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„‚Schriftsprache, Geschichtsschreibung und Anfänge einer eigenen Theologie‘ – Identitätsstiftung in der Armenischen Kirche im Goldenen Zeitalter des 5. Jahrhunderts.“ So lautete der volle Titel des Vortrags, den Prof. Dr. Thomas Kremer am 9. März 2026 in Kairo gehalten hat. Dabei reflektierte er den bemerkenswerten Umstand, dass mit der Schaffung einer eigenen Schrift sowie zahlreichen Übersetzungswerken und den ersten eigenen Schriften in armenischer Sprache innerhalb sehr kurzer Zeit eine eigene kirchliche Identität Armeniens gestiftet wurde, die so erstaunlich ist, dass der renommierte Armenologe Boghos Levon Zekeyan diesbezüglich von „Vorbildern einer kulturellen Inkarnation“ spricht. Für die vornehmlich koptisch-orthodoxe Hörerschaft bot der Vortrag einen willkommenen Einblick in die Geschichte ihrer Schwesterkirche, der durch zahlreiche Parallelen zur Kirchengeschichte Ägyptens bereichert wurde.
Der Vortrag fand Orthodoxen Zentrum für Patristische Studien in Kairo statt. Dieses wurde 1980 als wissenschaftliche Institution innerhalb der Koptisch-orthodoxen Kirche ins Leben gerufen und hat sich zum Ziel gesetzt, im Hinblick auf das überwältigende patristische Erbe Alexandriens, Texte der Alten Kirche aus den Originalsprachen getreu ins Arabische zu übersetzen und so in der arabischen Welt zugänglich zu machen. Darüber hinaus dient es der Erforschung dieses Schatzes und richtet vielfältige Veranstaltungen aus wie etwa regelmäßige Vorträge. Das Zentrum verfügt über eine eigene wissenschaftliche Bibliothek.
Der Vortrag von Prof. Kremer wurde vollständig zweisprachig in deutscher Sprache und arabischer Übersetzung gehalten. So konnten sowohl die anwesenden Studierenden und Forschenden des Zentrums als auch die deutschsprachigen Gäste problemlos folgen. Zusammen mit einer Studierendengruppe der Evangelischen Hochschule Nürnberg unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Lanckau trug der Vortragsabend dem ökumenischen Anliegen des Zentrums in umfassender Weise Rechnung.
Der einladende Prof. Dr. Michael Ghattas vom Orthodoxen Zentrum für Patristische Studien ist zugleich Mitglied der Eichstätter Forschungsstelle Christlicher Orient. Die Forschungsstelle bemüht sich derzeit intensiv um eine Fortsetzung eines Projektes, in dessen erstem Schritt ein umfangreiches Schriftkorpus arabo-koptischer Handschriften digitalisiert wurden, deren Veröffentlichung und wissenschaftliche Analyse aussteht.
Zum Weiterlesen:
Website des Orthodoxen Zentrums für Patristische Studien http://patristiccentre.net