Vom 09.08.26 bis 11.08.26 fand im schönen Saulgrub das erste AlpenSINNposium statt – eine kollaborative Forschungswerkstatt mit dem Ziel, Forschungsimpulse zum Zusammenspiel von Sinnerleben, Krisenerfahrungen, Engagement und Verantwortungsübernahme zu entwickeln. Im Zentrum stand dabei die Frage, unter welchen Bedingungen Engagement zu einer Quelle von Sinn werden und umgekehrt, inwiefern Sinn zu Engagement motivieren kann. Zudem wurde diskutiert, wann Menschen persönliche oder gesellschaftliche Krisen- und Ungerechtigkeitserfahrungen in konstruktive Verantwortung transformieren.
Mit dabei war das gesamte Team der Professur für Sozial- und Organisationspsychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sowie sechs externe Gäste, die Perspektiven aus unterschiedlichen Fachdisziplinen, Institutionen und der Praxis einbrachten. Neben der KU Eichstätt-Ingolstadt waren so auch die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt, die Fachhochschule Nordwestschweiz, die Katholische Stiftungshochschule München, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich sowie die Unternehmensberatung Roland Berger vertreten.
In drei thematischen Dialogblöcken gaben unsere Gäste wertvollen Input:
- Individuelle Motivperspektive auf Engagement: Prof. Dr. Isabel Strubel und Dr. Stefan Güntert eröffneten den Diskurs mit Impulsen zu intrinsischer Motivation, Werten, Emotionen und Selbstwirksamkeit.
- Organisationale und Gruppenperspektive auf Engagement: Dr. Susanne Freund und Prof. Dr. Egon Endres brachten Perspektiven zu Führung, Organisationskultur, Tätigkeitsmerkmalen und sozialer Einbindung ein.
- Sinn und konstruktives versus riskantes Engagement: Prof. em. Dr. Theo Wehner und Prof. em. Dr. Manfred Gerwing diskutierten über gesellschaftsförderndes versus gesellschaftsgefährdendes Engagement, moralische Verhärtung und die grundlegende Sinnsuche.
Dass es sich um eine echte Forschungswerkstatt handelte, zeigte sich in den intensiven Arbeitsphasen: Gemeinsam wurden bestehende Annahmen hinterfragt und greifbare Forschungs- und Publikationsstränge erarbeitet. Dabei wurde schnell deutlich, wie schwierig es überhaupt ist, sich darüber bewusst und einig zu werden, was wir eigentlich unter Sinn verstehen: Was unterscheidet sinnvoll, sinnhaft und sinnstiftend? Was bedeutet es, Sinn zu stiften, Sinn zu entdecken, Sinn zu finden oder Sinn anzubieten?
Mit genau diesen feinen Unterschieden haben wir uns beschäftigt – und auch wenn eine abschließende Einigkeit naturgemäß offenblieb, eröffneten sich genau daraus spannende Perspektiven für unsere künftige Forschungsreise: unter anderem zum Verständnis von Kipp-Punkten zwischen konstruktivem und riskantem Engagement, zur Rolle von Führungskräften als „Grenzgänger*innen“, zu linguistischen Metapher-Analysen rund um das Sinnerleben sowie zu methodischen Zugängen über qualitative Einzelfallbetrachtungen.
In diesem Sinne nehmen wir jede Menge frische Gedanken mit in unsere Forschung – und blicken schon jetzt mit Vorfreude auf das zweite AlpenSINNposium 2027!