Preis der Maximiliana-Kocher-Stiftung

Dr. Christiane Hoh de Olano

Der Preis der Maximiliana Kocher-Stiftung geht an Dr. Christiane Hoth de Olano. In ihrer Dissertation untersucht sie den Umgang mit Krankheit, Epidemien, Leid und Tod in der Region Frontera im Süden Chiles um 1900 – einem Gebiet mit damals stark begrenzter medizinischer Versorgung. Mit diesem Fokus rückt die Arbeit eindrucksvoll eine bislang wenig beachtete Region in den Mittelpunkt und erweitert die vornehmlich auf urbane Zentren ausgerichtete Medizingeschichtsschreibung. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Thomas Fischer (Geschichte Lateinamerikas).
Die Dissertation verbindet auf innovative Weise Ansätze der Sozial-, Wissens-, Kultur- und Medizingeschichte. Ihre empirische Grundlage bildet ein außergewöhnlich breites Korpus teils erstmals erschlossener Quellen aus 34 Archiven in sieben Ländern, darunter Reiseberichte, Tagebücher, medizinische Rezeptbücher, Korrespondenzen, wissenschaftliche Manuskripte, sowie Fotografien und Karten.
Die Arbeit zeigt, dass die Grenzregion Südchiles zwar 1883 politisch in den chilenischen Staat eingegliedert wurde, gesellschaftlich jedoch noch über Jahrzehnte hinweg tiefgreifenden Veränderungen unterlag. Um diesen fortdauernden Wandel analytisch zu fassen, nutzt die Dissertation das Konzept der frontier: Die Region wird nicht als abgeschlossene Grenze verstanden, sondern als historisch-sozialer Raum der Aushandlung, Verknüpfung und Verbreitung von medizinischen Wissensordnungen und -praktiken.
Im Zentrum stehen die medizinischen Wissenskulturen eines breiten Akteurkreises, darunter indigene Gemeinschaften, Siedler, Missionare und Wissenschaftler. Untersucht werden der Zugang zu Wissen, seine Nutzung und Aneignung sowie die parallele Existenz mehrerer Wissensordnungen, die durch soziale Hierarchien sowie geschlechtsspezifische, ethnische und religiöse Faktoren geprägt waren. Anhand von Beispielen wie traditionellen Heilmethoden, Impfkampagnen, Geburtshilfe sowie Kranken- und Altenpflege wird sichtbar, wie medizinisches Wissen ausgehandelt, marginalisiert oder neu kontextualisiert wurde.
Mit ihrer Dissertation setzt Christiane Hoth de Olano Maßstäbe in der Erforschung der chilenischen Geschichte und liefert wegweisende Impulse für die globale Wissens- und Medizingeschichte. Die Preisträgerin studierte Geschichte und Germanistik an der KU und der Universidad de Salamanca. Sie war bis 2023 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Eichstätt und bis 2024 assoziierte Forscherin im DFG-geförderten Graduiertenkolleg „Practicing Place“. Seit Januar 2025 ist sie Early Postdoc am Historischen Institut der Universität Bern und mit dem Aufbau eines Zentrums für Ibero-Amerikanische Studien am Walter Benjamin Kolleg betraut.

Der Stifter: Die Maximiliana Kocher M.A. Stiftung

Prof. Dr. Sabine Ullmann, Vorsitzende der Maximiliana Kocher M.A. Stiftung
Prof. Dr. Sabine Ullmann, Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Maximiliana Kocher M.A. Stiftung

Die Maximiliana Kocher M.A. Stiftung erinnert an die Doktorandin Maximiliana Kocher M.A., die wenige Monate vor Abschluß ihrer Promotionsschrift im Oktober 2000 in jungen Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall unverschuldet ums Leben gekommen ist. Es war die Idee und der Wunsch von Maximiliana Kocher selbst, im Falle ihres kinderlosen Todes eine Stiftung zur Förderung der Geschichtswissenschaften und junger Historikerinnen und Historiker ins Leben zu rufen. Diesem Wunsch folgend hat die Mutter die Maximiliana Kocher M.A. Stiftung errichtet. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung im Bereich der Geschichtswissenschaften, insbesondere der bayerischen Landesgeschichte. Die Stiftung fördert junge Historikerinnen und Historiker sowie Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und verleiht den Maximiliana-Kocher-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten.