Die Entwicklung mathematischer Fähigkeiten wird sowohl durch domänen-spezifische kognitive Variablen, wie nicht-symbolische und symbolische numerische Fähigkeiten, als auch durch domänen-übergreifende kognitive Variablen, wie das Arbeitsgedächtnis, beeinflusst. Deren spezifische Beiträge zu mathematischen Fähigkeiten wurden bisher jedoch kaum gemeinsam vor und nach Schuleintritt untersucht. Ziel ist es daher, diese spezifischen Beiträge zu mathematischen Fähigkeiten und deren potenzielle entwicklungsbedingte Veränderungen aufgrund von Beschulung von der Vorschule bis zur vierten Klasse der Grundschule zu untersuchen. Im Rahmen der Ergebnisse der dazu durchgeführten Studien sind die Bedeutung von Zahlenstrahlschätzungen und Arbeitsgedächtnis für mathematische Fähigkeiten in der Vor- und Grundschule besonders zu betonen. Beide zeigten sich sowohl in der Vorschule als auch in allen vier Jahrgangsstufen der Grundschule als signifikante Prädiktoren für mathematische Fähigkeiten. Darüber hinaus legen die Ergebnisse nahe, dass die Bedeutung von Zahlenstrahlschätzungen für mathematische Fähigkeiten mit fortschreitender Beschulung zunimmt. Zahlenstrahlschätzungen sind daher womöglich besonders sensitiv gegenüber formaler Beschulung und könnten somit einen möglichen Ansatzpunkt für Diagnostik und Intervention bei schwachen mathematischen Fähigkeiten darstellen.