Am 23. Juni lud die STS zu einem intensiven Austausch zwischen Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Fellow an der STS, und Prof. Dr. Georg Stephan Barfuß ein. Beide verbindet eine außergewöhnliche Laufbahn zwischen Wissenschaft und kommunaler Praxis. Schneidewind, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal und ausgewiesener Experte der Transformations- und Nachhaltigkeitsforschung, leitete zuvor die Universität Oldenburg sowie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Barfuß verantwortet seit 2020 als berufsmäßiger Stadtrat das Referat für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg und beschreibt sich selbst als jemand, der „zwischen den Welten“ von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung unterwegs ist.
Vor diesem Hintergrund erschien im Mai 2026 sein Buch „Entscheiden. Liefern. Verantworten. Kommunales Leadership im 21. Jahrhundert“, das den inhaltlichen Rahmen des Abends bildete. Barfuß gab dem Publikum zahlreiche Beispiele für verantwortungsvolle, empathische und mutige Führung – für kommunales Leadership, das Orientierung schafft, Entscheidungen ermöglicht und Ergebnisse sichtbar macht.
Zentrale Botschaften des Abends waren klar: Eine moderne Verwaltung braucht eine Führungskultur, die strategische Ausrichtung mit Empathie verbindet, eine gelebte Fehlerkultur fördert und Mitarbeitende zu Ermöglichern macht. Der größte Fehler ist nicht das Scheitern, sondern der Versuch, jedes Risiko zu vermeiden. Innovation entsteht dort, wo Mut zum Experimentieren besteht und nicht jeder Versuch perfekt sein muss. Wir brauchen mehr Möglichmacher und weniger Bedenkenträger. Gleichzeitig wurde betont, dass es gut ausgewähltes und qualifiziertes politisches Personal braucht, das im Rahmen der Staatsmodernisierung und angesichts demokratischer Herausforderungen die Lage gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern klar und ehrlich kommuniziert.
Deutlich wurde auch: Die Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht durch Verwaltung des Bestehenden lösen – schon gar nicht angesichts der angespannten Finanzlage vieler Kommunen. Veränderung gelingt nur durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, unkonventionelle Entscheidungen treffen und Lösungen aktiv gestalten. Die größten Hindernisse sind selten fehlende Ideen, sondern eine Kultur des Verhinderns und das Festhalten an bestehenden Strukturen. Fortschritt entsteht, wenn neue Wege nicht nur diskutiert, sondern trotz Hürden gegangen werden.
Die Beiträge der beiden Redner führten zu einem lebendigen Austausch mit dem Publikum. Trotz hochsommerlicher Temperaturen im Georgianum zeigte die rege Beteiligung, wie groß das Interesse an moderner kommunaler Führung und echter Transformationskompetenz ist.