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Griechische Kirchenmusik aus Korsika: Konzertvortrag mit dem Chor des Collegium Orientale

Vor 350 Jahren brachten griechische Auswanderer ihre kirchlichen Gesänge nach Korsika. Dort wurden sie über Generationen weitergegeben und entwickelten im Austausch mit westlichen Musiktraditionen einen eigenen Klang. Am 19. November ist dieses musikalische Erbe im Holzersaal der Eichstätter Sommerresidenz zu erleben: Der Chor des Collegium Orientale singt ausgewählte Gesänge aus Cargèse. Prof. Dr. Thomas Kremer erzählt ihre Geschichte und erläutert die Besonderheiten dieser ungewöhnlichen Gesangstradition.

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Als 1676 eine Gruppe griechischer Auswanderer aus der Mani auf der Peloponnes Korsika erreichte, stand die Insel unter genuesischer Herrschaft. Die Neuankömmlinge ließen sich zunächst in Paomia nieder, bevor sie später in Cargèse eine neue Heimat fanden. Mitgebracht hatten sie ihre griechisch-byzantinische Gottesdienst- und Gesangstradition. An ihre Ankunft vor 350 Jahren erinnert in diesem Jahr ein Jubiläum.

Über Generationen wurden die Gesänge ausschließlich mündlich weitergegeben: Man lernte die Melodien durch Zuhören und Mitsingen. Dabei blieb die Musik keineswegs unverändert. Priester aus Süditalien brachten Gesänge aus den dortigen byzantinischen Gemeinden mit, während westliche Kirchenmusik zunehmend den Chorklang prägte. Ursprünglich einstimmige Melodien wurden zunehmend mehrstimmig gesungen und nach westlichem Vorbild harmonisiert. So entwickelte sich eine eigene Gesangstradition, deren Melodien mal streng und getragen, mal überraschend rhythmisch und lebhaft klingen.

Dass diese Gesänge heute in Eichstätt zu hören sind, ist einem Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Theologie des Christlichen Ostens zu verdanken. Unter der Leitung von Thomas Kremer werden historische Tonaufnahmen zusammengetragen und digitalisiert, die Melodien untersucht und erstmals systematisch in Notenschrift festgehalten. Dabei kommen auf alten Tonbändern und Musikkassetten auch Gesänge wieder zum Vorschein, die seit Jahrzehnten nicht mehr im Gottesdienst erklungen und inzwischen nahezu vergessen waren. Die aus den Aufnahmen erarbeiteten Partituren ermöglichen es dem Chor des Collegium Orientale, diese bislang nur mündlich überlieferten Melodien einzustudieren und wieder zu Gehör zu bringen.

Der Konzertvortrag findet im Rahmen der internationalen Tagung The Liturgical Tradition of the Eastern Catholics: A Concealed Talent? statt. Der Lehrstuhl für Theologie des Christlichen Ostens an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt lädt alle Interessierten ein, die besonderen Klänge von Cargèse zu entdecken und mehr über ihre Geschichte zu erfahren.

Donnerstag, 19. November 2026, 20 Uhr
Holzersaal der Sommerresidenz, Eichstätt

Text: Philipp Endres