Klimawandel in den Alpen: Dreharbeiten an KU für Dokumentation mit Felix Neureuther

Als Botschafter von National Geographic tauscht sich der frühere Ski-Rennläufer Felix Neureuther derzeit für eine neue TV-Dokumentation mit Forschenden aus, die Folgen des Klimawandels in den Alpen untersuchen. Einer von ihnen ist Privatdozent Dr. Florian Haas vom Lehrstuhl für Physische Geographie an der KU. Bei Dreharbeiten auf dem Campus der KU sprachen Haas und Neureuther jetzt vor der Kamera über den aktuellen Stand der Forschung.

Haas gehört der Forschungsgruppe SEHAG (SEnsitivität HochAlpiner Geosysteme gegenüber dem Klimawandel seit 1850) an, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Unter Leitung des Lehrstuhls für Physische Geographie der KU untersuchen dabei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich von der Klimatologie über Geographie bis zur Botanik die Auswirkungen des bisherigen Klimawandels auf die Alpen. Zudem wollen sie auf Grundlage ihrer Erkenntnisse die weitere Entwicklung bis ins Jahr 2050 prognostizieren.

Eine wichtige Säule der Rekonstruktion von Veränderungen im Alpenraum stellen historische Fotografien dar. Denn das Ende der sogenannten Kleinen Eiszeit fällt nicht nur mit einem verstärkten Klimawandel zusammen, sondern auch mit dem Aufkommen des Alpinen Tourismus und der Fotografie. In den Archiven von Gemeinden, Schutzhütten oder Vereinen lagern zahllose Fotos, die zum Teil bis zum Beginn des Untersuchungszeitraums zurückreichen und beispielsweise die damalige Ausdehnung der Gletscher dokumentieren.

Hier gibt es eine Schnittmenge zur Familiengeschichte von Felix Neureuther, denn seine Vorfahren haben bereits vor 170 Jahren die Alpen und ihre Gletscher dokumentiert: Seine Ur-Ur-Vorfahren, die Gebrüder Hermann, Adolf und Robert Schlagintweit, haben als einige der ersten Glaziologen Mitte des 19. Jahrhunderts die Alpen untersucht. In dieser Zeit wurden von ihnen unzählige Zeichnungen dieser Berge angefertigt. Anhand dieser Zeichnungen kann das Ausmaß des heutigen Klimawandels besonders deutlich gemacht werden. Dieses Material wird auch eine Rolle in der einstündigen Dokumentation spielen, in der Neureuther und Haas den Zuschauern Einblick in die Arbeit der Forschungsgruppe geben – etwa durch Animationen auf Grundlage der Daten, die in drei Alpen-Tälern gewonnen wurden.

„Die Alpen sind mein zweites Zuhause. Mir ist heute mehr denn je bewusst, wie wertvoll diese Landschaften sind - und dass wir sie aus dem Gleichgewicht gebracht haben“, sagt Felix Neureuther. Er wolle die Gelegenheit nutzen, die Aufmerksamkeit auf die dramatischen Veränderungen im Alpenraum zu lenken.

Auch die Forschungsgruppe an der KU erhofft sich durch die Dokumentation weitere Hinweise aus der Bevölkerung auf historisches Material: „Viele Fotos, Postkarten oder Negative sind in Privatbesitz. Besonders interessant sind für uns Aufnahmen aus der Zeit vor 1950. Aber auch Bildmaterial aus den 1980er oder 1990er-Jahren kann wertvoll für unsere Untersuchungen sein“, erklärt Florian Haas. Gesucht wird Material, das in den drei Alpentälern entstand, denen sich die Forscherinnen und Forscher widmen: im Horlachtal, im Kaunertal sowie dem Martelltal. Weitere Informationen dazu finden sich unter https://sehag.ku.de.

TV-Premiere für die Dokumentation „Rettung der Alpen – Unterwegs mit Felix Neureuther“ wird voraussichtlich im September dieses Jahres im Kanal von National Geographic sein.