Mitte April hat sich die „MasterClass:ics“-Projektgruppe erstmals getroffen. Unter der Leitung des Professors für Klassische Philologie Tobias Dänzer arbeiten Studierende aus den Fachbereichen Philologie, Journalismus, Kunst und Design sowie Data Science die kommenden zwei Jahre interdisziplinär zusammen. Ergänzt wird die Projektgruppe durch Studierende der Klassischen Philologie – zukünftige Lateinlehrerinnen und -lehrer, die im Rahmen eines Seminars am Projekt mitarbeiten. „Auf diese Weise wollen wir das Wissen der verschiedenen Fachbereiche bündeln und Wege finden, um antike Literatur modern zu vermitteln“, erklärt Dänzer beim ersten Treffen des Projektteams.
Der Projektname setzt sich aus MasterClass und Classics – englisch für Klassiker – zusammen. Im Zentrum der MasterClass-Idee stehen bedeutende Persönlichkeiten, die in einem Lehrvideo Inhalte ihres jeweiligen Fachbereichs vermitteln. Diese Meisterkurse sind ein Konzept des Selbststudiums, das ursprünglich aus der Musik und Kunst stammt. Das „MasterClass:ics“-Projekt will diese Grundidee weiterentwickeln und in der Schule einsetzen. Zu den Video-Formaten sollen auch Podcasts, Interviews und interaktive Lehrmaterialien kommen. „Denkbar ist auch eine Erweiterung des Konzepts auf andere Fachbereiche“, entwickelt Dänzer seine Ideen weiter. Er ist gespannt, wie sich die Dynamik innerhalb der Projektgruppe entwickelt. Schon in einem früheren Lehrprojekt – damals noch an der Universität Würzburg – hat Dänzer ein ähnliches Format ausprobiert. Damals ist beispielsweise eine interaktive Karten entstanden, die Vergils Aeneas auf seiner Odyssee durch das Mittelmeer begleitet. Lehrkräfte können das Material unter forum-antike-und-gesellschaft.de herunterladen.
Im neuen Projekt, das nun gestartet ist, liegt der Fokus mehr auf einer journalistischen Herangehensweise – zwei Journalistik-Studierende der KU sind Teil des Teams. „Die antiken Texte beschreiben die Welt aus rein männlicher Sicht – oftmals steht ein männlicher Blick auf weibliche Körper im Mittelpunkt“, erklärt Dänzer. So ist zum Beispiel die Geschichte von Apoll und Daphne aus Ovids Metamorphosen zwar ein Meisterwerk der klassischen antiken Literatur, aber auch die Beschreibung eines sexuellen Übergriffs, der heute nicht mehr unkritisch besprochen werden kann. „Wie bleibt die Literatur, die so großen Einfluss auf die moderne Literatur genommen hat, auch heute noch lesbar?“ fragt Dänzer zum Auftakt die Projektgruppe und ergänzt: „Hier braucht es didaktische Führung in der Lektüre, um die Stoffe weiter lesen zu können.“ Dänzer will aktuelle Debatten, etwa „MeToo“, aufgreifen und zu einem Perspektivwechsel anregen. „Wie könnte die Geschichte aus der Sicht der Frauen erzählt werden?“ fragt er weiter. Mit diesen Impulsen startet die Gruppe nun in das Projekt.
Auch die Beiträge, die im Rahmen des neuen Projektes entstehen, sollen gesammelt auf einer Website zum Download für Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden. Von Anfang an will das Projektteam seine Arbeit auf einer Instagram-Seite begleiten, um so möglichst viele Lehrerinnen und Lehrer zu erreichen. Darüber hinaus wird es zwei Studientage, eine Fortbildung und eine Tagung geben, denn das Ziel ist es, dass das Material tatsächlich im Latein-Unterricht eingesetzt wird.
Gefördert wird das Projekt „MasterClass:ics“ von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Diese vergibt im Rahmen des Programms „Freiraum 2026“ insgesamt rund 46 Millionen Euro an Fördergeldern für Projekte, die neue Ideen für die Lehre entwickeln und erproben. „MasterClass:ics“ ist eines von 143 Projekten, die 2026 aus knapp 500 Vollanträgen zur Förderung ausgewählt wurden, und wird für zwei Jahre mit rund 240.000 Euro gefördert. Die Projekte sind am 1. April 2026 gestartet.