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Exposé

Protest

Der im Titel der diesjährigen Wintervortragsreihe mitschwingende Imperativ verweist auf den Nachdruck, mit dem Menschen ihrer Meinung oft gerade dann Ausdruck verleihen, wenn sie den vorherrschenden Begebenheiten entgegensteht. Dabei muss Protest nicht immer laut sein, sondern kann auch leise vonstattengehen. Seine Formen sind mannigfaltig und reichen von Demonstrationen, Streiks, Blockaden, Besetzungen und Boykotts bis hin zu zivilem Ungehorsam und Guerilla-Aktionen, zur äußeren oder inneren Emigration sowie dem kreativen Ausdruck des Protests in Literatur, Kunst und Musik. Neben den realen Schauplätzen des Aufstands bietet heute die virtuelle Welt ein scheinbar grenzenloses Forum zur Meinungsäußerung, die dort von Online-Petitionen bis hin zum ungezügelten Shitstorm reichen kann. Ob individuell oder kollektiv, organisiert oder spontan, gewaltsam oder friedlich – mit dem Parteiergreifen für eine bestimmte Position geht immer auch eine Positionierung gegen andere Ansichten einher. Diese Meinungsvielfalt ist – ebenso wie das Recht auf freie Meinungsäußerung – grundlegender Bestandteil von Demokratie und gesellschaftlicher Teilhabe. Protest als eine Form der gesellschaftlichen Partizipation hat in den vergangenen Jahrhunderten viele politische, religiöse und kulturelle Veränderungen eingeleitet, bisweilen sogar zu umfassenden gesellschaftlichen Umwälzungen geführt. So jährt sich beispielsweise die Reformation 2017 zum 500. Mal, 2018 liegt die Studentenrevolte der 68er fünfzig Jahre zurück. Darüber hinaus verdeutlichen Ereignisse wie der Arabische Frühling, die Occupy-Bewegung, PEGIDA oder auch die Auflehnung gegen den G20-Gipfel im Sommer dieses Jahres, dass gesellschaftlicher Wandel durch Protest nicht nur historisch von Bedeutung war, sondern dass Proteste zugleich eine hochaktuelle Thematik sind. All das bietet Anlass, das vielgestaltige Phänomen des Protests in seiner historischen und gegenwärtigen Relevanz sowie ethischen Ambivalenz zu beleuchten, was sich die Eichstätter Wintervortragsreihe mit ihrer traditionell interdisziplinären Herangehensweise in diesem Semester zum Ziel gesetzt hat.