Das Modell der Frame-Selektion (MFS) erklärt Handlungen als Ergebnis von Wahrnehmungs- und Selektionsprozessen. Während die Handlungswahl vergleichsweise detailliert modelliert wird, bleibt die theoretische Fundierung von Perception bislang unterbestimmt. Der Vortrag entwickelt einen Vorschlag zur emotionssoziologischen Erweiterung des Perception-Choice-Ansatzes auf Grundlage des Konzepts der affective intentionality. Affektivität wird dabei nicht als bloße Reaktion auf Wahrnehmung verstanden, sondern als eigenständige Form der Weltwahrnehmung.
Auf dieser Grundlage wird Perception als mehrdimensionale affektiv-kognitive Struktur konzipiert. Empirisch wird der Ansatz anhand von Befragungsdaten und einer Vignette zur Wahrnehmung von Versuchung untersucht. Erste explorative Faktorenanalysen deuten darauf hin, dass sich Wahrnehmung nicht auf einen allgemeinen Unsicherheitsfaktor reduzieren lässt, sondern durch mehrere affektive Subframes strukturiert wird. Der Vortrag stellt die theoretische Herleitung, die Operationalisierung der Konstrukte sowie erste empirische Ergebnisse vor.