Friederike Reents sprach in ihrem Vortrag über Literatur als Seismograf für (assistierten) Selbstmord und thematisierte Suizid-Diskurse in der Literaturgeschichte und vor allem in der Gegenwartsliteratur, die an aktuelle politische Debatten zu diesem Thema anschlussfähig sind. Christina Rossi widmete sich dem Thema der Neurorechte – also neuer Grundrechte im Kontext und Angesicht neurotechnologischer Entwicklungen. Sie ging der Frage nach der literarischen Position deutschsprachiger SchriftstellerInnen in dieser international politisch geführten und literarisch vorbereiteten Diskussion im Spannungsfeld von mentaler Freiheit und Selbstbestimmung sowie von technologischem Fortschritt nach.
Die Reaktion des Rechts auf gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen erfolgt meist verzögert, während die Literatur als Beobachterin der Gesellschaft und ihrer Konflikte früh sichtbar machen kann und mögliche Szenarien und Perspektiven beleuchten kann. Diese Mechanismen und die grundsätzlichen Funktionen und Potentiale von Literatur in diesem Kontext, auch anhand der Begrifflichkeit des Seismografischen, standen im Fokus aller Vorträge und Diskussionen. Im Rahmen des Workshops waren insofern auch weitere aktuelle Debatten präsent – vom Klimawandel über die NSU-Prozesse bis zur KI und deutschen erinnerungspolitischen Fragen.