Antragsteller:
Dr. Andreas Kallert, Dr. Simon Dudek (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Humangeographie)
Kooperationspartner:
Dr. Simon Dudek
Beschreibung:
Die Motivation des Forschungsprojektes ist es, die bisherige vor allem politik- und finanzwissenschaftliche Forschung zu kommunalen Schuldenhilfen um eine noch nicht vorhandene, raumbezogene und qualitative Perspektive zu ergänzen. Aufbauend auf den konzeptionellen Ansätzen des austeritätspolitischen Föderalismus und des austerity managements zielt das beantragte Projekt darauf ab, sowohl die lokalen Auswirkungen konditionaler Schuldenhilfen auf kleine Kommunen im föderalen Vergleich als auch den Einfluss auf räumliche Disparitäten zu analysieren. In einer komparativen Studie werden hierzu alle zwischen 2011 und 2018 an Entschuldungsprogrammen teilnehmenden Kommunen in den Bundesländern Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland untersucht. Dies geschieht anhand von drei Teilzielen: Erstens einer qualitativen Inhaltsanalyse der Konsolidierungsverträge zwischen den Ländern und Kommunen, zweitens einer ökonometrischen Analyse der Konsolidierungsprogramme auf soziostrukturelle Merkmale der Kommunen und drittens darauf aufbauend einer expert*innen-basierten Feldanalyse der Auswirkungen und der Strategien im Umgang mit Sparprogrammen in ausgewählten Konsolidierungs-Kommunen.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)
Laufzeit:
2022 - 2026
Projektwebseite:
https://www.ku.de/konsolidierungsatlas
Antragsteller:
Prof. Dr. Susanne Jochner-Oette (Mathematisch-Geografische Fakultät; Professur für Physische Geographie/Landschaftsökologie und nachhaltige Ökosystementwicklung)
Beschreibung:
Im Zuge des Klimawandels ändern sich zahlreiche Faktoren, welche eine Allergieentstehung begünstigen und zu massiveren allergischen Erkrankungen führen können. Gleichzeitig leben in Städten immer mehr Menschen und es ist daher gerade dort von Nöten, Grundlagenforschung zu aerobiologischen Prozessen zu intensivieren. In der Regel gibt es zwei Ansätze, um die Intensität der Pollensaison zu beschreiben: Mit der Messung der Pollenkonzentration einer bestimmten Art während der Blühperiode oder mit der Bestimmung der Pollenproduktion, bei der die Analyse der Blüten im geschlossenen Zustand bereits vor dem Beginn der Pollensaison erste Hinweise auf die zu erwartende Pollenflugintensität liefern kann.
Pollenkonzentrationen in der Luft werden jedoch durch aerobiologische Prozesse wie Emission, Dispersion, Transport und Deposition, die dem Einfluss der atmosphärischen Dynamik unterliegen, gesteuert. Saisonale Summen der täglichen Pollenkonzentrationen können daher erheblich von der erwarteten effektiven Pollenproduktion und -freisetzung abweichen. Daher ist es unerlässlich, sich auf alle relevanten aerobiologische Prozesse zu fokussieren.
Aus diesem Projekt und dadurch gewonnene Erkenntnisse ergeben sich wichtige Impulse und Strategien für die Wahl geeigneter Anpassungsmaßnahmen, die vor allem im Zuge des Klimawandels noch dringender benötigt werden.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)
Laufzeit:
2022 - 2026
Antragsteller:
Prof. Dr. Michael Becht (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Physische Geographie)
Projektbeteiligte:
Apl. Prof. Dr. Tobias Heckmann und PD. Dr. Florian Haas (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Physische Geographie)
Kooperationspartner:
Universität Bremen; TU München; TU Wien, Österreich; Universität Innsbruck, Österreich. Weitere Kooperationspartner auf den verlinkten Webseiten.
Beschreibung:
Historische und aktuelle Daten liefern zahlreiche Belege für klimatische Veränderungen. Diesen Daten zufolge haben die Alpen seit den 1980er Jahren eine starke Erwärmung erfahren, die sogar über dem globalen Durchschnitt liegt. Während der Klimawandel selbst und einige seiner Folgen – wie das Abschmelzen der Alpengletscher – unbestritten sind, bleiben zahlreiche Fragen offen: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die alpinen Landschaften aus? Welche Folgen hat das Abschmelzen der Gletscher beispielsweise für den Geschiebetransport in den Flüssen? Verändert sich die Größe und/oder die Häufigkeit von Lawinen, Murgängen oder Steinschlägen? Das Problem der Empfindlichkeit oder Anfälligkeit der Alpen gegenüber dem Klimawandel beinhaltet auch die Frage, ob und inwieweit solche Veränderungen miteinander interagieren und ob und inwieweit sich lokale Veränderungen von kleineren räumlichen Einheiten (z.B. Hängen) in die Flüsse und von dort weiter talabwärts ausbreiten und zu einer Auswirkung auf Einzugsgebietsebene führen. Mehr Informationen auf den verlinkten Webseiten.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG),
Schweizer Nationalfonds (SNF)
Laufzeit:
2019 - 2027
Projektwebseite:
https://sehag.ku.de/
Antragsteller:
Prof. Dr. Christian Steiner (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Humangeographie) und Prof. Dr. Gerhard Rainer (Universität Passau)
Beschreibung:
Jüngere Forschungsarbeiten der humangeographischen Tourismus- und Stadtforschung beschäftigen sich intensiv mit den Folgen der in den letzten Jahrzehnten stattfindenden, grundlegenden Veränderungen im Verhältnis von Tourismus sowie freizeitorientierter Mobilität von Personen und Kapital. In den letzten Jahren fokussierte die Forschung dabei vor allem auf die Touristifizierung, also die tourismus- und freizeitorientierte sozialräumliche Transformation, städtischer Wohnviertel und deren Folgen für den Wohnungsmarkt in Großstädten. Während sich eine breite internationale Debatte zu den Dynamiken in Großstädten etabliert hat, fehlt in ländlichen Tourismusregionen bislang eine tiefgreifende Analyse von Touristifizierung und Finanzialisierung des Wohnimmobilienmarktes. Aufgrund der noch unzureichenden Forschung (z.B. Bedeutung touristischer Kurzzeitvermietung über Plattformen; Ausbau und Professionalisierung von Ferienwohnungsvermittlungsagenturen; Bedeutung von buy-to-let investment, new work und Lebensstilmigration in ländliche Räume) sind demnach auch die Folgen dieser Dynamiken für eine nachhaltige Entwicklung kaum verstanden. Das beantragte Projekt widmet sich daher der Untersuchung der Touristifizierung und Finanzialisierung der Wohnimmobilienmärkte in intensiv touristisch geprägten ländlichen Regionen, wobei sowohl deren treibende Kräfte als auch ihre sozio-ökonomischen Auswirkungen untersucht werden. Aufbauend auf Vorarbeiten in Deutschland erweitert das Forschungsprojekt über eine vergleichende Fallstudienuntersuchung der Wirkungszusammenhänge von Tourismus- und Immobilienmarktentwicklung in bedeutenden alpinen Tourismusregionen Italiens, Österreichs und der Schweiz die bislang stark in Großstädten verankerte Forschung räumlich und setzt damit neue konzeptionelle Impulse. Die Ergebnisse sind für eine sozial nachhaltige Siedlungsentwicklung insofern relevant, als durch den Vergleich der Wirkungen der unterschiedlichen regulativen Rahmenbedingungen in den Fallstudienländern Rückschlüsse auf die Bedeutung und Wirksamkeit politischer Gestaltungsspielräume möglich werden.
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2025 - 2028
Fordoc: fordoc.ku.de/id/eprint/3654/
Antragsteller: Prof. Dr. Michael Rathmann (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Projektpartner: Universität zu Köln
Beschreibung: Ein Textcorpus der lateinischen geographischen Schriften und Fragmente von den Anfängen bis Isidor von Sevilla ist ein Desiderat der Forschung. An diesem Punkt setzt das vorliegende Projekt an, indem es die entsprechenden Texte mit textkritischem Apparat, Kommentaren, Übersetzungen, Einführungen und fortlaufend aktualisierten Bibliographien samt einer innovativen kartographischen Aufbereitung präsentiert. Mit dem hier konzipierten Open-Access-Arbeitstool wird eine wissenschaftlich fundierte Forschungsgrundlage bereitgestellt, von dem nicht nur die Altertumswissenschaften und ihre Nachbardisziplinen profitieren werden, sondern jede interdisziplinäre und transkulturelle Vergleichsforschung der Kultur-, Literatur- und Medienwissenschaften, die sich im Zuge des Topological Turn mit historischen Raumkonzeptionen beschäftigen, einschließlich der Kartographie, Toponomastik, Kulturanthropologie und Migrationsforschung.
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2024 - 2027
Antragstellerin:
Prof. Dr. Nina Schneider (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät; Professur für Geschichte Lateinamerikas)
Beschreibung:
Das Projekt erforscht und vergleicht diverse lokal verortete und gleichzeitig global verflochtene Akteure im Kampf gegen Kinderarbeit samt ihrer Motivation und Kampagnenstrategie. Der zeitliche Fokus liegt auf der Zeit zwischen 1888 und 1938, einer Hochphase der Bewegung gegen Kinderarbeit weltweit. Bisher fehlen detaillierte Forschungen zur Geschichte der Kinderarbeit aus transnationaler und nicht-westlicher Perspektive. Erst kürzlich haben einzelne Studien begonnen, Regionen und Epochen zu vergleichen. Insbesondere fehlen systematische historische Studien zur globalen anti-Kinderarbeitsbewegung. Auf der Grundlage von bereits ausgehobenen Primärquellen aus 13 Archiven weltweit und mit den Ländern Brasilien und den USA als Fallbeispielen, die in einen globalen Kontext gestellt werden, geht das Projekt folgenden Fragen nach: Wer waren die Akteure, die sich in unterschiedlichen Gesellschaften und zu verschiedenen Zeiten gegen Kinderarbeit eingesetzt haben und warum und wie engagierten sie sich? Wie unterschieden sich Akteure sozial und institutionell bzw. inwiefern und auf welche Weise waren sie global verflochten? Welche Rolle/Akteurschaft hatten sie in transnationalen Organisationen (z. B. der Internationalen Arbeiterorganisation, ILO) und der von ihnen mitgeformten globalen Diskurse und Praktiken? Das Projekt versucht drei Forschungslücken zu schließen, indem es: 1) historische anstatt heutige Aktivisten untersucht, 2) den sogenannten “Globalen Süden” berücksichtigt, 3) zu empirischem Wissen beiträgt über die bislang kaum erforschten diversen Kinderarbeitsgegner (von elitären Philanthropen bis zur Arbeiterbewegung, von der Zivilgesellschaft zu internationalen Organisationen). Methodisch werden der qualitative historische Vergleich und die Verflechtungsgeschichte mit einem biografie- und mediengeschichtlichen Ansatz neu kombiniert. Das zu erwartende Ergebnis (Monografie) ist die erste Geschichte der Bewegung gegen Kinderarbeit in den Americas Anfang des 20. Jh., erzählt anhand von 10 bereits ausgewählten Biografien aus Rio/Sao Paulo bzw. New York City. Wie eine Kameralinse zoomt die Studie vom biographischen (privaten), lokalen (Stadt) und nationalen auf bis hin zu einer globalen Untersuchungs- bzw. Erzählebene. Die Beispielbiografien werden somit in einem globalen Kontext verortet, anders als bisherige Studien, die nationale Fallbeispiele nur akkumulierten. Es ergänzt die historische Forschung zu Kinderarbeitsgegnern regional (“Süden”), thematisch (Akteure, Motivationen, Kampagnen) und knüpft zudem an aktuelle Debatten der Globalgeschichte an (Kritik, sie würde lokale bzw. soziale Spezifika untergraben, Diversität annihilieren). Der Gesamtbeitrag liegt darin, das weite, noch unentdeckte Forschungsfeld einer Globalgeschichte der anti-Kinderarbeitsbewegung zu erschließen, indem es sich mit dem Fokus auf die Akteure im Kampf gegen Kinderarbeit auf ein wesentliches und zugleich begrenztes und operationalisierbares Thema konzentriert.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2020 - 2027
GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/439894427
Antragsteller: Professor Dr. Gerd Dicke (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl für Ältere deutsche Literaturwissenschaft)
Beschreibung: Der um 1350 entstandene ‚Edelstein‘ des Berner Dominikaners (Ulrich?) Boner ist die erste als geschlossenes ‚buoch‘ konzipierte Sammlung äsopischer Fabeln und kleinepischer Exempla deutscher Sprache. Ihren Erfolg belegen 36 bekannte, zumeist illustrierte Codices, die Verbreitung durch die Handschriftenmanufaktur Diebold Laubers und zwei Inkunabeln, mit denen der Bamberger Druckerverleger Albrecht Pfister bereits 1461/62 das Investitionsrisiko der ersten Kombination von Typen- und Holzschnitt-Druck einging. Frühesten ‚Edelstein‘-Studien Gellerts, Gottscheds und Lessings folgten drei frühe Gesamtausgaben, an denen die sich formierende Germanistik ihr editorisches Rüstzeug ausbildete und debattierte.
Das Editionsziel ist vorgeben: eine Leithandschriften-Ausgabe der autorintendierten archetypischen Vollform als Referenztext für zwei bestandsreduzierte und textlich modifizierte Wirkformen, die synoptisch vergleichbar sein sollen. Die edierte Vollform erscheint in drei Ansichtsmodi (moderat und forciert normalisiert sowie nach ihrer jeweiligen Leiths. transkribiert), denen Transkripte repräsentativer Textzeugen ihrer Fassungen spaltenweise versparallel zugeschaltet werden können. Wie die editionsrelevanten Textzeugen sind auch die 30 nicht transkribierten synoptisch oder eigenständig in Vollansichten ihrer Digitalfaksimiles darstellbar. Die UB Heidelberg begleitete das Projekt bereits im Vorfeld durch den Aufbau der virtuellen Handschriftenbibliothek. Sie wird alle Phasen der digitalen Edition im Rahmen ihrer Infrastruktur heiEDITIONS technisch betreuen, von der Datenhaltung über die TEI-Modellierung und Authoring-Aspekte bis hin zur XML-Verarbeitung, -Visualisierung und langfristigen Datenpublikation. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Entwicklung eines im Oxygen XML Editor integrierten Eingabetools für einen genuin digital modellierten Variantenapparat und auf dem Ausbau der Möglichkeiten synoptischer Text- und Bildanzeige liegen.
Projektpartner: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Universitätsbibliothek)
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2023 - 2025
Antragstellerin:
Prof. Dr. Isabelle Stauffer (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Beschreibung:
Aurora von Königsmarck (1662-1728) war Mitglied einer der reichsten und mächtigsten Grafenfamilien Europas und eine gefeierte Barockdichterin. Sie spielte eine wichtige Rolle in der internationalen höfischen Festkultur durch Dichtungen, Kompositionen und (Theater-)Rollen bei höfischen Festen an mehreren Höfen Europas wie Hannover, Holstein, Mecklenburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Dresden und Stockholm. Ihr Werk, Lyrik, Theaterstücke, Prosa und Briefe, ist bislang unzureichend ediert und erforscht. Eine quellenbasierte Edition ihrer Werke soll dem Abhilfe schaffen.
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2025 - 2028
Antragstellerin:
Prof. Dr. Karin Boczek (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; Digitaler Journalismus)
Beschreibung:
Als digitale Infrastrukturen beeinflussen digitale Plattformen die öffentliche Meinungsbildung. Sie haben zunehmend Einfluss darauf, wie von journalistischen Redaktionen erstellte Inhalte aussehen (müssen) und wie Nachrichten von Bürger:innen genutzt werden. Viele Deutschen vertrauen weiterhin traditionellen journalistischen Marken, aber nutzen diese über YouTube, Facebook oder Instagram als Plattformen in einem Plattform-Ökosystem. Dass Technologiekonzernen wie Google und Meta viele dieser Plattformen gehören, hat Bedenken darüber ausgelöst, wie z. B. Plattformalgorithmen Demokratien beeinflussen. Elon Musks Übernahme von Twitter/X hat diese verstärkt. Aus einer normativen Perspektive soll Journalismus die öffentliche Meinungsbildung unterstützen, indem er eine gemeinsame Informationsbasis bei größtmöglicher Themen- und Meinungsvielfalt gewährleistet. Ob Plattformen diese Funktion bedrohen, ist umstritten. Aktuelle Debatten über Filterblasen und Fragmentierung zeigen zumindest den Bedarf an Theorien, Methoden und empirischer Evidenz zur Erklärung plattformübergreifender Nachrichtenflüsse sowie der Rolle (algorithmischer) Feedbackschleifen. Im Projekt analysieren wir die Vielfalt digitaler Nachrichtenflüsse, hier definiert als die plattformübergreifende Verbreitung von Nachrichten und inwiefern das Publikum Nachrichten sieht, konsumiert und erlebt. Theoretisch nutzt das Projekt Komplexitäts- und Netzwerktheorien, um Plattform-Ökosysteme als dynamisches Netzwerk aus Akteur:innen (User:innen, Redaktionen) und Inhalten als Knoten und Interaktionen als Kanten (Feedbackschleifen z. B. über die Rezeption von Nachrichten) zu konzeptualisieren. Methodisch entwickeln wir plattformübergreifende Methoden durch plattform-agnostische bzw. Mixed-Methods Ansätze weiter. Empirisch gesehen stärkt das Projekt Evidenz zur Vielfalt digitaler Nachrichten in Deutschland. Das Arbeitsprogramm umfasst sechs Arbeitspakete. Wir integrieren plattformübergreifende Methoden mittels einer systematischen Literaturanalyse und machen diese für andere Forschende nutzbar (WP1). Parallel werden Methoden der automatisierten Text- und Bildanalyse für plattformübergreifende Analysen weiterentwickelt (WP2). In WP3 vergleichen wir die Nachrichtenvielfalt deutscher Medien plattformübergreifend auf Basis manueller und automatisierter Inhaltsanalysen, während wir in WP4 die Erklärkraft von Feedbackschleifen mit Netzwerkanalysen untersuchen. In WP5 kombinieren wir Datenspenden mit Leitfadeninterviews, um zu verstehen, wie vielfältig Nachrichten konsumiert und wahrgenommen werden. In WP6 analysieren wir mit einem agentenbasiertes Experiment den Einfluss von Feedbackschleifen auf Expositionsvielfalt aus Perspektive der Nutzenden. Damit tragen wir zur Theoriebildung, Methodenentwicklung und empirischen Ergebnissen im Bereich von Journalismus und digitaler Kommunikation über Plattformen hinweg bei.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2026 - 2029
GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/569348630
Antragsteller:
Prof. Dr. Marcel Oliver (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Angewandte Mathematik)
Beschreibung:
Dynamische Regime sind Strömungen, die gemeinsame und einheitliche dynamische oder statistische Eigenschaften haben, häufig in einem genau definierten Raum- oder Zeitbereich. Allgemein spricht man von dynamischen Zuständen im Sinne einer Zerlegung der Strömung in Bestandteile mit einheitlichen Eigenschaften, vor allem Rossby-Wellen oder "balancierte Strömung" einerseits und Schwerewellen andererseits. Um die Kopplungen zwischen diesen Prozessen und den beiden Wellenregimen zu verstehen, zielt dieses Teilprojekt auf deren Trennung und individuelle Quantifizierung.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Transregio)
Laufzeit:
2022 - 2024
Antragsteller:
Dr. Andrei Caragea; Prof. Dr. Götz Pfander (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl Mathematik – Wissenschaftliches Rechnen)
Beschreibung:
Das grundlegende Resultat der Fourier-Analyse besagt, dass die Menge der komplexen Exponentialfunktionen mit ganzzahligen Frequenzen eine orthonormale Basis für den Raum der quadratisch integrierbare Funktionen auf dem Einheitsintervall bildet, kurz gesagt, das Einheitsintervall und die ganzen Zahlen bilden ein orthonormales Spektralpaar. Die Suche nach Frequenzmengen für andere Definitionsbereiche ist ein zentrales Ziel in der angewandten Mathematik, den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Abgesehen von trivialen Verallgemeinerungen, z. B. durch Reskalierung oder ein Tensorargument für Bereiche in höheren Dimensionen, erfordert die Aufgabe im Allgemeinen, die paarweise Orthogonalität der Basiselemente aufzugeben und daher nur Riesz-Basen oder Frames zu konstruieren. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden auf diesem Gebiet wegweisende Ergebnisse erzielt. So wurde beispielsweise gezeigt, dass es für jede endliche Vereinigung von Intervallen eine Riesz-Basis von Exponentialfunktionen gibt, und es wurde eine erste Menge konstruiert, für die es keine Riesz-Spektren gibt. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass beide Richtungen der Fuglede-Vermutung falsch sind. Die Aufgabe, orthogonale oder Riesz-Basen für einen bestimmten Definitionsbereich zu finden, wird noch schwieriger, wenn nicht aus der Menge aller Frequenzen ausgewählt werden kann. Dies kann z.B. aufgrund von Hardware-Beschränkungen in der Elektrotechnik und Telekommunikation oder aufgrund von Einschränkungen bei der Modellierung physikalischer Phänomene der Fall sein. Solche Aufgaben sind im Allgemeinen gleichbedeutend mit der Suche nach orthogonalen oder Riesz-Basen, die nur aus ganzzahligen Frequenzen für umskalierte Bereiche bestehen. Daher befasst sich dieses Projekt mit der Frage, welche Teilmengen des Einheitsintervalls bzw. von mehrdimensionalen Einheitswürfels Orthonormalbasen, Riesz-Basen oder Frames mit ausschließlich ganzzahligen Frequenzen besitzen. Im Mittelpunkt unserer Diskussion stehen sogenannte hierarchische Exponentialbasen für Partitionen des Einheitsintervalls oder des mehrdimensionalen Einheitswürfels. Das heißt, gibt es für eine Partition eines Bereichs in Teilbereiche, die durch eine Menge K indiziert sind, eine Familie von entsprechenden Frequenzmengen, so dass für jede Untermenge J von K die Vereinigung der Frequenzmengen indiziert durch J eine Riesz-Basis für die Vereinigung der entsprechenden Teilbereiche der Partition bildet. Eines der wichtigsten technischen Hilfsmittel, die wir zur Erreichung dieses Ziels entwickeln wollen, ist eine Verallgemeinerung eines klassischen Ergebnisses von Chebotarev. Dieses besagt, dass quadratische Untermatrizen von Fourier-Matrizen der Primzahlordnung immer invertierbar sind. Die Ermittlung von Analoga dieses Ergebnisses für Fourier-Matrizen mit nicht Primzahlordnung ist für sich eine interessante Herausforderung mit Anwendungen in Algebra und Zahlentheorie.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2024-2027
GEPRIS:
Antragstellerin:
Dr. Janin Jäger (Mathematisch-Geographische Fakultät, Lehrstuhl für Angewandte Mathematik)
Beschreibung:
Die Approximation mit Kernfunktionen wird in vielen Bereichen der Wissenschaft und Ingenieurtechnik verwendet. Außerdem spielen diese Kernfunktionen eine wichtige Rolle im Maschinellen Lernen, beim Lösen partieller Differentialgleichungen und in der Geostatistik. Besonders die Approximation von Daten auf Riemannschen Mannigfaltigkeiten hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, zum Beispiel für globale Wettermodelle. Strikt positiv definite Kerne erlauben die Konstruktion von Approximationen aus beliebig verteilten Messdaten. Die theoretischen Grundlagen dieser Kerne auf allgemeinen Mannigfaltigkeiten sind jedoch noch wenig erforscht. Ziel dieses Projektes ist es die strikt positiv definiten Kerne auf Riemannschen Mannigfaltigkeiten zu charakterisieren und eine Untersuchung ihrer Approximationseigenschaften durchzuführen. In späteren Projektteilen sollen bedingt positiv definite Kerne charakterisiert und untersucht werden. Hierbei wird die Approximation nicht nur aus Linearkombinationen der Kernfunktionen gebildet, sondern die Addition bestimmter Funktionen aus endlich-dimensionalen Räumen ist zulässig. Ein weiterer wichtiger Zweck des Projekts ist die Untersuchung von Kernen, die invariant unter bestimmten Untergruppen der isometrischen Gruppe der Riemannschen Mannigfaltigkeit sind, wie zum Beispiel Reflexionen oder Rotationen. Insgesamt sollten es die Ergebnisse den Anwendern erlauben passendere Kerne zu identifizieren oder zu konstruieren. Außerdem werden bestehende Theorien zu einzelnen Mannigfaltigkeiten vereinheitlicht und erweitert.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2021 - 2026
Antragsteller: Prof. Dr. Nadja Ray, Dr. Raphael Schulz (Mathematisch-Geographische Fakultät, Lehrstuhl für Geomatik und Geomathematik)
Projektpartner: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
Beschreibung: Die systematische Untersuchung des Zusammenspiels von Transformationsprozessen in der Rhizosphäre mit Fokus auf Mucilage und Wurzelhaare und deren Kopplungen zur Bodenstruktur, Geochemie, Mikrobiologie und zu hochskalierten Bodenfunktionen wird zur zentralen Frage des PP beitragen, wie Resilienz aus selbstorganisierter raum-zeitlicher Musterbildung in der Rhizosphäre entsteht. Mechanistische, mathematische Modelle in Form von kombinierten zellulären Automaten und PDE/ODE-Systemen auf der Mikroskala bieten die Möglichkeit, Skalen durch Homogenisierungstechniken zu überbrücken
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2019 - 2026
Antragsteller: Prof. Dr. Carolin Kreisbeck (Mathematisch-Geographische Fakultät, Lehrstuhl für Mathematik - Analysis)
Projektpartner: Universidad Autónoma de Madrid
Beschreibung: Traditionell werden viele Phänomene in Natur, Wissenschaft und Technik über Differentialgleichungen und lokale Variationsprinzipien beschrieben. Lokalität bedeutet in diesem Kontext, dass das Verhalten eines Objekts nur von seiner unmittelbaren Umgebung abhängt. Es gibt jedoch Situationen, bei denen übliche lokale Beschreibungen an ihre Grenzen stoßen, da Wechselwirkungen über größere Entfernungen und globale Effekte berücksichtigt werden müssen. Dies führt zu nicht-lokalen Modellen, deren Vorteile in vielen Anwendungsbereichen sehr deutlich sind, unter anderem, weil sie effektive Möglichkeiten bieten, unterschiedliche Längenskalen zu überbrücken und zu präziseren Vorhersagen führen. Einige dieser Bereiche sind die Materialwissenschaften, auf die sich dieser Antrag konzentriert, sowie Bildverarbeitung und maschinelles Lernen. Um zu einem besseren Verständnis von Nichtlokalität beizutragen, untersuchen wir in diesem Projekt eine neue Klasse relevanter Variationsprobleme mit Integralfunktionalen, die von nicht-lokalen Gradienten abhängen.
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2024 - 2027
Antragstellerin:
Prof. Dr. Nadja Ray (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl Geomatik und Geomathematik)
Projektpartner:
Universität Bayreuth; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Stockholm University
Beschreibung:
Die Stabilisierung von Kohlenstoff in Böden wird von dem Eintrag von organischem Material und dessen Weg hin zur Mineralisierung bestimmt. Sie hängt stark von Randbedingungen wie den Bodeneigenschaften oder der Substratqualität ab. In diesem Projekt ergänzen wir die experimentellen Untersuchungen des SPP durch mathematische Modellierung und numerische Simulationen. Wir befassen uns mit der zeitgleichen dynamicshen Umstrukturierung des Bodens und den Kohlenstoff- und Energieströmen in einer räumlich und zeitlich expliziten Weise, d.h. wir fokusieren unsere Untersuchungen auf die Mikrometerskala, auf der die Prozesse ablaufen. Auf diese Weise können wir die Heterogenität des Bodens, die physikalisch-chemischen Okklusion und die thermodynamische Stabilisierung berücksichtigen. Die Ergebnisse unserer Simulationsstudien ermöglichen es, hot/cold spots/moments des Stoff- und Energieumsatzes zu quantifizieren und zu lokalisieren. Darüber hinaus können wir diese Erkenntnisse mit Regionen von hoher struktureller Dynamik verknüpfen. Wir tragen damit zu einem mechanistischen Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse bei und geben Einblicke in den Priming-Effekt, der die bevorzugte Zersetzung nativer Kohlenstoffquellen nach der Zugabe frischer Kohlenstoffquellen beschreibt, und den Entombing-Effekt, d.h. den Aufbau und die anschließende Stabilisierung von Nekromasse und Folgeprodukten. Schließlich übertragen wir das Wissen von der Mikroskala auf eine größere Skala und untersuchen die Rolle der Bodenheterogenität und der Konnektivität des Porenraums für den Nährstoff- und Wassertransport sowie die Freisetzung von Kohlendioxid und Wärme. Wir leisten auch einen Beitrag zum Verständnis des Birch-Effekts, d. h. der verstärkten MIneralisierung bzw. Kohlenstoffdioxidausstoß nach Wiederbefeuchtung.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Teilprojekt zu SPP 2322: Systemökologie von Böden – das Mikrobiom und die Randbedingungen modulieren die Energieentladung
Laufzeit:
2025 -
GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/554738361
Antragsteller:
Prof. Dr. Felix Voigtlaender (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Reliable Machine Learning)
Kooperationspartner:
Utrecht University; University of Cambridge; Universität Wien
Beschreibung:
Ein wichtiges Forschungsthema ist es, die Gründe für die Existenz von adversarial examples (also für die Instabilität von trainierten neuronalen Netzen) mathematisch zu verstehen, um aufbauend auf diesem Verständnis Methoden zu entwickeln, die beweisbar robuste neuronale Netze produzieren.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Emmy Noether-Nachwuchsgruppe)
Laufzeit:
2025 - 2028
Antragsteller:
Prof. Dr. Marcel Oliver (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Mathematik - Angewandte Mathematik)
Beschreibung:
Das Projekt arbeitet an der Zerlegung von Strömungen in Wirbelkomponenten und Wellen. Unsere Verfahren basieren zum Teil auf linearen globalen Moden, aber auch auf vollständig nichtlinearen Ansätzen hoher Ordnung, die allerdings weniger allgemein sind. Wir werden nun die methodischen Lücken zwischen beiden Ansätzen schließen, die praktische Umsetzung vorantreiben, um schließlich nichthydrostatische Effekte auf km-Gittern in der Atmosphäre und Wellenemission im Ozean zu quantifizieren und die spontane Abstrahlung von Schwerewellen besser zu verstehen. Auch erforschen wir den Einsatz maschinellen Lernens für diese Zwecke.
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; Transregio)
Laufzeit: 2024 - 2028
Antragsteller:
Prof. Dr. Julia Dietrich (Philiosophisch-Pädagogische Fakultät; Professur für Empirische Bildungsforschung) und prof. Dr. Julia Moeller (Universität Leipzig)
Projektpartner:
University of California, Irvine (UCI); University of Essex
Beschreibung:
Das Vorhaben erforscht die Entwicklung der Lernmotivation von Studierenden, eines der zentralen Faktoren für erfolgreiche Studienverläufe.¬¬ Untersucht werden kurzfristige Entwicklungsdynamiken der momentanen Motivation von einer Lernsituation zur nächsten und langfristigere Entwicklungsprozesse über ein bzw. zwei Semester hinweg. Im Fokus stehen situationsspezifische Dynamiken der einflussreichen Eccles’sche Erwartungs-Wert-Theorie (z.B. Eccles & Wigfield, 2002), welche in der bisherigen Forschung kaum erforscht wurden, obwohl diese Theorie Aussagen über situations- und aufgabenspezifische Motivation und Wahlentscheidungen macht. Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist die Überprüfung des von den Antragstellerinnen entwickelten Dynamischen Erwartungs-Wert-Modells (DEWM), welches die Erwartungs-Wert Theorie und das Kontroll-Wert-Modells (z.B. Pekrun, 2018) mit dynamischen Systemtheorien integriert.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit:
2021 -2026
GEPRIS:
Antragsteller:
Prof. Dr. Krassimir Stojanov
Kooperationspartner:
University of British Columbia
Beschreibung:
Im Februar 2022 marschierte Russland in die Ukraine ein, und seitdem sind Hunderttausende ukrainische und russische Männer und Frauen in dem blutigen Krieg gestorben, der auch immense materielle und psychische Kosten verursacht hat. Dennoch befürwortet die große Mehrheit der russischen Bevölkerung weiterhin die Invasion und Putins Regime im Allgemeinen. Wir glauben, dass ein wichtiger Grund dafür in der massiven Indoktrination liegt, die seit etwa anderthalb Jahrzehnten im russischen Bildungssystem stattfindet. In diesem Projekt wollen wir eine theoretisch und empirisch fundierte Antwort auf die Frage finden, wie und auf der Grundlage welcher ideologischen Konstrukte diese Indoktrination funktioniert. Die traditionellen Studien zur Indoktrination konzentrieren sich vor allem auf einzelne Formen der Gehirnwäsche im Unterricht. Wir argumentieren jedoch, dass Indoktrination nicht mehr nur als eine Angelegenheit des Unterrichts betrachtet werden kann. Wie Cristopher Martin zeigt, ist eine breitere Konzeption institutioneller Indoktrination für die Fälle erforderlich, in denen die Indoktrination über die individuelle Lehrer-Schüler-Interaktion hinausgeht und von den Bildungseinrichtungen als ganzen durchgeführt wird, auch wenn die Lehrerinnen und Lehrer an diesen Einrichtungen nicht beabsichtigen zu indoktrinieren, oder sich des indoktrinierenden Charakters ihres Unterrichts nicht bewusst sind. In diesem Projekt gehen wir sogar noch einen Schritt weiter, indem wir zu eruieren versuchen, wie nicht nur einzelne Bildungseinrichtungen, sondern ein ganzes nationales Bildungssystem indoktrinieren kann. Die zentrale Forschungsfrage des Projekts - wie, und auf der Grundlage welcher ideologischen Konstrukte systemische Indoktrination im zeitgenössischen russischen Bildungswesen funktioniert - wird in den folgenden Teilfragen operationalisiert: 1. Welche Inhalte werden an Schulen und Hochschulen vermittelt? 2. Welche indoktrinierenden Methoden werden im Unterricht eingesetzt? 3. Mit welchen Absichten der Regierung, der Schulen und der Lehrerinnen und Lehrer verbindet sich Indoktrination? 4. Die Folgen: Wie manifestiert sich close mindednes als zentraler Effekt von Indoktrination konkret im russischen Bildungswesen? Was sind die kollektiven Folgen indoktrinativer Praktiken? Inwiefern kann Indoktrination auch die Form eines angeblich kritischen Denkens einnehmen, wenn dieses sich innerhalb eines geschlossenen Weltdeutungssystems bewegt? 5. Welche Werte werden durch Unterricht, Bildungspolitik und institutionelle Arrangements im Bildungssystem promotiert? 6. Mit welchen Machtmechanismen werden die indoktrinierenden Praktiken durchgesetzt? Um diese Fragen zu beantworten, werden wir Schulbücher, Lehrpläne und institutionalisierte Praktiken im gegenwärtigen russischen Bildungssystem untersuchen, und dabei die Ansätze der Begriffsanalyse, der normativen Analyse und der kritischen Diskursanalyse anwenden.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2025 - 2028
GEPRIS:
Antragstellerin:
Prof. Dr. Imke von Maur (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Professur für Philosophie)
Beschreibung:
Emotionen sind zentraler Gegenstand potenziell explosiver Dispute geworden, vor allem in Debatten um drängende gesellschaftliche Fragen wie Migration und Klimakrise. Hierin sind Empathie, Mitgefühl, Barmherzigkeit zentral; es wird hier deutlich, dass Emotionen und ihre Bewertung als (un)angemessen mit impliziten normativen Kriterien verwoben sind. Diese Dispute können sogar schädlich sein, wenn z. B. Wut und Angst in Medien und Politik instrumentalisiert werden, was zu affektiver Polarisierung führt, die möglicherweise konstruktiven Dialog untergräbt und gesellschaftliche Fragmentierung verstärkt. Die Notwendigkeit kritischer Auseinandersetzung mit Emotionen wird zunehmend im akademischen Diskurs anerkannt. Situierte und konstruktivistische Ansätze berücksichtigen sozialen Kontext, Körper, und Umwelt, analysieren jedoch weder kritisch, wie Emotionen zur Gestaltung der soziopolitischen Realität beitragen, noch erläutern sie die normativen Standpunkte, von denen aus Emotionen bewertet werden. Ein gezielter Austausch und gemeinsame Forschung darüber, worin „kritische Emotionstheorie“ (CET) besteht, ist dringend erforderlich. Wir schlagen vor, dass CET drei Aufgaben erfüllen muss: a) den historischen und soziokulturellen Kontext, in dem Emotionen und Emotionstheorie existieren, explizit zu machen; b) die normativen Annahmen und Implikationen zu untersuchen, die hinter der Theoretisierung und Debatten um Emotionen stehen; c) die sozialen, ethischen und politischen Konsequenzen von Emotionen, die von ihnen erzeugten Realitäten und die Dispute um sie, einschließlich möglicher Schäden, zu untersuchen. Hier geht es nicht darum, neue Kriterien für die Bewertung von Emotionen anzubieten, sondern den normativ strukturierten Diskurs über Emotionen zu erläutern und die methodischen und inhaltlichen Voraussetzungen für eine kritische Auseinandersetzung mit Emotionen zu diskutieren. Auf systematischer Ebene will das Netzwerk (1) den Begriff des Kritischen und einer genuinen "kritischen Emotionstheorie" erkunden, einschließlich einer Analyse der Normativität der Bewertung von Emotionen, ihrer Realitäten und der Dispute über sie sowie ihrer potenziellen Schäden, (2) Methoden der CET aufstellen anhand der Integration kritischer Epistemologie (insb. feministische Standpunkttheorie), kritischer Phänomenologie und kritischer Sozialtheorie (insbesondere immanente Kritik), und (3) CET auf spezifische Phänomene anwenden, um sowohl die herausgearbeitete Theorie als auch Methodik zu testen und zu verbessern. Auf operativer Ebene zielt das Netzwerk darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen kritischen Perspektiven und Karrierestufen zu erweitern, und transdisziplinäre Analysen und internationale Zusammenarbeit zu fördern. Die Einrichtung dieses Forschungsnetzwerks ermöglicht uns, durch Konferenzen, Workshops und Panels, einer Sonderausgabe, und einem Sammelband die Grundlagen für ein Forschungsfeld CET zu bilden.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2025 - 2028
GEPRIS:
Antragstellerinnen: Prof. Dr. Christina Pfeuffer (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Human Technology Interaction) und Prof. Dr. Hanna Comteße (Fernuniversität Hagen, Klinische und Gesundheitspsychologie)
Beschreibung:
Die Anhaltende Trauerstörung (ATS) ist eine beeinträchtigende und persistierende Trauerreaktion, die als neue Diagnose in die ICD-11 aufgenommen wurde. Kognitive Modelle der ATS nehmen an, dass verlustbezogene Aufmerksamkeitsverzerrungen zu deren Entstehung und Aufrechterhaltung beitragen. Dabei wird von unterschiedlichen Aufmerksamkeitslenkungsmustern hinsichtlich Erinnerungsreizen an die verstorbene Person (z.B. Fotoalben) sowie Reizen, die mit dem Tod oder dessen Umständen assoziierten sind (z.B. Friedhöfe), ausgegangen. Bisherige Studien deuten auf eine selektive Aufmerksamkeitsfokussierung für beide Formen verlustbezogenen Materials hin. Allerdings weist die bisherige Forschung einige Limitationen auf. Es wurden fast ausschließlich Reaktionszeitaufgaben eingesetzt, die zugrundeliegende Mechanismen der Aufmerksamkeitslenkung nicht vollständig abbilden können. Zudem wurde unterschiedliches verlustbezogenes Material nie gemeinsam betrachtet, wodurch spezifische Veränderungen in Komponenten der Aufmerksamkeit unerforscht bleiben, und es wurde zumeist kein idiosynkratisches Stimulusmaterial verwendet, obwohl die relevanten Reize hochgradig individuell sind. Außerdem wurden vorwiegend Personen mit subklinischer ATS untersucht und es fehlten geeignete Kontrollgruppen. Um diese Limitationen zu überwinden und die Erkenntnisbasis systematisch zu erweitern, kombiniert das vorliegende Projekt kognitive Grundlagenforschung mit klinischer Forschung, indem innovative kognitive Paradigmen und Eye-Tracking angewendet werden. Damit sollen Prozesse der reaktiven und proaktiven Aufmerksamkeitslenkung untersucht werden, indem individuell relevante, personen- und todesbezogene Reize sowie geeignetes Kontrollmaterial einer Gruppe von Personen mit ATS dargeboten wird. Weiterhin erfolgt die Darbietung in einer Trauerkontrollgruppe und einer gesunden Kontrollgruppe, um die Spezifität der Aufmerksamkeitsmuster zu überprüfen (Gesamtstichprobe N = 144). Durch die Eye-Tracking Erfassung können zugrundeliegende Mechanismen geprüft werden, wobei insbesondere Antisakkadeneffekte betrachtet werden. Die Ergebnisse können das Verständnis von Veränderungen der Aufmerksamkeitslenkung bei ATS grundlegend verbessern und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Optimierung von Störungsmodellen und Identifizierung von neuen Ansatzpunkten für Interventionen leisten. Die systematische, translationale Verknüpfung der klinischen und kognitiven Forschungsmethoden hat zudem das Potential, vergleichbare Untersuchungen in anderen Störungsbereichen anzuregen.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2025 - 2028
Antragsteller:
Prof. Dr. Marco Steinhauser (Philiosophisch-Pädagogische Fakultät;
Kooperationspartner:
University of Southern Denmark
Beschreibung:
Das Erkennen eigener Fehler ist eine entscheidende Voraussetzung für adaptives Verhalten. Es ist seit langem bekannt, dass das menschliche Gehirn mit einem Fehlerüberwachungssystem ausgestattet ist, das Fehler registriert, die dann zu Anpassungen der Aufmerksamkeit und des Verhaltens führen. Die Mechanismen hinter diesen Anpassungen und ihre funktionale Bedeutung sind jedoch noch immer Gegenstand von Debatten. Insbesondere die Rolle von Aufmerksamkeitsanpassungen nach Fehlern ist eher unklar. Während traditionelle Ansätze davon ausgehen, dass Fehler zu adaptiven Anpassungen der Aufmerksamkeit führen, die die zukünftige Leistung verbessern, wurde von anderen vorgeschlagen, dass Fehler eine maladaptive Orientierungsreaktion hervorrufen, die sogar die Wahrscheinlichkeit weiterer Fehler erhöht. Eine kürzlich postulierte Theorie integriert diese Erkenntnisse, indem sie annimmt, dass adaptive und maladaptive Anpassungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach dem Fehler auftreten, aber eine direkte Prüfung dieser Idee steht noch aus. Im vorliegenden Projekt werden wir Steady-State visuelle evozierte Potenziale (SSVEPs) im Elektroenzephalogramm verwenden, um Aufmerksamkeitsanpassungen nach Fehlern direkt zu messen. Dies ermöglicht es uns, mehrere offene Fragen zu beantworten: Erstens werden wir durch die Messung des zeitlichen Verlaufs der Aufmerksamkeitsanpassungen nach einem Fehler überprüfen, ob adaptive und maladaptive Anpassungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach einem Fehler auftreten. Zweitens werden wir durch die Manipulation zeitlicher Aspekte der Reizdarbietung die Idee testen, dass maladaptive Aufmerksamkeitsanpassungen eine Folge diskreter Laboraufgaben sind, an die unser Gehirn nicht optimal angepasst ist. Drittens werden wir untersuchen, ob Aufmerksamkeitsanpassungen reaktiv oder proaktiv sind, indem wir testen, ob sie auf Basis früherer oder zukünftiger Aufgabenanforderungen erfolgen. Und schließlich werden wir bestimmen, ob Aufmerksamkeitsanpassungen von der Fehlerquelle abhängen und daher insbesondere dann auftreten, wenn Fehler auf ein Versagen der selektiven Aufmerksamkeit zurückzuführen sind. In allen Studien werden wir des Weiteren untersuchen, wie Aufmerksamkeitsanpassungen mit Komponenten der Fehlerüberwachung zusammenhängen, indem wir Änderungen im SSVEP mit fehlerbezogener Gehirnaktivität in ereigniskorrelierten Potentialen (Ne/ERN, Pe) und Oszillationen (Theta) mittels Single-Trial-Analysen korrelieren. Die Ergebnisse dieses Projekts werden unser Wissen über die neuronalen und kognitiven Mechanismen erweitern, die den Anpassungen von Aufmerksamkeit und Verhalten nach Fehlern zugrunde liegen.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2025 -
GEPRIS:
Antragsteller:
Dr. Manuel Rausch, Prof. Dr. Michael Zehetleitner (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Professur für Allgemeine Psychologie II)
Kooperationspartner:
Ludwig-Maximilians-Universität München (Gesamtleitung SPP); Max Planck Institute for Research on Collective Goods; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Beschreibung:
Die wissenschaftliche Psychologie wird gegenwärtig von einer Vertrauenskrise erschüttert, welche davon ausgelöst wurde, dass viele einflussreiche psychologische Studien nicht repliziert werden können. Eine mögliche Erklärung für das Scheitern von Replikationsstudien ist, dass psychologische Theorien oft unterspezifiziert sind. Als mögliche Gegenmaßnahme wurde vorgeschlagen, formale kognitive Modellierung einzusetzen, um so präzisere Vorhersagen zu generieren. Jedoch wurde nie empirisch geklärt, ob kognitive Modellierung überhaupt für die Replizierbarkeit nützlich ist. Angesichts der großen Anzahl von arbiträren Analyseentscheidungen, die während der kognitiven Modellierung getroffen werden müssen, könnte kognitive Modellierung für die Replizierbarkeit sogar kontraproduktiv sein. Das Projekt möchte die Replizierbarkeit von Modellierungen zu untersuchen, die auf der Theorie des Bayesianischen Gehirns basieren, wobei auf die Replizierbarkeit von drei exemplarischen Studien fokussiert wird. Als erster Schritt sollen anhand des Originaldatensatzes die Analysen der Originalstudien reproduziert werden. In einem Schritt soll die Robustheit von kognitiven Modellierungen untersucht werden, indem systematisch der Einfluss einer Vielzahl theoretisch äquivalenter Analyseentscheidungen auf die Ergebnisse untersucht wird. Zuletzt soll in exakten Replikationsstudien überprüft werden, ob sich die Ergebnisse der Originalstudien in neuen Studien wiederholen lassen.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2021 - 2026
Antragsteller: Professor Dr. Marco Steinhauser (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie)
Beschreibung: Wenn Fehler in Entscheidungsaufgaben unter Zeitdruck auftreten, können diese Fehler mit hoher Zuverlässigkeit und innerhalb von Sekundenbruchteilen berichtet werden. Dieses sogenannte Fehlerbewusstsein beruht vermutlich auf einem Evidenz-Akkumulationsprozess, bei dem Evidenz für einen Fehler aus mehreren Quellen gesammelt wird. Die Fehlerpositivierung, ein ereigniskorreliertes Potenzial (EKP), das sein Maximum zwischen 200 und 500 ms nach Fehlern erreicht, wurde als neuronales Korrelat der akkumulierten Evidenz identifiziert, da es vorhersagt, ob und mit welcher Sicherheit Versuchspersonen einen Fehler entdecken. Es ist allerdings wenig bekannt, welche kognitiven und physiologischen Mechanismen den Input für diesen Prozess liefern und somit bestimmen, ob ein Fehler explizit erkannt wird oder nicht. Laut frühen Ideen spiegelt die Fehlernegativierung, ein frühes EKP-Korrelat der Fehlerverarbeitung, ein Gehirnsignal wider, das diese Evidenz liefert. Studien mit korrelativem Ansatz zeigten jedoch keine robuste Beziehung zwischen der Fehlernegativierung und dem Fehlerbewusstsein, sodass die Rolle der Fehlernegativierung für das Fehlerbewusstsein noch immer unklar ist. Im vorliegenden Projekt verwenden wir ein neuartiges Target-Masking-Paradigma, um den Beitrag der Fehlernegativierung und anderer kognitiver und physiologischer Variablen zum Fehlerbewusstsein aufzudecken. Mit diesem Paradigma sind wir in der Lage, Fehler auszulösen, die mit einer Fehlerpositivierung, aber keiner Fehlernegativierung einhergehen. In einem ersten Teil des Projekts verwenden wir dieses Paradigma, um zu untersuchen, ob eine Fehlernegativierung eine notwendige Voraussetzung dafür ist, (1) dass sich Versuchspersonen eines Fehlers mit hoher Sicherheit bewusst werden, (2) dass Fehler eine Herzratendezeleration und Pupillenerweiterung auslösen, also autonome Reaktionen, die im Zusammenhang mit dem Fehlerbewusstsein diskutiert werden, und (3) dass eine sogenannte frühe Fehlerempfindung auftritt, welche das Gefühl bezeichnet, einen Fehler bereits vor seinem Auftreten erkannt zu haben. In einem zweiten Teil verwenden wir das Target-Masking-Paradigma, um zu untersuchen, welche metakognitiven Hinweise, die in die Aufgabe eingebettet sind, das Fehlerbewusstsein beeinflussen können. Hier untersuchen wir die Rolle des Wissens über Fehlerwahrscheinlichkeit sowie Reizkontext und Handlungseffekte, die das Auftreten von Fehlern vorhersagen. Die Ergebnisse dieses Projekts werden zum Verständnis der kognitiven und neuronalen Architektur der Fehlerverarbeitung im Gehirn beitragen.
Laufzeit: 2023 - 2026
Antragstellerin:
Dr. Khadija Benthami (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft II)
Beschreibung:
Die Forschung zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf ein Korpus indisch-frankophoner literarischer Texte zu lenken, das in der Literaturlandschaft oft übersehen wird. Dieses Projekt wird Konzepte der Weltliteratur durch das Prisma des indisch-frankophonen Korpus zweier zeitgenössischer indisch-frankophoner Schriftsteller revidieren: Ari Gautier und Shumona Sinha. Ihre literarischen Erzählungen die Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit Konzepten von Weltliteratur, die häufig eine grenzenlose Zirkulation literarischer Werke propagieren und die anhaltenden Ungleichheiten sowie geopolitischen Hierarchien unterstreichen, die ihre Verbreitung prägen. Mein Projekt untersucht den Rand –genauer gesagt: die Metapher des Randes – in der frankophonen Literatur Indiens, als theoretisches Paradigma, um die Dynamiken von Macht und Identität im globalen literarischen Feld neu zu interpretieren und zu überdenken. Die ausgewählte indisch-frankophone Literaturproduktion, eine Zone mehrerer Sprachen, Kulturen und Mythologien, bildet eine hybride Zone in dem sprachlichen und geografischen Grenzen ständig in Bewegung sind. Sie behält jedoch häufig den Status von dessen, was Dehoux als Literatur der Peripherie bezeichnet, und veranschaulicht die Dichotomie von Zentrum/Peripherie (Dehoux, 2018). Ich untersuche daher, wie diese Literatur versucht, nicht nur basierend auf soziokulturellen und ästhetischen Kriterien – wie sprachlicher Hybridität, diasporischer Position oder postkolonialem Gedächtnis – einen Platz in der literarischen Landschaft zu finden, als Alternative zu dem, was ihr durch Diskurse über Weltliteratur aufgezwungen wird. Dies ermöglicht eine kritische Herangehensweise, um die wichtigsten Paradigmen der Weltliteratur zu überdenken, die auf der Logik von Verbreitung, Übersetzung und Sichtbarkeit beruhen. Mein Hauptziel besteht daher darin, Theorien der Weltliteratur zu hinterfragen, indem ich die Aufmerksamkeit auf ein wenig erforschtes Korpus innerhalb des literarischen Feldes lenke, das eine einzigartige Perspektive auf die Konzeptualisierung dieses Feldes bietet.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2026 -
GEPRIS:
Antragstellerinnen:
Dr. Laura Febres de Ayala und Prof. Dr. Miriam Lay Brander (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft II)
Beschreibung:
Das Vorhaben möchte die literarische Darstellung von Migration im Kontext einer der derzeit größten Migrationskrisen aus einer Gender-Perspektive heraus beleuchten. Es untersucht Erzähltexte von venezolanischen Schriftstellerinnen, die in andere Länder Lateinamerikas ausgewandert sind, einschließlich ihrer personellen, ökonomischen, kulturellen und literarischen Netzwerke. Anhand der Darstellung von Migration in Romanen und Kurzgeschichten aus dem 21. Jahrhundert möchte es zeigen, welche Rolle die Geschlechtervariable bei der Entscheidung zur Migration, der Erfahrung der Grenzüberquerung und der Eingliederung in die Aufnahmegesellschaft sowie im Hinblick auf Handlungsoptionen von Migrantinnen spielt. Darüber hinaus geht es der Frage nach, inwiefern die untersuchten Werke die Erfahrung eines raum-zeitlichen, von einer permanenten Vorläufigkeit geprägten in-between narrativ exponieren und/oder kompensieren. Auch wenn der Fokus auf Migrantinnen (ggf. einschließlich Transgender-Frauen) liegt, so sollen flankierend auch Maskulinitäten im venezolanischen Migrationskontext mit einbezogen werden.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2024 - 2027
Antragstellerin:
Prof. Dr. Stefanie Eifler (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung) und Prof. Dr. Mark Stemmler (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Projektpartner:
Universiteit Gent
Beschreibung:
In der Kriminologie hat die kritische Auseinandersetzung mit handlungstheoretischen Ansätzen dazu geführt, dass schon frühzeitig die Bedeutsamkeit zweier stark miteinander verschränkter Aspekte erkannt wurde, und zwar die Analyse der Einflüsse von Moralität im Rahmen einer situationsbezogenen Analyse von kriminellem Handeln. Der bisherige Forschungsstand lässt bezüglich beider Aspekte Fragen offen, die im Rahmen des geplanten Projekts bearbeitet werden sollen: Im Hinblick auf die Konzeptspezifikation und Operationalisierung von Moralität bleibt unklar, was unter Moralität in Abgrenzung zu Normbindung zu verstehen ist und wie eine theoriegeleitete Messung von Moralität erfolgen kann. Im Hinblick auf die zweistufige Erklärung kriminellen Handelns bleibt unklar, wie beide Stufen theoretisch und empirisch modelliert werden können und wie moralische Akteure dennoch kriminell handeln können. Das geplante Projekt knüpft an die bisherige kriminologische Forschung, vor allem die Situational Action Theory, aber auch an das Modell der Frame-Selektion an und erweitert sie über die oben genannten Punkte. Ziel des Projektes, das soziologische und psychologische Perspektiven in einen interdisziplinären kriminologischen Bezugsrahmen integriert, ist die Analyse der Wirkungsweise eines moralischen Filters im Kontext der Erklärung verschiedener Formen kriminellen Handelns. Hierzu muss das Konstrukt der Moralität zunächst expliziert und operationalisiert werden. Dies erfolgt über die Einbeziehung des moralphilosophischen Diskurses, soziologischer Handlungstheorien und psychologischer Theorien zur Moralentwicklung. Ein besonderer Fokus wird darauf liegen, wie Moralität und Normorientierungen voneinander abgegrenzt werden können. Dazu soll ein faktorieller Survey zur Beurteilung moralischer Situationen entwickelt und eingesetzt werden. Anschließend soll die Wirkungsweise des moralischen Filters in einer weiten Fassung, die es erlaubt, rationale Erwägungen und kognitive Techniken der Rechtfertigung im Filterprozess einzubeziehen, modelliert werden. Dies soll über Neutralisierungstechniken (Sykes & Matza, 1957) und social disengagement (Bandura et al., 1996) geschehen. Durch die Erarbeitung einer stringenten theoretischen und empirischen Modellierung des moralischen Filters, die auch die Möglichkeiten seiner Umgehung beinhaltet und auf einer fundierten Konzeptspezifikation von Moralität beruht, kann das Projekt neue und maßgebliche Erkenntnisse hinsichtlich der Erklärung kriminellen Handelns beitragen.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2024 - 2027
GEPRIS:
Antragsteller:
Prof. Dr. Bernward Schmidt (Theologische Fakultät; Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte)
Beschreibung:
Das Projekt nimmt die Reformation als Transformationsprozess in Süddeutschland und aus süddeutscher Perspektive in den Blick. Es analysiert dabei die Wahrnehmung und Deutung der Reformation durch nicht-reformatorische ("altgläubige") Zeitgenossen. Hierzu werden Werke klösterlicher "Zeitgeschichtsschreibung" des 16. Jahrhunderts herangezogen und näher untersucht, die von gebildeten Ordensleuten verfasst wurden und in der Forschung zur Reformation bislang kaum Beachtung gefunden haben. Ziel des Projektes ist es, besser verstehen und nachvollziehen zu können, in welchen Kategorien, mit welcher Intention, mit welchen persuasiven Strategien und für welche Leserschaft(en) die erlebten historischen Umbrüche der eigenen Lebenszeit von bestimmten Zeitchronisten, wie beispielsweise Kilian Leib, aufgeschrieben, eingeordnet und gedeutet wurden. Da die aktuelle Forschung in der Regel die reformatorische Seite fokussiert, wird das Projekt einen wesentlichen Beitrag durch den Perspektivenwechsel auf die Seite möglicher "Reformverlierer", durch die Erschließung bislang unberücksichtigter Quellen sowie durch die konsequente Verortung in der Landesgeschichte bieten.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2026 - 2029
GEPRIS:
Antragstellerin:
Prof. Dr. Dominika Langenmayr (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre)
Kooperationspartner:
Eberhard Karls Universität Tübingen
Beschreibung:
Die Entwicklung der Produktivität von Firmen ist ein entscheidender Faktor für ein langfristiges Wirtschaftswachstum. Während sich die Firmenproduktivität in Europa über die Zeit zum Teil recht unterschiedlich entwickelt hat, wurden diese Unterschiede in der Literatur bisher weitgehend ignoriert. Inwieweit die Politik und insbesondere die Steuerpolitik auf das Produktivitätswachstum Einfluss nehmen kann, ist daher eine noch unerforschte Frage. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es folglich, sich eingehender mit der Rolle der Steuerpolitik bei der Erklärung und Förderung des Produktivitätswachstums auseinanderzusetzen. Mehr Informationen auf den verlinkten Webseiten.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:
2019 - 2027
Projektwebseite:
https://www.rsit-uni-tuebingen.de/for-2738/
Fordoc:
fordoc.ku.de/id/eprint/2834/
Antragsteller:
Prof. Dr. David Streich (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Digital Finance)
Projektpartner:
Technische Universität Dresden
Beschreibung:
Künstliche Intelligenz in Form von Large Language Modellen (LLM) ermöglicht es technisch versierten Laien, komplexe Aufgaben in Bereichen durchzuführen, in denen sie keine Experten sind. Die private Altersvorsorge stellt aufgrund des hohen Bedarfs nach Anlageberatung einen vielversprechenden Anwendungsbereich von LLM dar. Das Potential von LLM im Finanzbereich lässt sich auch an der frühen Adoption solcher Tools durch führende Vermögensverwalter und -berater erkennen. Das Ziel des Forschungsprojekts ist die Identifikation von Potentialen und Risiken für Anleger:innen und Anbieter, die aus der Nutzung KI-gestützter Unterstützungssysteme resultieren sowie die Ableitung möglicher Regulierungsbedarfe. Untersucht werden die Qualität der von LLM generierten Anlageempfehlungen, die Determinanten der Nutzerakzeptanz, sowie mögliche Risiken bzw. Hemmnisse der Nutzung im Anlagekontext. Um das Potential von LLMs in der Anlageberatung zu bewerten, muss zwischen der Leistungsfähigkeit der Empfehlung selbst (bspw. als risikobereinigte Rendite gemessen) und der Effektivität der Beeinflussung der Anlegerin oder des Anlegers (bspw. als weight of advice, also der Verhaltensänderung zur Empfehlung hin, gemessen) unterschieden werden. Beide Aspekte sind bei einer Evaluation der Leistungsfähigkeit wichtig. Um eine Verbesserung des individuellen Anlageverhaltens herbeizuführen, muss ein LLM hinreichend leistungsstarke Empfehlungen generieren, welche wiederum zu einem hinreichenden Grad von Nutzer:innen akzeptiert und übernommen werden. Das Projekt wird zudem zwei zentrale Risiken von LLM-basierten Entscheidungsunterstützungssystemen untersuchen: algorithmische Verzerrungen (algorithmic bias) und Datenschutz- und Datensicherheitsrisiken. Algorithmische Verzerrungen wirken sich potentiell negativ auf die Qualität und Akzeptanz der von LLMs generierten Anlageempfehlungen aus. Zudem ist für die Erstellung von Anlageempfehlungen die Bereitstellung sensibler Daten notwendig, was sich aufgrund der inhärenten Datenschutz- und Datensicherheitsrisiken potentiell negativ auf die Akzeptanz auswirkt.
Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2025 - 2028
Fordoc: https://fordoc.ku.de/id/eprint/3777/
Gepris: https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/552870289?language=de
Antragsteller:
Prof. Dr. Pirmin Fontaine (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; ABWL Logistics und Operations Analytics)
Beschreibung:
Das Forschungsprojekt untersucht die Auswirkungen von plötzlich auftretenden Störungen in urbanen Logistiksystemen mit mehreren kooperierenden Dienstleistern. Zur Behebung der Störungen werden verschiedene Wiederherstellungsmaßnahmen entwickelt und bewertet und in eine Resilienzstrategie integriert. Zu diesem Zweck wird ein zweistufiges urbanes Transportsystem untersucht, bei dem auf der multi-modalen ersten Stufe mehrere Dienstleister kooperieren und Waren gemeinsam zu sogenannten Satelliten transportieren. Von diesen Satelliten transportieren die einzelnen Dienstleister ihre Waren mit kleinen umweltfreundlichen Fahrzeugen zu den Kunden. Auf der ersten Stufe, die beispielsweise durch Cargotrams oder größere Transporter durchgeführt wird, können Störungen auftreten, die den Weitertransport behindern und somit Auswirkungen auf mehrere Dienstleister haben. Im ersten Schritt werden verschiedene Wiederherstellungsstrategien entwickelt und mathematisch modelliert (gemischt-ganzzahliges lineares Programm). Anschließend werden diese im Rahmen eines taktischen Planungsproblems gemeinsam integriert. Ziel dieses Entscheidungsunterstützungsmodells ist die mittelfristige Planung (beispielsweise eine Saison) der Ressourcen und der Dienste der ersten Stufe. Dieses Modell wird als zweistufiges stochastisches Programm modelliert und mit Hilfe von Dekompositionsverfahren (Branch-and-repair) exakt gelöst, um einen resilienten taktischen Plan zu entwickeln. Ziel des Verfahrens ist es, möglichst schnell zulässige Lösungen zu finden, sodass der Fokus in diesem Projekt hier auf der Entwicklung dieses Repair-Mechanismus liegt. Abschließend werden mit Hilfe von maschinellem Lernen (Entscheidungsbäume) Regeln abgeleitet, die es ermöglichen, in der operativen Umsetzung sofort auf die Störungen zu reagieren. Zum Testen der Methoden und Resilienzstrategien werden existierende Datensätze und ein bereits entwickelter Instanzengenerator mit Daten zu Störungen erweitert. Im Rahmen mehrerer Cases wird analysiert, welche Auswirkungen die Auswahl der Verkehrsträger, die Zusammensetzung der Dienstleister und die Störanfälligkeiten Auswirkungen auf die Resilienzstrategien haben.
Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2025 - 2028
(Stand April 2026)