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Philosophisch-Theologische Hochschule ab 1843
  • Das Priesterseminar sollte von US-Militärs beschlagnahmt werden, um als Lazarett verwendet werden zu können. Es gelang jedoch dies in letzter Minute abzuwenden.
  • Die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Vorlesungen wurde zunächst nicht erteilt, hierfür wird in erster Linie die Anwesenheit von ca. 100 aus Litauen vor der Roten Armee geflüchteten Theologiestudenten verantwortlich gemacht. Diese machten 1945 über 75 % der Gesamtstudenten in Eichstätt aus. Da Litauen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder unter Moskaus Herrschaft geriet, schienen anderenfalls Probleme mit der Sowjetunion unausweichlich.
  • Schließlich konnte dann aber am 08.10.1945 der Vorlesungsbetrieb mit insgesamt 189 Theologiestudenten wieder aufgenommen werden.
  • Mit dem Untergang des NS-Regimes konnte auch der frühere rechtliche Charakter der Hochschule wiederhergestellt werden. Die staatliche Anerkennung bestand nun im Nachkriegsdeutschland ab dem 07.03.1946 wieder; und am 29.08. wurden auch die finanziellen Zuschüsse vom Staat wieder bewilligt.
  • Durch Zerstörungen in München und Würzburg wurden 1000 Studenten anderer Universitäten in Eichstätt aufgenommen, so dass bald noch viele andere Fachrichtungen außer der Theologie in Eichstätt vertreten waren (wie z.B. Medizin, Jura, Naturwissenschaften, Forst- und Landwirtschaft und Kunstwissenschaft). Dieses war jedoch nur eine Übergangslösung bis die anderen bayerischen Universitäten wiederaufgebaut waren. Ab 1952 waren die Theologiestudenten in Eichstätt schließlich wieder unter sich.
  • 1948 verstarb Bischof Michael Rackl als Bischof von Eichstätt folgte Dr. Joseph Schröffer.
  • Als Folge der Umorientierung der Gesellschaft in der Nachkriegszeit begann Anfang der 60er Jahre die Nachwuchssorgen im Priesteramt.
  • Der Michael-Germanicus Brief ist nach seinem Unterzeichner benannt.
  • Dieser Brief entstand kurz nach Goebbels Rede vom 28.5.1937, in welcher der Propagandaminister auf die päpstliche Enzyklika "Mit brennender Sorge" aus dem März reagierte.
  • Er war ein offener Brief an Goebbels und erschien in mehreren deutschen Städten zugleich. Goebbels wird in diesem entlarvt ein Lügner zu sein. Zudem brandmarkt der Verfasser, dass in Deutschland keine Art von Justiz mehr existiere .

"Apostel Paulus trat dafür ein, daß die Nichtjuden in religiöser Hinsicht die gleichen Rechte haben wie die Juden. [...] Heutzutage verpflichtet der paulinische Satz den Christen, nicht zu vergessen, daß auch die Juden religiöse Rechte haben. Und deswegen bedeutet es für den katholischen Bischof einen Gewissenskonflikt, wenn er in irgend einer Form sagen soll, der Jude sei in religiöser Hinsicht ein Mensch zweiter oder dritter Klasse oder sei gar rechtlos. Hier liegt der Grund, warum ich mich als Bischof so schwer entschließen kann, den Professoren meiner Hochschule, die eine kirchliche Anstalt ist, die Verpflichtung des Ariernachweises aufzuerlegen".

  • 1932 wurde Dr. Konrad Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos Bischof von Eichstätt.
  • Bischof Preysing war ein entschiedender Gegner des Nationalsozialismus  , deshalb wurden Treuekundgebungen von Anfang an stets abgelehnt. Preysing war sich sicher, dass das anfängliche Entgegenkommen der Nationalsozialisten in Bezug auf die Kirche nicht ernst gemeint war.
  • Preysing war mit dem in Eichstätt wirkenden Kapuzinerpater Ingbert Naab befreundet, welcher wiederum ein scharfsichtiger und hartnäckiger Gegner des Nationalsozialismus war.
  • Die Professoren der kirchlichen Hochschule waren der gleichen Gesinnung wie Preysing und Naab. Um dies deutlich zu machen sei erwähnt, dass der Autor des sogenannten "Michael-Germanicus-Briefes" der Eichstätter Professor für Kirchenrecht und Fundamentaltheologie Dr. Josef Lechner (1893-1954) war.
  • Rektor und Regens Michael Rackl lehnte einvernehmlich mit Bischof Graf von Preysing im Juli 1933 die vom NS-Regime geforderte Erfassung der Studenten ab. Verhandlungen des Vatikanischen Staatssekretariats mit dem Reichsinnenministerium erreichten, dass römisch-katholische Priesteramtskandidaten und Ordensleute zunächst vom SA- und studentischem Arbeitsdienst befreit wurden, und stattdessen eine "Samariter- und Sanitätsausbildung" unter Anleitung der Bischöfe durchliefen . Diese Befreiung blieb bis Ende Juni 1935 in Kraft.
  • Eine große Sorge in Eichstätt war die sogenannte "Fachschaft", die an allen Hochschulen gegründet werden musste. Ihre Aufgabe war sowohl die politische Bildung und Schulung der Studenten als auch die Hinführung zu einer "künftigen Tätigkeit im Sinne des nationalsozialistischen Staatsganzen" . Diese Aufgabe sollte sowohl durch Schulungsabende als auch durch Gruppenarbeit erfüllt werden. Bischof Preysing allerdings wandte sich energisch gegen diese "Angebote" der NS-"Fachschaft" und konnte erreichen, dass in Eichstätt keine Fachschaftsarbeit stattfand.
  • Als Bischof Preysing 1935 nach Berlin abberufen wurde und Michael Rackl seine Nachfolge antrat verschärfte sich die Situation für die Eichstätter Hochschule noch weiter. 
  • Im Januar 1936 bekam die Hochschule die Mitteilung, dass sie ab dem Sommersemester keine staatlichen Zuschüsse mehr erhielte. De facto liefen die Zahlungen aber noch bis November 1939 weiter. Ab diesem Zeitpunkt mussten die Gehälter der Professoren von der Diözese gezahlt werden.
  • Mit Verweis auf diesen Wegfall der Zuschüsse wurde der kirchlichen Hochschule im Oktober 1940 die staatliche Anerkennung entzogen (welche seit Gründung des Lyzeums bestanden hatte) .
  • Dadurch durfte der im Oktober 1940 genehmigte Studienurlaub für Wehrmachtsangehörige zum Abschluss der Ausbildung bzw. Ablegung von Prüfungen nicht in Eichstätt verbracht werden. Als Reaktion darauf traten die verbliebenen Eichstätter Studenten am 07.06.1941 aus der Deutschen Studentenschaft aus.
  • Die vom NS-Regime geforderten "Ariernachweise" der Professoren wurden zunächst nicht kontrolliert, bis sich Bischof Rackl 1938 diesem nicht mehr entziehen konnte. Michael Rackl begründete sein Zögern in dieser Frage gegenüber dem Kultusministerium mit dem Bezug auf den Satz vom Apostel Paulus: "Es ist kein Unterschied zwischen Juden und Christen".
  • Letztendlich gestatte der Bischof jedoch die Abgabe der Erklärung, da "augenblicklich staatliche und kirchliche Rechtsauffassung grundsätzlich verschieden" ausfielen, und außerdem alle "Professoren [...] deutscher Abstammung seien".

  • Vorgänger der Philosophisch-Theologischen Hochschule war das 1843 von Bischof Karl August von Reisach gegründete kirchliche Lyzeum in Eichstätt.
  • Unabhängig von der kirchlichen Trägerschaft stellen die akademischen Lyzeen in Bayern eine besondere Art der Hochschule dar, die es so nur hier gab. Zum einen standen sie auf der Hierarchieebene zwischen Gymnasium und Universität und zum anderen waren sie nach dem " Muster der katholisch-theologischen und philosophischen Fakultäten von Universitäten aufgebaut ". Zwar standen sie offiziell allen Studenten offen, in der Praxis wurden sie jedoch während des 19. Jahrhunderts immer stärker zu Schulen für den Priesternachwuchs .
  • Um diesem Faktum Rechnung zu tragen, wurden die akademischen Lyzeen 1923 in Philosophisch-Theologische Hochschulen umbenannt, während Eichstätt die Umbenennung ihres kirchlichen Lyzeums erst ein Jahr später vollzog.

Quellen

  1. Flick, R: Studentenzahlen und Haushaltswesen der Katholischen Universität Eichstätt und ihrer Vorgängerinstitutionen 1843 bis 1992. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S. 169.
  2. Vgl. ebd.
  3. Vgl.Reiter, E.: Die Hochschule im Dritten Reich. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S.94.
  4. Ebd., S. 98.
  5. Ebd.
  6. Vgl. Reiter, E.: Die Hochschule im Dritten Reich. in: Müller, R. A. (Hrsg.): Veritati et Vitae, S. 106.
  7. Ebd., S.104.
  8. Vgl.  ebd. Reiter zitiert aus dem Brief von Rackl vom 16.05.1938 an das Kultusministerium.
  9. Vgl. ebd., S. 95.