Exkursion zum Katholikentag nach Würzburg mit den Seminaren „Empowerment“ (Pastoraltheologie) und „Von Gott sprechen im Neuen Testament“ (Neutestamentliche Wissenschaft)

Am Sonntag, den 17. Mai 2026, ist der 104. Deutsche Katholikentag unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ zu Ende gegangen. Über das Wochenende verteilt hatten 74.000 Menschen daran teilgenommen. Darunter auch zwei Gruppen aus Eichstätt: Studierende im Seminar Empowerment von Dr. Tanja Grabovac und Prof. Dr. Katharina Karl und in dem zum Thema „Von Gott sprechen im Neuen Testament“ von Prof. Dr. Marievonne Schöttner sowie Studierende aus dem digitalen Bachelor und dem Zertifikatsstudium „Persönlichkeitsbildung und Engagement“. Wir alle waren angehalten, mit einem besonderen Blick für die jeweiligen Thematiken und ihre Umsetzung durch den Katholikentag zu gehen. 

Wie wird Empowerment thematisiert? Wie wird Empowerment konzeptuell verstanden? Diese und weitere Fragen dienten uns als Orientierung bei der Analyse. Nicht nur bei der täglichen gemeinsam besuchten Veranstaltung gingen wir ihnen nach, auch im individuellen Erleben des Katholikentags. Bei einer Mitmachaktion probierten wir aus, einen Text aus dem Buch Tobit in Leichte Sprache zu übertragen. Das Ermächtigungs-Konzept dahinter: Menschen mit Lernschwierigkeiten und geistigen Behinderungen das Selbstlesen ermöglichen. Auf einem Podium zum Thema „Hab Mut, steh auf… Für Geflüchtete“ sollten sich Innenminister Hermann und Sr. Juliana Seeligmann zum Abschluss gegenseitig Mut in ihrer Arbeit zusprechen und die Perspektive wechseln. Für Zuspruch für den Einsatz für Asylantinnen und Asylanten ist zwar sicher noch Luft nach oben, doch hatte die Veranstaltung einen empowernden Charakter für die beiden Gäste gegenseitig bekommen. In der Reflexion in unserer Seminargruppe teilten wir unsere Eindrücke und Erfahrungen zu jedem Tag und kamen darüber hinaus ins Gespräch.

Wie kann heute von Gott gesprochen werden? Welche Möglichkeiten der Gottesrede gibt es? Mit diesen Leitfragen haben die Studierenden des Neuen Testaments zusammen mit Prof. Dr. Marievonne Schöttner drei Bibelworkshops besucht.

Hat man den Mut, andere Lesearten der Bibel wahrzunehmen und anzuerkennen? Im ersten Workshop ging es um drei verschiedene Lesearten des Neuen Testaments anhand des Mottos des Katholikentags „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49). Die Neutestamentlerin Prof. Dr. Sabine Bieberstein stellte die christliche Leseart von Mk 10,49 im Hinblick auf das Motiv der Nachfolge vor. Bartimäus ist hier eine Beispielfigur, die Mut zeigt, Jesus auf seinem Weg nachzufolgen. Die jüdische Theologin Helene Braun hob hingegen das Motiv der Menschenwürde hervor. Die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi las Mk 10,49 als Ausdruck von Selbstvertrauen. Die drei Expertinnen verständigten sich darauf, dass Mk 10,49 eine Empowerment-Szene darstellt: Jesus gibt ihm Mut, Vertrauen zu entwickeln und dieses zu formulieren.

Haben wir den Mut, das koloniale Erbe zu verlassen? Der Workshop von Dr. Stefan Silber sensibilisierte die Teilnehmer*innen für koloniale Spuren in Gebetsübersetzungen anhand des Vaterunsers. Er ermutigte uns dazu, Denken und Wissen zu entkolonialisieren. Außerdem bemerkten wir die Gefahr von Fehlinterpretationen der Bibel aufgrund eigener Interessen.

Hat man den Mut, gendersensibel über Gott zu sprechen? Prof. Dr. Marievonne Schöttner stellte uns in ihrem Workshop eine gendersensible Gottesrede im Neuen Testament anhand von zwei Gleichnissen (Lk 15,1–10; Mt 20,1–16) vor. In Lk 15,1–10 wählt der Evangelist erst eine Männerfigur und dann eine Frauenfigur aus, um von Gott zu sprechen. Prof. Dr. Schöttner sprach von einem „Gottesmosaik“, das eine Vielfalt von Gottesrede ermöglicht. Der Workshop forderte die Teilnehmer*innen dazu auf, den Mut zu haben, eine bereits im Evangelium berechtigte und verwendete gendersensible Gottesrede anzuerkennen und zu fördern.

Ein gemeinsamer Moment mit beiden Seminaren war das Gruppenfoto vor dem Dom und die Reflexion in der großen Runde, die sich daran anschloss. Den Samstag ließen wir bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Und am Sonntag nach dem Abschlussgottesdienst auf dem Residenzplatz machten sich die letzten aus der Gruppe erfüllt und müde auf den Heimweg nach Eichstätt. Es waren die anregenden Veranstaltungen, die diesen Katholikentag für uns ausgemacht haben, aber nicht nur – auch die kleinen und großen, verabredeten und überraschenden Momente, wo sich Menschen begegneten.

Sara Rowshan und Adel Simon