Für ihre Dissertation „Wunderbare Gifte: Die Pestizidindustrie in Brasilien in den 1970er Jahren, die staatlichen Politiken und das transnationale Unternehmen Bayer“ (original auf Portugiesisch) erhält Dr. des. Mariah Freitas Monteiro den Preis der Professor Sutor-Stiftung. Die Arbeit, die von Prof. Dr. Thomas Fischer betreut wurde, diskutiert die Geschichte gegenwartsbezogener Probleme: Daten der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) weisen Brasilien im 21. Jahrhundert als eines der Länder mit dem weltweit höchsten Pestizidverbrauch aus. Angesichts der Rolle Brasiliens als starker Agrarexporteur und als Handelsschauplatz vieler transnationaler Unternehmen ist dies eine Angelegenheit von globaler Tragweite.
Als historische Analyse identifiziert die Arbeit eine entscheidende Zäsur im Kontext der Militärdiktatur in den 1970er Jahren, die durch einen deutlichen Anstieg von Verbrauch, Import und Produktion gekennzeichnet ist. Dies hing mit einer staatlichen Agrarmodernisierung zusammen, geprägt durch die „Grüne Revolution“ – eine US-Initiative zur kapitalistischen Integration des Südens unter dem Vorwand der Hungerbekämpfung. Die Untersuchung arbeitet die zentrale Kooperation von Staat und Unternehmen heraus, wobei die marktführende Bayer AG als Fallstudie dient.
Mithilfe von Dokumenten aus 14 deutschen und brasilianischen Archiven zeichnet Mariah Freitas Monteiro in ihrer Studie nach, wie Konzerne von Agrar- und Entwicklungsförderung profitierten, während die Pestizidregulierungen vernachlässigt wurde. Staatliche und unternehmerische Räte fungierten dabei als Arenen wechselseitiger Einflussnahme. Die Arbeit untersucht die Etablierung eines strukturell von Chemikalien abhängigen Agrarmodells als komplexen Prozess, problematisiert dessen sozioökologische Folgen und verweist auf die Wurzeln eines globalen Problems, das sich heute in ethischen Debatten über Lobbyismus und den Export in der EU verbotener Pestizide in den Globalen Süden manifestiert.
Mariah Freitas Monteiro studierte Geschichte an der Universidade Federal de Goiás in Brasilien. Nach einem Bacheloraufenthalt an der KU im Jahr 2013 kehrte sie 2019 zur Promotion dorthin zurück. Seit 2024 arbeitet sie an der KU als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ihre im November 2025 verteidigte und mit summa cum laude bewertete Dissertation wird derzeit für die Publikation überarbeitet.