war die Wiederbegründung des Knabenseminars, wobei sowohl Leitung als auch Organisation allein bei Bischof von Reisach liegen sollten.
  • Das Knabenseminar konnte am 08.11.1838 eröffnet werden und war untrennbar mit dem Priesterseminar verbunden.
  • Bischof Reisach erreichte 1843 mit Zustimmung des bayerischen Königs Ludwig I. die Errichtung eines "Lyzeums mit dem Charakter einer öffentlichen Anstalt" . Bedingung zur Wiedererrichtung war, dass es zwar "eine kirchliche Anstalt sei, aber zugleich den Charakter einer öffentlichen Anstalt in dem Sinne genießen [solle], daß die Studien an demselben den Studien an anderen Lyceen gleichgestellt werden" . Die staatliche Anerkennung wurde im November vom Münchner Innenministerium offiziell bestätigt. 

  • Bischof und Stadtmagistrat versuchten gemeinsam die Wiedereinrichtung des Knabenseminars und des Lyzeums zu erreichen . Die Hauptargumente dafür waren die Sorge um genügend und gut ausgebildeten Klerikernachwuchs sowie die Hoffnung, der Stadt Eichstätt wieder "Zentralität"  zurückzugeben.  
  • Eichstätt wäre nämlich nach dem Strukturplan von 1833 der einzige Bischofssitz ohne Hohe Schule gewesen, da für Eichstätt kein Lyzeum vorgesehen war.
  • Um das Lyzeum realisieren zu können versuchten sowohl Bischof als auch Magistrat für genügend eigene Geldmittel zu sorgen, da staatliches Engagement nicht gewünscht war. 
  • Diese Bemühungen begannen mit einem Brief des Ordinariats an König Maximilian I. im April 1824 - wobei hierauf weder eine Zusage noch Absage erreicht werden konnte. Bis zum Tode Maximilians I. konnte keine Einigung erzielt werden.
  • Neuer König wurde Ludwig I. welcher der "Revision der schlimmsten Folgen der Säkularisatin durchaus aufgeschlossen " gegenüber stand. Aber auch unter Ludwig I. gerieten die Gespräche bald ins Stocken.

  • Die Priesterausbildung wurde vom Bischof von Wettstetten auf die Societas Jesu übertragen. Die Finanzierung betrug 3000 Gulden im Jahr. Die Jesuiten mussten selber Lehrkräfte berufen und sich an der Seelsorge beteiligen. In weiser Voraussicht gab es bei der Übergabe einen Passus, dass das Seminar an den Bischof zurückfiele, sofern das Kolleg aufgehoben würde, oder der Orden wegginge.
  • Die Übernahme durch die Jesuiten war zwar sehr positiv für das akademische Gymnasium, dahingegen sah die Entwicklung für das Seminar sehr negativ aus. Dieses hing u.a. damit zusammen, dass der Orden sämtliche zur Verfügung stehenden Mittel ausschließlich für das Kolleg einsetzte und daher keine Gelder für das Seminar übrig blieben.
  • Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 gelang es genau 10 Jahre später schließlich Bischof Johann Anton II. von Zehmen das Willibaldinum wieder zurückzuerlangen.
  • Am 26.11.1783 wurde die Zusammenführung mit dem Alumnenseminar gefeiert
  • Obwohl das Priesterseminar nach 1783 "modernisiert" wurde und eine Abkehr vom "traditionellen tridentinischen Seminarmodell"  zu einem Pflichtseminar stattfand; geriet die Ausbildung im 19. Jahrhundert in eine schwere Krise.
  • 1802 wurde das Hochstift im Zuge der Säkularisation aufgehoben, es folgte eine dreijährige toskanische Herrschaft durch den Kurfürsten von Salzburg und im Jahre 1806 fiel das Bistum endgültig an das Königreich Bayern.
  • Die Konsequenz aus dieser Eingliederung war die Einordnung des akademischen und gymnasialen Bereichs in das bayerische System. Die Folge daraus war, dass bereits ein Jahr später im Oktober 1807 das akademische Gymnasium aufgehoben wurde.
  • Als Nachfolgeeinrichtung des Gymnasium erhielt Eichstätt eine sechsklassige Königliche Studienschule mit vier Professoren, welche 1816 in eine Königliche Lateinschule umgewandelt wurde.

Quellen

  1. Müller, R. A.: Eichstätts höheres Bildungswesen im Mittelalter und Frühmoderne. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S. 29.
  2. Vgl. Schmid, A.: Die Gründung des Lyzeums Eichstätt im Jahre 1843. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S. 35.
  3. Vgl. ebd., S. 41.
  4. Ebd.
  5. Vgl. ebd., S. 43.
  6. Bischöfliche Philosophisch-Theologische Hochschule Eichstätt (Hrsg.): 400 Jahre Collegium Willibaldinum Eichstätt, S. 46.
  7. Ebd.
  8. Ebd. S. 48.
  9. Ebd.
  10. Holzbauer, Hermann (Hrsg.): Ein alter und ein neuer Bund, S. 115.
  11. Ebd., S. 133. Holzbauer zitiert den Ministererlass vom 16.11.1843, Abs. 1.