Insgesamt wurden an der KU in diesem Jahr 30 Deutschlandstipendien vergeben. Die Auswahlkommission entschied sich aus 175 Bewerbungen für 18 Studierende am Standort Eichstätt und zwölf am Standort Ingolstadt. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten stammen aus sieben Nationen. Unterstützt wird das Programm von elf Förderern, darunter Stiftungen, Unternehmen, Alumni sowie private Unterstützerinnen und Unterstützer.
Das Deutschlandstipendium ist als öffentlich-private Bildungspartnerschaft angelegt: Private Förderer, Stiftungen oder Unternehmen finanzieren monatlich 150 Euro, die vom Bund auf insgesamt 300 Euro aufgestockt werden. Die einkommensunabhängige Förderung wird zusätzlich zum BAföG gezahlt und unterstützt leistungsstarke sowie gesellschaftlich engagierte Studierende, die oftmals besondere persönliche Herausforderungen meistern müssen.
Die Bedeutung des Deutschlandstipendiums wurde insbesondere in den persönlichen Beiträgen zweier Stipendiaten deutlich, die im Rahmen der Urkundenübergabe ihre Lebenswege schilderten.
Mein Weg an der KU begann ähnlich wie bei vielen anderen – mit Verwirrung, Chaos und Unsicherheit. Ich komme aus einem Land, in dem der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung begrenzt und oft sehr teuer ist. Meine Eltern konnten mich finanziell nicht vollständig unterstützen, aber sie taten alles, um mir die Chance auf eine bessere Zukunft zu geben. Daher war mein Weg hier nie einfach. Vom ersten Tag an musste ich rund um die Uhr arbeiten – nicht nur, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch, um mit dem Vollzeitstudium Schritt zu halten, während ich gleichzeitig eine neue Sprache lernte und mich an das Leben in einem völlig anderen Land gewöhnte.
Ich kam voller Hoffnung hierher, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie schwierig die ersten Monate waren. Gleichzeitig erinnere ich mich auch daran, wie sehr mich die KU von Anfang an unterstützt hat. Das International Office half mir, mich einzuleben und sogar eine Unterkunft zu finden – was, wie wir alle wissen, in Deutschland nicht einfach ist. Meine Kommilitonen aus dem Data-Science-Programm waren für mich da, als ich mich überfordert fühlte, und ermutigten mich, weiterzumachen. Und meine Professoren – einige der brillantesten Menschen, von denen ich lernen durfte – begleiteten mich mit einer Fürsorge und Herzlichkeit durch mein Studium, die die KU-Gemeinschaft so sehr auszeichnet. Ich bin heute da, wo ich bin, dank all dieser Unterstützung, und das werde ich nie vergessen. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Heute versuche ich, der KU und anderen Gemeinschaften so gut wie möglich etwas zurückzugeben. Ich bin Vorsitzender der Fachschaft Data Science und setze mich dafür ein, Studienanfänger so zu unterstützen, wie ich einst unterstützt wurde. Ich arbeite eng mit dem International Office zu Beginn jedes Semesters zusammen, um neuen Studierenden den Einstieg zu erleichtern. Ich engagiere mich ehrenamtlich als IT-Manager beim Erasmus Student Network in Ingolstadt, wo ich Veranstaltungen organisiere und dazu beitrage, das Studentenleben zu vernetzen und angenehmer zu gestalten. Außerdem leite ich einen Buchclub auf dem Campus, engagiere mich ehrenamtlich bei der UNICEF Student Organisation und unterstütze Initiativen für Kinderrechte. Darüber hinaus bin ich für die Social-Media-Präsenz der Fachschaft Data Science und der MIDS Faculty verantwortlich. Neben all dem arbeite ich als studentische Hilfskraft im Rechenzentrum der KU, wo ich Studierende und Mitarbeitende bei technischen Problemen unterstütze. Diese Tätigkeit ist mir besonders wichtig, da sie mir ermöglicht, mich beruflich weiterzuentwickeln und gleichzeitig einen Beitrag für die Universitätsgemeinschaft zu leisten.
All dies wäre ohne die Unterstützung durch das Deutschlandstipendium nicht möglich gewesen. Ich bin für dieses Stipendium besonders dankbar, denn es eröffnet mir vielfältige Möglichkeiten und bietet weit mehr als nur finanzielle Unterstützung. Es hat mir ermöglicht, meine Arbeitszeit zu halbieren und mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Dieses Stipendium würdigt unsere Herkunft und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, und gibt uns eine faire Chance, uns etwas aufzubauen. Unser Ausgangspunkt sollte nicht darüber entscheiden, wie weit wir kommen können, und meine Kolleginnen und Kollegen und ich stehen heute hier als Beweis dafür, was möglich wird, wenn man eine Chance erhält.
Ich war etwa acht, als ich – wenn auch nicht in meiner besten Disziplin – meinen ersten Unterrichtsversuch unternahm: Meine kleine Schwester saß dabei an einem Tischchen, ich stand vor ihr mit einer Rechentafel und erklärte ihr die Mathematik – mit schwerwiegenden Folgen, wie sie bis heute behauptet. Es gab und gibt nichts, das mich so bewegt, wie Kindern etwas beizubringen. Und wenn ich selbst etwas Neues lerne, überlege ich oft schon im nächsten Atemzug, wie ich es jemand anderem verständlich machen könnte.
Nach dem Abitur führten mich verschiedene Gründe, anstatt zum Grundschullehramt, zu meiner zweitgrößten Leidenschaft – der Natur. Ich studierte Forstingenieurwesen, absolvierte die Forstinspektorenprüfung und wurde als Försterin auf Lebenszeit verbeamtet. Dennoch spürte ich immer wieder, dass die Forstlaufbahn für mich zwar ein prägender und bereichernder Weg war, nicht aber mein Ziel.
Es folgten Jahre des Haderns, der Begegnungen mit Menschen, die mir Mut machten und wiederkehrende nächtliche Träume von Schulbussen, die mich aus dem Wald abholen. …und ein paar garstige Arbeitskollegen, die mir die Entscheidung ein bisschen erleichterten.
Als meine Aussteigerpläne Gestalt annahmen, wurde 2023 meiner Mama eine schwere neurodegenerative Erkrankung diagnostiziert. Meine Idee, noch einmal zu studieren, schien plötzlich so belanglos und geriet fundamental ins Wanken. Mit jeder Faser bin ich Familienmensch und meine Familie durch die Frage nach finanzieller Unterstützung und durch das Risiko, das ich einging, zusätzlich zu belasten, widerstrebte mir zutiefst. Denn kündigt man ein Beamtenverhältnis in der bayerischen Forstverwaltung, wird einem das Recht auf Wiedereintritt in ebendieses fortan verwehrt.
Ich suchte nach Alternativen zur Kündigung und rückte sämtlichen Mitarbeitern der Personalabteilung im Ministerium mit unbequemen Fragen nach Beurlaubung und Teilzeit auf den Pelz. Nach einigen überforderten Antworten wie: „Das hatten wir noch nie, das muss ich muss ich erst recherchieren.“ Kam die letztendliche: „Ihnen bleibt nur die Kündigung.“ Weinend ging ich zum Briefkasten, um sie einzuwerfen. Ich wusste, wenn ich mich jetzt gegen das Studium entscheide, dann entscheide ich mich gegen mein Leben. Ich wusste aber auch, dass ich für die Finanzierung kreativ werden müsste.
Bei der Recherche nach Stipendien stellte ich betreten fest: Das Deutschlandstipendium ist für Zweitstudierende und konkret in meinem Fall die einzige Option. Ich sah aber auch sofort, dass das Deutschlandstipendium und ich sehr gut zueinander passten. Mit der Zusage kam die große Erleichterung. Wieder stand ich weinend am Briefkasten. Durch das Stipendium kann ich mich weiterhin und intensiver in vielen Bereichen engagieren, die mir am Herzen liegen. Bei der Pflege meiner Mutter, als ehrenamtliche Artenschützerin, als Vorstand der Fachgruppe Germanistik und vor allem auch im Studium, dass mir unglaublich viel Energie und Lebensfreude zurückgibt.
Die neu gewonnene Zeit erlaubt mir aber auch, durchzuatmen. Im Wald zu sitzen, Gedichte zu schreiben – und Vogelstimmen nachzuahmen – wobei mich hoffentlich niemals jemand erwischt. Das Deutschlandstipendium ermöglicht mir, sicherzustellen, dass es auch mir gut geht und dass auch ich weiterhin etwas übrig haben kann für andere.
An dieser Stelle möchte ich gerne eines meiner Gedichte mit euch teilen.
Nachts vor einer Weile
Da hatt‘ ich einen Traum
Es ist dunkel und ich eile
Vorbei an Strauch und Baum
Der Wald trägt warme Süße
Ein Kleid in schattengrau
Und viele kleine Füße
Folgen mir vertraut
Es ist das Größte, das ich je gewann
Dass mir ein Kind vertrauen kann
Nie ging ich so sichere Schritte
Ohne zu wissen, wohin
Ich spüre sodann wie inmitten
Von Zweifeln mein Mut übernimmt
Und wo der Wald sich lichtet
Erblick‘ ich einen Bus
Den Busfahrer plagt sichtlich
Vom Warten schon Verdruss
Und als jedes Schulkind im Bus längst verschwand
Winkt er noch immer, er sieht mich an
Mit meinen schweren Schuh`n
Steig ich zaghaft zu
Doch niemand schaut verwundert drein
Denn ich muss hier die Lehrkraft sein
Wir fahren unter Sternen und als der Morgen graut
Sind wir in der Schule und ich endlich zuhaus
Besonderes Kennzeichen des Deutschlandstipendiums ist seine Konzeption als öffentlich-private Bildungspartnerschaft: Über ein Jahr hinweg erklären sich private Stiftungen, Förderer oder Unternehmen dazu bereit, ein monatliches Stipendium in Höhe von 150 Euro zu finanzieren, das der Bund dann auf 300 Euro aufstockt. Staat und Gesellschaft können auf diese Weise gemeinsam begabte, leistungsstarke und engagierte junge Menschen auf ihrem Bildungsweg unterstützen, die persönliche Herausforderungen in ihrem Leben zu meistern haben.
Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten das einkommensunabhängige Fördergeld von monatlich 300 Euro – zusätzlich zu BAföG-Leistungen – für mindestens zwei Semester und höchstens bis zum Ende der Regelstudienzeit. Die Deutschlandstipendien an der KU werden von insgesamt elf Förderern unterstützt. Neben der LIGA Bank-Stiftung, der Eichstätter Universitätsstiftung, der Eichstätter Universitätsgesellschaft, dem Förderkreis der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt, der Allianz Vertretung und Dr. Christoph Kreisbeck von der Aixelo Inc. unterstützen auch die zwei Alumni Christian Walbusch und Johanna Lange de Sousa sowie ein ehemaliger Professor, der nicht namentlich genannt werden möchte, das Deutschlandstipendium. Hinzu kommen mit der Willibald Schmidt Stiftung Beilngries und der Allianz Scholarship Cooperation zwei Stiftungen, die internationale Studierende der wirtschaftlichen und mathematischen Fächer unterstützen.
An der KU werden insgesamt 30 Deutschlandstipendien vergeben. Die Auswahlkommission wählte diese aus 175 Bewerbungen aus. Zwölf Stipendiaten studieren am Standort Ingolstadt, 18 am Standort Eichstätt. Das Deutschlandstipendium steht auch internationalen Stipendiaten offen, was zu einer internationalen Verteilung der Stipendien führt. In diesem Jahr stammen die Stipendiaten aus Deutschland (20), Aserbaidschan (1), Indien (2), Mexiko (1), Nepal (1), Pakistan (2) und aus der Ukraine (4). 25 der 30 Deutschlandstipendiaten haben sich zum ersten Mal beworben.
Wer Studierende im Rahmen des Deutschlandstipendiums unterstützen möchte, kann entweder ein Jahresstipendium in Höhe von 1800 Euro übernehmen – die andere Hälfte des Stipendiums wird durch das staatliche Förderprogramm aufgestockt. Alternativ kann man auch einen geringeren Betrag spenden – mindestens jedoch einmalig 150 Euro. Solche Spenden werden dann in einem Stipendienfonds zu Jahresstipendien zusammengeführt.
Weitere Informationen für Fördererinnen und Förderer sowie Studierende finden sich unter www.ku.de/deutschlandstipendium.