Erster Pflegefachtag widmet sich Folgen der Klimakrise

Welche Rolle spielt der Klimawandel für Pflege und Gesundheitswesen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der 1. Pflegefachtag an der KU am 27. Februar. Rund 30 Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis kamen zusammen, um über „Planetare Gesundheit und Handlungsfelder für die Pflege(-wissenschaft)“ zu diskutieren. Vorträge und Workshops beleuchteten dabei sowohl konkrete Auswirkungen der Klimakrise auf Gesundheit als auch Möglichkeiten, wie Pflegefachpersonen zu nachhaltigen Lösungen beitragen können.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Inge Eberl, Professorin für Pflegewissenschaft und Dekanin an der KU. Im Mittelpunkt des Vormittags stand eine Keynote der Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Christa Büker von der Hochschule Bielefeld. Sie machte deutlich, dass die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels längst spürbar sind. Hitzeperioden führen bereits heute zu einer erhöhten Sterblichkeit in den Sommermonaten, zugleich nähmen Luftschadstoffe, Allergene und durch Insekten übertragene Krankheiten zu. Auch psychische Belastungen, etwa in Form von „Klimaangst“, seien ein wachsendes Thema. 

Büker ordnete diese Entwicklungen in das Konzept der Planetary Health ein. Dahinter steht die Erkenntnis, dass menschliche Gesundheit untrennbar mit dem Zustand der natürlichen Lebensgrundlagen verbunden ist. „Das wissenschaftliche Konzept der Planetary Health meint: Nur wenn die Erde gesund ist, kann auch der Mensch gesund sein. Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“, erklärte Büker in ihrem Vortrag. 

Welche Konsequenzen sich daraus für die Pflege ergeben, sei aus Sicht der Referentin eindeutig. „Immer wenn es um Gesundheit geht, kommt Pflege ins Spiel“, betonte Büker. Auch wenn viele Pflegende angesichts des Arbeitsdrucks zunächst andere Probleme als dringlicher empfinden mögen, lasse sich das Thema nicht ausklammern: „Wir kommen nicht darum herum, uns mit dem Thema zu beschäftigen, denn wir sehen, welche gesundheitlichen Auswirkungen da sind und die werden uns immer mehr betreffen.“ Zugleich verfüge die Pflege über ein besonderes Mandat. Sie sei die weltweit größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und könne deshalb wichtige Impulse geben. „Pflege kann ein Motor der Transformation sein“, so Büker. 

Dabei sieht die Pflegewissenschaftlerin verschiedene Ebenen des Handelns. In der direkten Patientenversorgung gehe es etwa darum, auf Hitzewellen vorbereitet zu sein, Risikogruppen frühzeitig zu erkennen oder Patientinnen und Patienten über gesundheitliche Risiken aufzuklären. Auch Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime könnten aktiv werden, beispielsweise durch Hitzeaktionspläne, nachhaltigeres Beschaffungsmanagement oder energieeffiziente Strukturen. Schließlich spiele die Pflege auch eine Rolle in der gesellschaftlichen Debatte, etwa wenn Pflegende als „Klimabotschafter“ auftreten oder sich an kommunalen Gesundheits- und Klimaschutzstrategien beteiligen. 

Im Anschluss an die Keynote bot der Pflegefachtag Raum für Austausch und praktische Impulse. In zwei Workshop-Runden konnten die Teilnehmenden unterschiedliche Themen vertiefen. Diskutiert wurden über neue Rollenprofile wie Community Health Nurse oder School Health Nurse, die Gesundheit stärker auf kommunaler Ebene denken, sowie über Möglichkeiten,  stationäre Einrichtungen mit dem EU-Gütesiegel für Umweltmanagement, EMAS, zu zertifizieren. Weitere Workshops widmeten sich dem Projekt „Nachhaltiges Handeln in der pflegeberuflichen Bildung: Curriculare Integration von Planetary Health und digitaler Kompetenz“, das Praxisanleitende in der Pflege dazu qualifizieren will, Nachhaltigkeit systematisch in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Daran knüpfte auch die zweite Keynote am Nachmittag an: Natascha Köstler von der KU sprach über „Planetare Gesundheit und Handlungsfelder für Pflegefachpersonen“.