Für einen gerechten Frieden: Forschende richten Appell an Leo XIV.

Bei einer Audienz im Vatikan hat Papst Leo XIV. Forschende einer internationalen Tagung in Rom ermutigt, sich für einen gerechten Frieden einzusetzen. Die Teilnehmenden, darunter Philipp Endres von der KU Eichstätt-Ingolstadt, wandten sich mit einem gemeinsamen Friedensappell an ihn.

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Papst Leo XIV. setzt bei der Suche nach Frieden auch auf die Wissenschaft. Am 4. November 2026 empfing er im Vatikanischen Apostolischen Palast eine Delegation von L’Œuvre d’Orient und dem Institut chrétiens d’Orient. Zu ihr gehörte Philipp Endres, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Theologie des Christlichen Ostens der KU Eichstätt-Ingolstadt. Die Audienz ging einer zweitägigen internationalen Tagung über Konflikte und Friedensbildung im Kontext des östlichen Christentums voraus.

Leo XIV. ermutigte die Forschenden, im Austausch zwischen den Disziplinen die Bedingungen für einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ zu untersuchen. Den Dialog zwischen Glauben und Vernunft sowie zwischen Kultur und Geschichte bezeichnete er als „den unverzichtbaren Weg zu Gerechtigkeit und Versöhnung“. Zugleich begrüßte er das Vorhaben, Forschende international zu vernetzen und Frieden zu einem gemeinsamen Gegenstand ihrer Arbeit zu machen. Wer dessen Voraussetzungen im Nahen Osten und in Osteuropa untersuche, diene einem „unbewaffneten und entwaffnenden“ Frieden.

Kultur und Kreativität gegen den Krieg

Wie die Wissenschaft zu einem solchen Frieden beitragen kann, diskutierten die Forschenden anschließend bei der Tagung „Peace at the Crossroads of a Troubled World“. Sie fand am 5. und 6. November am Pontificio Istituto Orientale in Rom statt und wurde vom Institut chrétiens d’Orient mit Unterstützung von L’Œuvre d’Orient veranstaltet. Mit der Tagung wollten die Veranstalter Forschende katholischer Hochschulen über Fächergrenzen hinweg vernetzen. Gemeinsam sollten sie untersuchen, unter welchen Bedingungen Frieden im Nahen Osten und in Osteuropa möglich ist, und daraus konkrete Empfehlungen für die Friedensarbeit entwickeln.

Kardinal Claudio Gugerotti, Präfekt des Dikasteriums für die Ostkirchen, beschrieb Krieg als eine Gegenbewegung zu Kreativität und Kultur. Universitäten müssten deshalb Orte sein, an denen beides bewahrt werde. Darin liege ihr Auftrag, dem Krieg entgegenzutreten und für Frieden einzustehen.

Endres fragte am Beispiel der Hagia Sophia in Istanbul, wie ein friedlicher Umgang mit konkurrierenden Erinnerungen möglich ist. Unterschiedliche Geschichtsdeutungen müssten öffentlich Gehör finden und vorherrschende Darstellungen infrage stellen können. Eine gemeinsame Geschichtsdeutung oder eine Einigung über die heutige Nutzung des Gebäudes sei dafür nicht erforderlich. Christliche Verlusterfahrungen und muslimische Bindungen an den Ort seien gegenseitig anzuerkennen. Besondere Verantwortung trügen die türkischen Institutionen, die über Nutzung, Zugang und Geschichtsdarstellung bestimmen. Forschung und Bildungsarbeit sollten deshalb auch jene Überlieferungen zugänglich machen und historisch einordnen, die in der offiziellen Darstellung des Gebäudes wenig Raum erhalten. „Frieden beginnt dort, wo konkurrierende Erinnerungen einander nicht mehr besiegen müssen, um Anerkennung zu finden“, formulierte Endres.

Mehr als Waffenruhe

„Wir lehnen einen Frieden ohne Gerechtigkeit ab“, erklären die Forschenden in ihrem an Leo XIV. gerichteten Appell. Ein Waffenstillstand allein reiche nicht aus, solange Menschen in Angst lebten und Unrecht fortbestehe. Frieden brauche Sicherheit für die Bevölkerung und Rechtsstaatlichkeit. Für eine Versöhnung müssten Verbrechen anerkannt und Verantwortlichkeiten geklärt werden. Sie dürfe nicht überstürzt werden.

Der Text fordert den Schutz der Zivilbevölkerung und gleiche Bürgerrechte unabhängig von der Religion. Er verteidigt die Gewissensfreiheit, einschließlich des Rechts, die Religion zu wechseln oder keine zu praktizieren. Die religiöse Rechtfertigung von Aggression und politischer Vorherrschaft lehnt er ab. „Kein Anliegen rechtfertigt Angriffe auf Zivilpersonen“, heißt es darin. Die Angehörigen christlicher Minderheiten seien vollberechtigte Bürger ihrer Länder. Ihre Schulen und soziale Einrichtungen trügen bereits zum Zusammenleben bei und könnten beim Wiederaufbau pluralistischer Gesellschaften helfen.

Die Unterzeichnenden verpflichten sich zugleich, am Aufbau eines internationalen Hochschulnetzwerks für Frieden mitzuwirken. Sie wollen gemeinsame Ausbildungsprogramme entwickeln und unter anderem zu konkurrierenden Erinnerungen und Friedensbildung forschen. Ihre Forschungsergebnisse wollen sie an Entscheidungsträger weitergeben und gemeinsam mit der Zivilgesellschaft lokale Friedensinitiativen unterstützen. Den Papst bitten sie, den Aufbau des Netzwerks zu fördern und Friedenserziehung erneut zu einer kirchlichen Priorität zu machen.

Bislang kamen die Beteiligten vor allem von katholischen Hochschulen. In den kommenden Jahren soll zunächst eine ökumenische Tagung mit orthodoxen und protestantischen Teilnehmenden folgen, anschließend eine interreligiöse Tagung.

Im Appell heißt es: „Frieden ist auch das, was wir dort aufbauen müssen, wo wir lehren, wo wir forschen, wo wir leben.“