Sie befinden sich hier: KU.de  Wintervortragsreihe  Exposé

Exposé

Populismus

Ob in der Tagespresse, in Diskussionsrunden oder in den Foren des World Wide Web – kaum ein Begriff wurde in den letzten Jahren so oft und kontrovers diskutiert wie der des „Populismus“. Dabei beginnt der Konflikt bereits bei der Suche nach einer gültigen Definition, denn häufig endet dieses Unterfangen auch unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in gegenseitigen Vorwürfen, selbst populistisch zu sein. Der Ausdruck wird einerseits genutzt, um dem politischen Gegner eine verzerrte und simplifizierte Argumentationsweise zu attestieren. Gleichzeitig gilt er anderseits als inflationär verwendetes Totschlagargument, um den Gegner zu diskreditieren, wenn keine konstruktiven und stichhaltigen Gegenargumente vorgebracht werden können. Und nicht zuletzt wird in der Debatte auch immer wieder der Einwurf gebracht, dass es auch „gute“ Formen von Populismus gebe, da die Botschaften ja schließlich an das Volk, den „populus“, gerichtet seien.

So handelt es sich letztlich um ein oft unspezifisch verwendetes Schlagwort, dessen Verwendung von der Beschreibung einer Form der politischen Rhetorik bis hin zur Anprangerung rassistischer und antidemokratischer Weltanschauungen reichen kann.

Die Eichstätter Wintervortragsreihe 2018/2019 will sich daher mit diesem Phänomen interdisziplinär auseinandersetzen und sich ihm aus historischer und politischer, aber auch aus sprachlicher sowie religiöser Perspektive nähern.

Was ist also Populismus? Ist er gleichbedeutend mit Volksverhetzung? Sind Populisten automatisch Demagogen? Gibt es wirklich den „guten“ Populismus? Ist jemand, der „guten“ Populismus zu erkennen glaubt, erst recht ein Populist? Sind die westlichen Demokratien von Populismus ernsthaft gefährdet oder müssen vielleicht Politikerinnen und Politiker in der heutigen komplexen Welt immer ein Stück populistisch sein, um für die Mehrheit der Bevölkerung überhaupt noch verständlich Informationen vermitteln zu können? Drückt die Anfälligkeit für Populismus die Sehnsucht nach einer überschaubareren Welt aus? Ist Populismus tatsächlich ein neues Phänomen oder wird er nur neu wahrgenommen? Sind nicht letztlich oft die emotional aufgeladenen Diskussionsgegenstände ein Grund dafür, dass unliebsame Argumente als populistisch wahrgenommen werden?

Die Organisatorinnen und Organisatoren der kommenden Eichstätter Wintervortragsreihe wollen mit ihren Referentinnen und Referenten diesen Fragenkomplex erörtern und freuen sich zudem auf eine engagierte Diskussion mit dem Publikum.