20 Jahre Aueninstitut: Forschung aus der Region mit internationaler Wirkung

Aueninstitut
© Christian Klenk

Seit 20 Jahren besteht das Aueninstitut der KU. Das Jubiläum ist nun mit einem Festakt im Schloss Grünau in Neuburg an der Donau gefeiert worden. Dort hat die wissenschaftliche Einrichtung ihren Sitz: mitten im Auwald, der ab 2006 im Rahmen eines Dynamisierungsprojekts renaturiert worden ist. Die Maßnahmen wurden vom Institut über Jahre hinweg wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Daraus entwickelten sich zahlreiche Projekte im In- und Ausland. Heute ist das Aueninstitut eine international vernetzte Forschungseinrichtung, die aus der Region heraus Impulse setzt, die weit darüber hinauswirken.

Der Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt, ein rund 2000 Hektar großes Gebiet, ist einer der bedeutendsten Auwälder entlang der Donau. Vor gut 20 Jahren begann hier eines der größten Auendynamisierungsprojekte Mitteleuropas. Unter Dynamisierung, also einer Belebung, sind in diesem Kontext gezielte Überflutungen und Absenkungen des Grundwassers gemeint. Die Landschaft entlang eines Flusses, dessen Lauf durch Regulierungsmaßnahmen begrenzt wurde, sollte wieder naturnah hergestellt werden. Entlang der Donau wurden an mehreren Stellen Anbindungen zum angrenzenden Waldgebiet geschaffen, um darüber das Flusswasser auszuleiten. Auf diese Weise konnte der Ottheinrichsbach, ein rund acht Kilometer langes Umgehungsgewässer, wiederhergestellt und der Auwald mehrmals im Jahr durch ökologische Flutungen unter Wasser gesetzt werden. „Hochwasser ist sprachlich meist negativ konnotiert“, sagt Geograph Prof. Dr. Bernd Cyffka. Für Auen hingegen sei regelmäßiges Hochwasser notwendig – insbesondere für die für Auwälder typische Flora und Fauna. 

Auenwald
Forschung im Auenwald

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Aueninstituts begannen 2009 damit, die Auswirkungen der Renaturierungsmaßnahmen zu untersuchen. Nicht nur die hydrologischen und hydromorphologischen Prozesse – also Struktur und Abfluss des Gewässers – wurden festgehalten, auch Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt: Haben sich Arten, wie sie in Auenwäldern üblicherweise vorkommen, ihren Lebensraum zurückerobert? 45 Arten, die zuvor nicht mehr gefunden wurden, stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits wenige Jahre nach der Renaturierung wieder fest – darunter sechs Pflanzen, die auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. Die Samen im Boden waren, auch 40 Jahre nach dem Bau von Staustufen, noch keimungsfähig. 

Diese und andere Erkenntnisse aus zwei Jahrzehnten Auenforschung berichtete Prof. Cyffka anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Aueninstituts beim Festakt im Schloss Grünau, das neben dem Institut auch ein Informationszentrum für die Bevölkerung beherbergt. Der Erhalt und die Wiederherstellung von Auen würden nicht nur zur Artenvielfalt beitragen, sondern leisteten auch einen wichtigen Beitrag zum Hochwasser- und Grundwasserschutz. Als natürliche Wasserspeicher, Schutzräume bei Hochwasser und zugleich sensible Indikatoren für ökologische Veränderungen seien intakte Auengebiete weit mehr als Naturschutz, sagte KU-Vizepräsident Prof. Dr. Klaus Stüwe. „Auwälder sind aktiver Klimaschutz, Risikovorsorge und nachhaltige Raumgestaltung zugleich.“

Aueninstitut
Schloss Grünau bei Neuburg

Die Arbeit des Aueninstitut stelle sicher, dass Forschung zu Flussdynamiken, Auenökologie und Renaturierung nicht allein im Labor stattfindet, sondern in reale Landschaften und konkrete Naturschutzmaßnahmen übersetzt wird. „Genau darin liegt seit zwei Jahrzehnten eine besondere Stärke des Aueninstituts“, so Stüwe. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse flossen in konkrete Maßnahmen ein: „Das Monitoring von Renaturierungsprojekten, die Entwicklung neuer Methoden und die kritische Analyse von Erfolgen und Grenzen tragen dazu bei, dass wir als Gesellschaft aus diesen Erfahrungen lernen und unsere Ansätze für eine nachhaltige Zukunft kontinuierlich verbessern können.“ Damit stehe das Aueninstitut „exemplarisch für das, was die KU im Kern ausmacht: die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, gesellschaftlicher Verantwortung und konkreter Wirkung vor Ort“.

Das Aueninstitut ist ein Kooperationsprojekt zwischen der KU und kommunalen Partnern: Neben dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, auf dessen Initiative die Einrichtung zurückgeht, engagieren sich die Städte Ingolstadt und Neuburg, Privatpersonen und Naturschutzverbände sowie ein Förderverein für das Aueninstitut. Dieser Schulterschluss von Wissenschaft und kommunaler Praxis sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor und zugleich ein starkes Signal dafür, was erfolgreiche Kooperationen bewirken können, so Vizepräsident Stüwe. „Unsere Region ist ohne die Donauauen nicht vorstellbar“, sagte der Landrat von Neuburg-Schrobenhausen, Peter von der Grün, beim Festakt. Daher engagiere sich der Landkreis auch finanziell an dem Projekt – auch um die Bedeutung der Auen für die breite Bevölkerung erfahrbar zu machen. Durch seine Forschungsarbeit wirke das Institut längst über die Region hinaus und sei heute eine gefragte Stimme im Bereich der Auenökologie. Mit der Einrichtung des Aueninstitut sei der „Wissenschaftsstandort Neuburg“ schon vor 20 Jahren begründet worden, unterstrich Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling in seinem Grußwort.

Auenwald
Renaturierter Ottheinrichsbach

Ausgehend von dem Renaturierungsprojekt im Auwald bei Neuburg forscht das Institut inzwischen auch in anderen geographischen Gebieten – und das weltweit: Im Rahmen mehrerer EU-Projekte wurden Erkenntnisse aus den Maßnahmen in Neuburg auf andere Projektgebiete beispielsweise im gesamten Donauraum übertragen. Dabei arbeiteten die KU-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Universitäten, Behörden, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen in anderen EU-Ländern zusammen. Oft geht es auch darum, die Bevölkerung zu informieren und zu sensibilisieren bzw. örtliche Mitarbeiter zu schulen. Auch zur Gewässerökologie in Zentralasien wurde geforscht: So stand der Erhalt des Ökosystems in den Flussauen des Naryn River in Kirgistan im Zusammenhang mit der Nutzung regenerativer Energie im Fokus eines internationalen Verbundprojekts. Aktuell geht es beim EU-Projekt „SWIM“ um wandernde Fischarten und deren Lebensbedingungen. Vizepräsident verwies auf die beeindruckende Liste der Drittmittel-Einwerbungen des Instituts: Durch die erfolgreiche Beteiligung an europäischen und nationalen Förderprogrammen sei es dem Aueninstitut immer wieder gelungen, neue, innovative Projekte zu realisieren und Forschungsansätze auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln. 

Die erfolgreiche Arbeit des Instituts sei maßgeblich dessen Gründer Prof. Cyffka zu verdanken, betonte Vizepräsident Stüwe. „Ihr Engagement für die Auenforschung, ganz besonders auch für die Region und für die Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft ist beispielhaft.“ Cyffka hatte nach wissenschaftlicher Tätigkeit im Geographischen Institut der Universität Göttingen im Jahr 2005 die Professur für Angewandte Physische Geographie an der KU übernommen. Ein Jahr später wurde er Direktor des neu gegründeten Aueninstituts. Im Laufe der Jahre übernahm er auch in seinem Fachgebiet zahlreiche Funktionen und Aufgaben, etwa als Sprecher des Arbeitskreises „Hydrologie“ der Deutschen Gesellschaft für Geographie, als Herausgeber mehrerer Fachpublikationen und seit 2022 auch als Präsident der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Donauforschung. 

Das Jubiläum des Aueninstituts markierte zugleich seinen Abschied von der Einrichtung und der KU: Zum 31. März wechselte Bernd Cyffka in den Ruhestand. Die Dekanin der der Mathematischen-Geographischen Fakultät, Prof. Dr. Susanne Jochner-Oette, würdigte seine langjährigen Verdienste: Cyffka habe das Aueninstitut und die Auenforschung über viele Jahre hinweg maßgeblich gestaltet. Das Institut habe er damit zu einer anerkannten Forschungseinrichtung mit hoher wissenschaftlicher Qualität, regionaler Verankerung und internationaler Ausstrahlung gemacht. “Das Aueninstitut zeigt, wie aus Forschung konkrete Beiträge zur Lösung drängender Probleme entstehen können, die auch international impulsgebend sind.”

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