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Internationale Tagung „Jüdisch-christlicher Dialog: Ein- und Ausblicke“

Internationale Tagung „Jüdisch-christlicher Dialog: Ein- und Ausblicke“


Vom 9. Bis zum 12. Februar 2026 fand in Eichstätt die erste Tagung des „Forschungsclusters jü-disch-christlicher Dialog (FJCD)“ statt. Sie beschäftigte sich mit den Gemeinsamkeiten und gegen-seitigen Herausforderungen von Judentum und Christentum. Die Tagungsorganisation lag bei Prof. Dr. Christoph Böttigheimer, Inhaber des Lehrstuhls für Fundamentaltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Das ‚Forschungscluster jüdisch-christlicher Dialog (FJCD)‘ geht auf die Initiative von Prof. Dr. René W. Dausner (Hildesheim), Prof. Dr. Markus Tiwald (Wien), Prof. Dr. Christian Rutishauser (Luzern) und Prof. Dr. Christoph Böttigheimer (Eichstätt) zurück und umfasst mittlerweile über 30 Wissenschaftle-rinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Israel. Ziel ist die internationa-le, interreligiöse und interkonfessionelle Vernetzung unterschiedlicher Forschungsarbeiten am jü-disch-christlichen Dialog.
Nach Ende der nationalsozialistischen Terror-herrschaft und der Schoa kam es auf katholi-scher wie evangelischer Seite zu einer radika-len Umkehr und zu einer neuen theologischen Verhältnisbestimmung zum Judentum und zu ernsthaften Dialogbemühungen. Diese gilt es in Form von Grundlagenforschung zu konsoli-dieren und die noch offenen Fragen weiter voranzutreiben. Zu ihnen gehören u. a. die grundlegende Frage nach der Eigenständigkeit des Christentums aufgrund seiner engen Ver-flechtung mit dem Judentum, d. h. die Thema-tik, die mit dem nicht unumstritten Ausdruck „Trennung der Wege“ bezeichnet wird. Damit zusammenhängend stellt sich als nächstes die Frage nach den christologischen Distinktions-merkmalen: Was hat das Christentum aus dem Bereich der Möglichkeiten, jüdisch zu sein, ausgeschlossen? Als dritter Fragekomplex kris-tallisiert sich im jüdisch-christlichen Dialog die jüdisch-christliche Verhältnisbestimmung her-aus: Wenn Juden und Christen gemeinsam im Bund mit Gott stehen, wie sind dann Alter und Neuer Bund einander zuzuordnen?
Solche Fragen werden im jüdisch-christlichen Dialog gegenwärtig kontrovers diskutiert und sie be-treffen Kerngehalte des christlichen wie jüdischen Glaubens sowie Selbstverständnisses. Als solches haben sie direkten Einfluss auf die gesamte christliche Theologie, für die das Judentum ein unver-zichtbarer, gleichwohl eigenständiger locus theologicus ist. Eine umfassende und überzeugende christliche Theologie des Judentums ist eine unabgeschlossene Aufgabe, der sich die erste Konferenz des ‚Forschungsclusters jüdisch-christlicher Dialog (FJCD)‘ stellte.
Indem sich die Eichstätter Fachkonferenz sowohl mit der wissenschaftlichen Standortbestimmung im jüdisch-christlichen Dialog beschäftigte als auch mit den genannten Forschungsfragen, leistete sie nicht nur einen wertvollen Beitrag für alle theologischen Disziplinen, sondern auch für eine freiheit-lich-demokratische Gesellschaft, in der der Antisemitismus in erschreckendem Maße erstarkt und gar die Mitte der Gesellschaft erfasst. Ein wichtiges Mittel gegen den grassierenden und zunehmenden Antisemitismus ist: Bildung. Sie hilft, Ressentiments, Missverständnisse und Vorurteile abzubauen und zu überwinden. Die wissenschaftliche Theologie weiß sich hier in die Pflicht genommen.
Um den jüdisch-christlichen Dialog vertiefen und die offenen Fragen weiter bearbeiten zu können, werden jährliche Tagungen des ‚Forschungsclusters jüdisch-christlicher Dialog (FJCD)‘ folgen: an den Universitäten Wien (2027), Luzern (2028) und Hildesheim (2029). Die nächste Fachkonferenz ist der Thematik: „Der Mensch vor dem Gott der Bibel: soteriologische, theologische und anthropologische Konzeptionen“ gewidmet.
Christoph Böttigheimer