Kinder und Jugendliche in ihrer Trauer begleiten – ZFG-Broschüre bietet Orientierung

Wenn Kinder trauern, brauchen sie Bezugspersonen, die für sie da sind, sie ernst nehmen und ihnen helfen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Eine neue Broschüre des Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) will hier speziell für Familien von Soldatinnen und Soldaten Orientierung bieten. „Kinder und Jugendliche in ihrer Trauer begleiten“ lautet der Titel der Publikation, die im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit der Katholischen Militärseelsorge entstanden ist.

Das Autorenteam: Alexandra Hoff-Ressel, Peggy Puhl-Regler und Dr. Peter Wendl (von links)
Das Autorenteam: Alexandra Hoff-Ressel, Peggy Puhl-Regler und Dr. Peter Wendl

Die Broschüre richtet sich an Eltern und weitere enge Bezugspersonen, wobei eine der Herausforderungen ist, dass diese Personen ebenso belastet sind vom Tod eines Angehörigen, wie die Kinder und Jugendlichen selbst. „Die Erwachsenen müssen nicht für jede Situation eine Lösung parat haben oder immer stark sein“, erklärt Dr. Peter Wendl, wissenschaftliche Projektleitung und gemeinsam mit Alexandra Hoff-Ressel und Peggy Puhl-Regler Autor der Broschüre. „Es kann den Kindern ebenso helfen zu realisieren, dass auch sie einfach traurig und sprachlos sind.“ Die neue Handreichung soll Eltern zielorientiert entlasten. In einer Zeit, die herausfordernd und bisweilen überfordernd ist, sei es essenziell, Betroffenen einfache, schnelle und direkt für die praktische Umsetzung aufbereitete Informationen zu bieten, betont Wendl.

Entsprechend setzt das ZFG auf kompaktes Wissen zu Trauer in verschiedenen Altersstufen, benennt typische Reaktionen, zeigt Handlungsoptionen auf und gibt Gesprächsimpulse. „Kinder und Jugendliche trauern anders als Erwachsene“, heißt es im Vorwort. „Ihre Trauer ist oft sprunghaft, manchmal leise, manchmal laut – und sie zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick.“ Trauerprozesse seien individuell. Während manche Kinder sich zurückziehen oder zunächst versuchen schnell zum Alltag überzugehen, reagieren andere mit aggressivem Verhalten oder besonderer Anhänglichkeit. Für diese unterschiedlichen Wege soll die Broschüre Verständnis schaffen: „Kinder brauchen Freiräume, in denen sie ausdrücken und ausleben können, was sie fühlen. Wenn sie ihre Emotionen nicht zeigen können oder dürfen, oder darin nicht angemessen unterstützt werden, können Trauerprozesse in eine falsche Richtung verlaufen“, sagt Theologe Peter Wendl. Mögliche Folgen seien emotionale Störungen, Verhaltensprobleme oder eine verzögerte Entwicklung. Entsprechend zentral sei die Unterstützung und Begleitung durch erwachsene Bezugspersonen, um einen gesunden Trauerprozess zu ermöglichen.

Broschüre Kinder in ihrer Trauer begleiten

Entstanden ist die Publikation im Rahmen der langfristigen Kooperation des ZFG mit der Katholischen Militärseelsorge. Deren Ziel ist es, auf wissenschaftlicher Grundlage Materialien zu entwickeln, die Soldatenfamilien in besonderen Lebenslagen stärken – sei es die Abwesenheit eines pendelnden Elternteils, eine lange Trennungszeit wegen eines Auslandseinsatzes oder eben der Tod eines Angehörigen. „Im konkreten Fall ist die Beauftragte für Hinterbliebene der Bundeswehr auf uns zugekommen mit der Idee einer praxisorientierten Handreichung“, erläutert Wendl. Dabei gehe es nicht um den Tod im Einsatz: „Zum Glück ist das aktuell kein wahrscheinliches Szenario. Es geht vielmehr um Todesfälle durch Unfälle oder Krankheit.“ Auch das besonders herausfordernde Thema Suizid greift das ZFG in einer zweiten Version der Broschüre mit einem Zusatzkapitel auf. Wendl und sein Team sind zudem darauf vorbereitet, ihre Broschüre kurzfristig um ein Kapitel zu erweitern, sollten Bezugspersonen im Kontext von Landes- oder Bündnisverteidigung fallen. „Wir hoffen aber inständig, dass wir diese Vorarbeiten niemals benötigen werden.“

Dass ein universitäres Forschungsinstitut Kinderbücher, Broschüren und Begleitmaterialien für den Alltag von Familien herausgibt, ist ein ungewöhnlich und zugleich sehr erfolgreicher Ansatz. „Wir verstehen uns als Brücke zwischen Wissenschaft und Lebenswelt“, sagt Peter Wendl. Mit den Broschüren, die allesamt in der Reihe „ZFG Impulse“ erscheinen, wolle man lebensnahe Hilfe mit wissenschaftlichem Fundament bieten.

 

Für Soldatenfamilien ist die Broschüre kostenfrei an allen Standorten der Katholischen Militärseelsorge erhältlich. Andere Interessierte können sich via Mail direkt an das ZFG wenden.