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Forschungskooperation Jesaja und Zwölfpropheten

Tagungsbeiträge der Konferenz "Voices of Israel: Isaiah and Micah" in der ZAW veröffentlicht

Die vier Hauptvorträge der Konferenz (siehe Bericht unten) wurden in der renommierten "Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft" (ZAW) veröffentlicht.

In Heft 4 der ZAW Bd. 129 (2017) sind erschienen: 

Burkard M. Zapff: Why is Micah Similar to Isaiah? 
(PDF-Download ZAW 129)

Richard Bautch: In vino veritas? Critiquing Drunkenness and Deceit in Micah and Isaiah 
(PDF-Download ZAW 129)

In Heft 1 der ZAW Bd. 130 (2018) sind erschienen:

Todd Hibbard: To Err is Human, Unless You're a Prophet: Isaiah and Micah on Prophetic Opposition
(PDF-Download ZAW 130)

Joachim Eck: Divine Strategies against Abuse of Power in the Opening of the Book of Isaiah and the Exodus Story. Some Aspects where Micah is not Similar to Isaiah 
(PDF-Download ZAW 130)

 

Forschungskooperation Jesaja und Zwölfpropheten in Austin, Texas/USA eröffnet: Alttestamentler der KU-Eichstätt-Ingolstadt und der St. Edward's University forschen gemeinsam

Vom 16. bis 23. November 2016 hielten sich Prof. Dr. Burkard M. Zapff und Dr. Joachim Eck vom Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaft zu einer Forschungsreise in Texas/USA auf. Deren Höhepunkt war der offizielle Start der "Forschungskooperation Jesaja und Zwölfpropheten". Dieses partnerschaftliche Forschungsprojekt wird von den Alttestamentlern der KU Eichstätt-Ingolstadt und der St. Edward's University mit Sitz in der texanischen Hauptstadt Austin getragen.

Prof. Dr. Richard J. Bautch, der an der St. Edward's University Alttestamentliche Wissenschaft lehrt und Prodekan der School of Humanities ist, steht seit 2015 in regem kollegialen Kontakt mit Dr. Joachim Eck. Die seit 2012 bestehende universitäre Partnerschaft zwischen der KU und St. Edward's sowie die gemeinsame Expertise auf dem Gebiet der Prophetenforschung animierte beide dazu, eine langfristig angelegte Zusammenarbeit zwischen ihren Fachgebieten in Angriff zu nehmen.

Richard Bautch lud zu diesem Zweck Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. B. M. Zapff und Akad. Rat Dr. J. Eck am 18. November 2016 nach Austin zu einer Tagung über "Voices of Israel: Isaiah and Micah" ein und brachte so die beiden Deutschen auf ihrem Spezialgebiet mit einem Kreis englischsprachiger Kollegen aus den USA und Südafrika ins Gespräch. Seitens der Eichstätter wurde der Projektstart finanziell durch Mittel unterstützt, die J. Eck hierfür von der Bayerischen Forschungsallianz (BayIntAn) einwarb.

Das Tagungsprogramm sah vier Hauptvorträge, vier Koreferate sowie reichlich Zeit für vertiefende Diskussion vor. Es wurde von R. Bautch mit einem Beitrag zum Thema „In vino veritas? Die Schelte von Trunkenheit und Täuschung bei Micha und Jesaja“ (Orig. In vino veritas? Decrying Drunkenness and Deceit in Micah and Isaiah) eröffnet. Bautch verdeutlichte die ‑ durch poetische Mittel besonders hervorgehobene – enge innere Verknüpfung zwischen dem trügerischen Weinrausch, dem sich laut Micha und Jesaja gewisse vergnügungssüchtige Kreise der judäischen Oberschicht allzu gerne hingaben, und deren betrügerischen und unehrlichen Methoden der Regierungsführung. J. Ecks Vortrag über „Strategien Gottes gegen Machtmissbrauch in der Eröffnung des Jesaja-Buches, der Exoduserzählung und bei Micha“ (Orig. Divine Strategies against Abuse of Power in the Opening of the Book of Isaiah, the Exodus Story and Micah) arbeitete Parallelen zwischen Jesaja und der Exodus-Erzählung heraus, die in das Fazit münden, dass die Oberschicht des Königreiches Juda zur Zeit Jesajas die sozial Schwachen in gleicher Weise unterdrückt wie der ägyptische Pharao die Israeliten zur Zeit des Exodus. Beide Male reagiert Gott, indem er einen Propheten beruft (Mose/Jesaja), der Freiheit und Gerechtigkeit fordert. Die Unterdrücker verfallen daraufhin Gottes Plan gemäß in trotzige Verstockung, die sie in den eigenen Untergang führt. Da Michas Botschaft Jesaja sehr nahe steht, ist das Fehlen eines vergleichbaren erzählerischen Duktus bei ihm ein bemerkenswerter Unterschied. Am Nachmittag stellte B. M. Zapff ausführliche Überlegungen zur Frage „Warum ähnelt Micha Jesaja?“ (Orig. Why is Micah Similar to Isaiah?) vor. An Hand zahlreicher Beobachtungen zu Form und Inhalt v.a. der ersten vier Kapitel des Buches Micha verdeutlichte er, dass dieses in weiten Teilen aus Beständen des Jesaja-Buches schöpft und eine Art Kompendium jesajanischer Theologie in der Mitte des Zwölfpropheten-Buches darstellt.Der abschließende Beitrag von J. Todd Hibbard (University of Detroit Mercy) widmete sich dem Thema „Irren ist menschlich, außer man ist Prophet: Jesajas und Michas Äußerungen zur Kritik anderer Propheten“ (To Err is Human, Unless You’re a Prophet: Isaiah and Micah on Critiquing Other Prophets). Er befasste sich mit Jesajas und Michas Kritik an bestimmten "Kollegen". Anders als Dtn 18,21 f. vermuten lässt, geht es bei Jesaja aber nicht primär um Kritik an Propheten, deren Weissagungen nicht eintreffen, sondern v.a. an solchen, die sich am exzessiven Lebensstil und den trügerischen Machenschaften der judäischen Oberschicht beteiligen. Michas Kritik zielt insbesondere gegen Gefälligkeitsprophetie, deren Inhalt von der Höhe des Honorars abhängt. Die Koreferenten Ndikho Mtshiselwa (University of South Africa), Christopher B. Hays (Fuller Theological Seminary, Pasadena/Kalifornien), James Nogalski (Baylor University, Waco/Texas) und Michael Floyd (Austin, Texas) trugen weiterführende Überlegungen und kritische Nachfragen zum jeweiligen Thema vor und regten so die Diskussion an.    

Einen besonderen Akzent erhielt die Tagung dank der namhaften Künstlerin Jenn Hassin, die ihr Studium an der St. Edward's University absolvierte. Im Rahmen eines im Vorfeld abgehaltenen Workshops mit Studierenden realisierte sie ein aus Papierröllchen gefertigtes rundes Relief, dessen verschiedene Farbschichten dem Betrachter den Eindruck einer ebenso schwungvollen wie harmonischen Vorwärtsbewegung zu einem Zentrum hin vermitteln. Dieser Eindruck korreliert mit der entstehungsgeschichtlichen Dimension der das Thema bildenden Prophetenbücher. So ist etwa das Jesajabuch über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden, nichtsdestotrotz ist die dynamische Interaktion der verschiedenen Bearbeitungsschichten auf eine theologische Mitte hin zentriert.   

Nach der Tagung in Austin hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, den im nahegelegenen San Antonio stattfindenden großen Jahreskongress der Society of Biblical Literature zu besuchen. Da hier auch zahlreiche Fachverlage vertreten waren, konnten erste Schritte für die Veröffentlichung der Tagungsbeiträge in einer etablierten Fachzeitschrift in die Wege geleitet werden. Fortgeführt wird die Forschungskooperation "Jesaja und Zwölfpropheten" mit einer für das Sommersemester 2018 geplanten Gegeneinladung nach Eichstätt. Im Rahmen einer ca. dreitägigen Konferenz wird ein erweiterter Kreis von Experten der Prophetie sich einem breiter angelegten Forschungsthema widmen, das die Beziehungen zwischen allen Textschichten des Jesajabuchs einerseits und dem gesamten Buch der zwölf sog. Kleinen Propheten andererseits beleuchtet. Ziel des Unternehmens ist es, erstmals einen Gesamtüberblick über die komplexen Beziehungen zwischen Jesaja und dem Zwölfprophetenbuch und damit zusammenhängende theologische und historische Fragen zu erarbeiten. Die Ergebnisse sollen im Anschluss publiziert werden. Zur Finanzierung des Vorhabens werden Anträge bei geeigneten Drittmittelgebern vorbereitet.