Zu Gast an der KU: Lucas Löff Machado im Gespräch über seinen Forschungsaufenthalt in Eichstätt

Während seiner Promotion verbrachte Lucas Löff Machado im Rahmen eines DAAD-Stipendiums seine Promotionszeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bei Prof. Dr. Sebastian Kürschner. Inzwischen ist er als Professor an der Universidade Federal de Pelotas in Brasilien tätig und kehrte für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt nach Eichstätt zurück. Im Interview berichtet er über die Gründe für seine Rückkehr, gemeinsame Forschungsinteressen und persönliche Erinnerungen an Eichstätt.

Du warst bereits während Deiner Promotion mit einem DAAD-Stipendium in Eichstätt. Was hat Dich dazu bewegt, nun für einen weiteren dreimonatigen Aufenthalt an die KU zurückzukehren?

Derzeit befinde ich mich im Forschungsjahr, und das war das perfekte Timing für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt im Ausland. Die KU und Eichstätt kamen mir sofort in den Sinn. Seit meiner Promotionszeit in Eichstätt und der darauffolgenden Tätigkeit in Pelotas haben wir weiterhin kooperativ an Projekten zu deutschen Sprachvarietäten gearbeitet. Bei der Vorbereitung des DAAD-Antrags habe ich mich mit Sebastian Kürschner ausgetauscht, und wir haben festgestellt, dass aktuell unterschiedliche gemeinsame Interessen in diesem Forschungsgebiet beide Universitäten bewegen – insbesondere die Aufbereitung deutschsprachiger Daten aus Südbrasilien.

Ich möchte auch nicht verschweigen, dass Eichstätt für uns zu einer Heimat geworden ist, in der wir viele schöne Erlebnisse und Freundinnen und Freunde haben. Als Familie konnten wir diesmal unserem kleinen „Bua“ Orte, Gerichte und Menschen vorstellen, die wir so gerne mögen – etwa die Altmühl und den Panoramaweg, Brezen und Beeren, Züge und „Flugis“.

 

Was hat Dich bei Deinem jetzigen Aufenthalt besonders beeindruckt oder überrascht – an der KU, in Eichstätt oder im Austausch mit den Studierenden und Kolleginnen und Kollegen?

Während dieses dreimonatigen Aufenthalts haben mich vor allem zwei Aspekte besonders beeindruckt. Zum einen, wie sich meine ehemaligen Kolleginnen, Kollegen und Freundinnen und Freunde beruflich und sprachlich entwickelt haben – sowohl im akademischen Bereich als auch unter jenen, die aus dem Ausland kommend in Eichstätt ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Manche wohnen nicht mehr dort, aber einige schon. Das bestätigt, wie förderlich Eichstätt als Ort fürs Leben und für persönliche Entwicklung sein kann, wie es im Rahmen des Dies Academicus der KU betont wurde.

Zum anderen stellen die Möglichkeiten für Familienfreizeit ein echtes Highlight dar. Es ist keine Überraschung, dass es tolle und sichere Spielplätze gibt, aber gerade in Eichstätt sind die Spielplätze im Hofgarten und an der Altmühl wirklich schön renoviert worden. Dort haben wir eine wunderbare Zeit verbracht.

 

Welche Erfahrungen und Impulse aus Deinem Aufenthalt möchtest Du mit nach Pelotas nehmen?

Es sind viele Impulse entstanden. Besonders hervorheben möchte ich jedoch die kooperative Arbeit zwischen Forscherinnen und Forschern unterschiedlicher Universitäten und Fachbereiche. Das zeigte sich zum Beispiel an der KU im fachübergreifenden Forschungskolloquium (Anglistik, Germanistik, Romanistik), im Seminar zum Deutschen in Nordamerika von David Hünlich mit Teilnahme von Mark Louden (Wisconsin–Madison), in der Konzipierung und Vorstellung eines Seminares, in dem Kerstin Dierolf methodische Kompetenzen für die Sprachforschung thematisiert.

Darüber hinaus konnte ich Kontakt zu Archiven des Ibero-Amerikanischen Instituts und des Evangelischen Zentralarchivs, beide in Berlin, sowie zu weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Institut für Deutsche Sprache (Mannheim) und Kolleginnen und Kollegen wie Mechthild Habermann (Erlangen),  Angélica Prediger (Heidelberg) und Joachim Steffen (Augsburg) knüpfen bzw. pflegen. Aus diesen Besuchen nehme ich neue Anregungen und Impulse für unsere Forschungsarbeit und Lehre in Pelotas mit.

 

Die KU und die Universidade Federal de Pelotas verbindet inzwischen ein persönlicher und akademischer Austausch. Was wünschst Du Dir für die weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen?

Ich wünsche mir, dass wir den regen Austausch fortsetzen können. Dozentinnen, Dozenten und Studierende beider Seiten waren in den letzten Jahren sowohl in Pelotas als auch in Eichstätt. Wir hoffen, dass weitere Begegnungen stattfinden. Außerdem könnten beide Hochschulen weiterhin Online-Möglichkeiten nutzen, etwa durch Vorträge aus unterschiedlichen Fachgebieten oder Sprachtandems. Die bisherigen Erfahrungen liefern meines Erachtens ein gelungenes Beispiel dafür, dass Wissenschaft von Kooperation und Anschlussmöglichkeiten lebt.

 

Wir freuen uns sehr, dass Lucas Löff Machado für drei Monate nach Eichstätt zurückgekehrt ist, und hoffen, dass noch viele weitere Begegnungen und gemeinsame Projekte zwischen der KU und der Universidade Federal de Pelotas folgen werden.

Mitarbeitende