Im 15. und 16. Stück der Hamburgischen Dramaturgie bespricht Lessing eine Aufführung von Voltaires Zaïre vom 13. Mai 1767. Den Ausgangspunkt bildet Voltaires Äußerung, es seien die „Damen“ gewesen, die ihn gedrängt hätten, die „Liebe“ zum dramatischen Sujet zu erheben. Entsprechend vergleicht er Zaïre mit Stücken Shakespeares und bezeichnet dessen Othello als Vorbild, indem er zugleich auf die bereits vorliegende deutsche Übersetzung Christoph Martin Wielands hinweist. Meine Analyse ist dreigeteilt: Zunächst will ich Voltaires Drama in den verschiedenen Übersetzungen betrachten, die Lessing anführt, vorrangig in der englischen (Hill) und deutschen (Schwabe), zweitens die ‚deutsche‘ Zayre Schwabes mit dem durch Wieland verdeutschten Othello zu vergleichen und abschließend Lessings zehn Jahre nach der Hamburgischen Dramaturgie erschienenes Stück Nathan der Weise als eine Kontrafaktur von Voltaires Zaïre untersuchen.