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Forschungsprojekt „COMPASS – The Moral Compass in Everyday Life“ („Der moralische Kompass im Alltagsleben“)

Worum geht es?

Möglicherweise haben Sie Post von uns erhalten und wurden gebeten, an unserer Studie teilzunehmen. Jede einzelne Teilnahme ist wichtig: Sie liefern uns damit wertvolle Informationen zu dem Gesamtbild, das wir uns von unserem Forschungsthema machen möchten. Vielleicht möchten Sie sich aber auch einfach nur über unser Projekt informieren. So oder so freuen wir uns über Ihr Interesse an unserer Forschungsarbeit! 

Im Herbst 2025 startete an den Universitäten Eichstätt-Ingolstadt und Erlangen-Nürnberg eine groß angelegte Befragung Erwachsener zum sogenannten moralischen Filter in Alltagssituationen. Das Projekt trägt den Titel „COMPASS – The Moral Compass in Everyday Life“ und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Anhand der Befragungsdaten erforschen wir, wie sich Moral auf abweichendes und kriminelles Verhalten auswirkt. Wir befassen uns also mit einem „moralischen Kompass“ im Alltagsleben. Im Wissenschaftsjargon nennen wir diesen Kompass den „moralischen Filter“, ein psychologischer Mechanismus, der bei moralischen Entscheidungen greift und Orientierung bietet. 

Gerne erläutern wir Ihnen im Folgenden die wichtigsten Inhalte des zugrundeliegenden Forschungsprojekts etwas genauer. Sie erfahren in den einzelnen Abschnitten mehr über das Ziel unseres Projekts und das Vorgehen. Ganz unten auf dieser Seite finden Sie Informationen zu Ansprechpersonen und Kontaktinformationen.

Was ist das Ziel?

Im Rahmen des Projekts COMPASS wird untersucht, wie der moralische Filter in alltäglichen Situationen funktioniert. Dabei geht es uns um Moralvorstellungen und wie sie unser Verhalten beeinflussen. Wir untersuchen vor allem, wie sie sich auf sogenannte abweichende Verhaltensweisen in Alltagssituationen auswirkt – und somit als eine Art Kompass funktionieren. Unser Ziel ist also, den moralischen Kompass im Alltagsleben zu erforschen. 

Der bisherige Forschungsstand lässt dazu einige Fragen offen, die im Rahmen des geplanten Forschungsprojekts beantwortet werden sollen. Eine wichtige Frage, die bisher nicht vollständig geklärt wurde, lautet folgendermaßen: Wie unterscheiden sich Moralvorstellungen von Normbindungen? Moralität wird hierbei als universale Einstellung verstanden, als ein Standard, an dem sich alle Menschen freiwillig orientieren sollen. Normen dagegen werden individuell durch die Kultur einer Gesellschaft beeinflusst und durch Sanktionen durchgesetzt, z.B. Gesetze. Normen können, müssen aber nicht moralisch sein. 

Fraglich ist außerdem, wie Moral theoriegeleitet gemessen werden kann. Damit ist gemeint, eigene Forschungsbeobachtungen mit bereits bestehenden Theorien zu verknüpfen und so besser zu verstehen. In der bisherigen Forschung wurde der Fokus vor allem auf Normorientierung gelegt. Aus theoretischer Sicht greift dies jedoch zu kurz. Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt deshalb u.a. darauf, wie Moral und Normorientierungen voneinander abgegrenzt werden können. Beispielsweise bleibt weitgehend ungeklärt, wie Personen, die sich stark an Moralvorstellungen gebunden fühlen, dennoch gegen diese Regeln des Zusammenlebens verstoßen können, ohne dabei einen Widerspruch in ihrer Handlung zu sehen.

In diesem Zusammenhang sind etwa kognitive Strategien der Rechtfertigung und Techniken der Neutralisierung relevant, anhand derer der sogenannte moralische Filter umgangen werden kann. Werden kognitive Strategien der Rechtfertigung angewendet, vergleicht man beispielsweise seine eigenen unmoralischen, oder zumindest moralisch fragwürdigen, Handlungen mit anderen Taten, die als schwerwiegender eingeschätzt werden, um sie zu relativieren. Unmoralische Handlungen können auch gerechtfertigt werden, indem auf einen höheren Zweck oder das „größere Wohl“ verwiesen wird. Bei Techniken der Neutralisierung hingegen, geht es um die Idee, dass Menschen zwar an moralische Werte gebunden sind, diese Bindung aber in der konkreten Handlungssituation außer Kraft setzen, also neutralisieren, können. Es wird angenommen, dass im Vorfeld einer Handlung Gründe gefunden werden, warum es in einer bestimmten Situation nicht notwendig ist, sich an den eigenen moralischen Maßstäben zu orientieren. Auch diese Zusammenhänge sollen in unserem Forschungsprojekt genauer erforscht werden. 

Wie ist das Vorgehen?

Im Rahmen einer groß angelegten Bevölkerungsumfrage in Leipzig und Nürnberg wurden dafür zunächst Methoden zur Beurteilung moralischer Situationen entwickelt, diese werden derzeit erprobt. Abweichendes Handeln soll dabei über verschiedene Formen von Normverstößen im Alltag erfasst werden. Sowohl „traditionelle“ Handlungen, wie z.B. Fundunterschlagung, als auch aktuell relevante Formen abweichenden Handelns, wie z.B. illegales Streaming im Internet und Containern, werden dabei erfasst. Relevante Informationen zu diesen und weiteren Themen sollen in unserem Forschungsprojekt über einen Fragebogen abgefragt werden. In einem nächsten Schritt sollen die gesammelten Daten für die Gesamtstichprobe und einzelne Teilgruppen ausgewertet und interpretiert werden. Durch das Projekt sind neue und wichtige Erkenntnisse hinsichtlich der Erklärung abweichenden Handelns im Alltag zu erwarten, die in Fachzeitschriften und Büchern veröffentlicht werden. Eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse finden Sie nach Ende des Forschungsprojekts auch an dieser Stelle.

Wer sind die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner?

Das beschriebene Projekt, das in einem interdisziplinären Team durchgeführt und von Prof. Dr. Stefanie Eifler (Soziologie; KU Eichstätt-Ingolstadt) und Prof. Dr. Mark Stemmler (Psychologie; FAU Erlangen-Nürnberg) geleitet wird, verbindet soziologische und psychologische Perspektiven. An beiden Universitäten engagieren wir uns seit langer Zeit intensiv in der Erforschung abweichenden Verhaltens über den Lebensverlauf. 

Gerne können Sie sich bei weiteren Fragen zur Befragung oder zum Projekt auch direkt an uns wenden:

Prof. Dr. Stefanie Eifler (KU Eichstätt-Ingolstadt), Projektleitung
Prof. Dr. Mark Stemmler (FAU Erlangen-Nürnberg), Projektleitung
Alexander Betz M.A. (FAU Erlangen-Nürnberg, KU Eichstätt-Ingolstadt), wissenschaftliche Mitarbeit
PD Dr. Susanne Wallner (KU Eichstätt-Ingolstadt), wissenschaftliche Mitarbeit

Wie erreichen Sie uns?

Bei Fragen aller Art wenden Sie sich bitte per Email an: Compass(at)ku.de