Wie Vertrauen in Teams auf Zeit entsteht: Forschungspreis für WFI-Wissenschaftlerin Linda M. Rave

Wie entsteht Vertrauen in Teams, die nur für kurze Zeit zusammenarbeiten? Dieser Frage ist Dr. Linda M. Rave vom Lehrstuhl für Human Resources, Management und Organisation der WFI in ihrer Doktorarbeit nachgegangen. Beim Dies academicus der Universität der Bundeswehr München am 23. Oktober 2026 erhielt sie dafür einen der beiden Forschungspreise des Freundeskreises der Universität der Bundeswehr München e. V.

Projektteams, Taskforces, Gründerteams: Immer häufiger arbeiten Menschen zusammen, die sich kaum kennen und trotzdem schnell gemeinsam Ergebnisse liefern müssen. Für langsam wachsendes Vertrauen bleibt dabei kaum Zeit. Die Forschung spricht deshalb von „Swift Trust“: einem Vertrauensvorschuss, den sich Teammitglieder gewähren, bevor sie einander wirklich kennen.

Wie sich dieses schnelle Vertrauen im Zeitverlauf entwickelt und was es stärkt oder schwächt, hat Rave untersucht. Dafür begleitete sie drei Monate lang die Teams eines Start-up-Accelerators an einer deutschen Universität, die sowohl vor Ort als auch online zusammenarbeiteten. Grundlage ihrer Analyse sind 46 Interviews, rund 125 Stunden Beobachtung und 484 Online-Dokumente wie Chatverläufe.

Vom Vorschuss zum belastbaren Vertrauen

Die Ergebnisse zeigen fünf Phasen: Vertrauen entsteht, wird gefördert, gefestigt und beschleunigt und am Ende entweder bestärkt oder gebrochen. Entscheidend ist, was die Beteiligten konkret tun. Teams mit besonders ausgeprägten vertrauensfördernden Praktiken erreichten einen Kipppunkt: Ein Gemeinschaftsgefühl ließ den anfänglichen Vertrauensvorschuss allmählich in tiefes, belastbares Vertrauen übergehen. Digitale Kanäle erwiesen sich dabei als zweischneidig: Sie können Vertrauen stärken, es aber ebenso beschädigen.

Für die Praxis zeigt die Arbeit, wie sich Vertrauen in zeitlich befristeten und hybriden Teams gezielt aufbauen lässt.

Von der Bundeswehr-Universität an die WFI

Entstanden ist die Arbeit an der Universität der Bundeswehr München, betreut von Prof. Dr. Stephan Kaiser (Lehrstuhl für Personalmanagement und Organisation). Unterstützt wurde Rave durch ein Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung. Die Dissertation ist 2026 unter dem Titel „Analyzing Swift Trust Dynamics in Temporary Organizations. An Ethnographic Study of a Startup Accelerator“ in der Reihe „Zukunftsfähige Unternehmensführung in Forschung und Praxis“ bei Springer Gabler erschienen.

Mit der Hans-Böckler-Stiftung ist Rave auch heute verbunden: An der WFI ist sie stellvertretende Projektleiterin im Projekt „Workplace Analytics“ am Lehrstuhl für Human Resources, Management und Organisation von Prof. Dr. Verena Bader. Das Projekt gehört zum Forschungsverbund „Digitale Transformation“ der Stiftung.