Auf Lehr-Lernreise in den USA: Language Teaching Assistant an der University of Notre Dame du Lac

Im Zeitraum vom 26. Oktober - 16. November 2026 startet die neue Bewerbungsphase für die Stelle als Language Teaching Assistant für Deutsch an der University of Notre Dame du Lac (Ind., USA). Paula Radnitz berichtet von ihren bisherigen Erfahrungen.

Seit Mitte August darf ich an der wunderschönen University of Notre Dame du Lac (Ind., USA) als Language Teaching Assistant tätig sein, im Zuge dessen ich dreimal die Woche amerikanischen Studierenden Deutsch beibringe. Anfangs hatte ich sehr großen Respekt vor dem Unterrichten, da ich zwar Vorerfahrungen als Tutorin und durch ein Ehrenamt an einer Grundschule hatte, aber dennoch keine Lehramtsstudentin bin. Da sich das amerikanische Universitätssystem stark vom deutschen unterscheidet, musste ich all meine Vorerfahrungen in den Hintergrund stellen, sodass mein fehlendes Lehramtsstudium von geringer Bedeutung war. Die Universitätskurse sind in den USA nicht in Seminare und Vorlesungen unterteilt, sondern jedes Modul ist darauf ausgelegt, möglichst viele Gruppeninteraktionen zu fördern. Nach einem dreitägigen Crashkurs in die amerikanischen Unterrichtsmethoden durfte ich bereits selbst anfangen, einen Deutschkurs für Anfänger zu lehren. Diese Erfahrung schätze ich besonders sehr, da die Studierenden erstmalig Deutsch lernen und ich mich gleichzeitig zum ersten Mal als eine richtige Lehrerin ausprobieren darf – wir sind auf einer gemeinsamen Lernreise. Auf diesem Weg erhalte ich jedoch stetiges Feedback und die Unterstützung meiner Mentorin Melanie Bernstein-Santana. Auch wenn es für mich anfangs eine große Umstellung war, merke ich, wie viel Spaß ich beim Unterrichten habe und wie viel offener ich dadurch geworden bin. 

Gemeinsame Brettspiele bei der Kaffeestunde mit amerikanischen Studierenden.
Gemeinsame Brettspiele bei der Kaffeestunde mit amerikanischen Studierenden.

Außerhalb des Unterrichts bietet das Department of German, Slavic, and Eurasian Studies unzählige Möglichkeiten an wie die sogenannte Kaffeestunde, Language Tables oder Filmabende, damit die Studierenden ohne Notendruck ihr Deutsch mit Menschen aus anderen Deutschkursen vertiefen können. Beim Language Table essen wir gemeinsam zu Mittag und führen Konversationen auf Deutsch. Die Kaffeestunden sind darauf ausgelegt, in einem ungezwungenen Rahmen und auf spielerische Weise – beispielsweise durch Brettspiele – Deutsch zu üben. Das vermittelt den Studierenden das Gefühl, dass sie nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch Teil einer neuen Gemeinschaft werden, und es dabei keine Rolle spielt, auf welchem Sprachniveau man sich momentan befindet. 

Präsentation über das Oktoberfest.
Präsentation über das Oktoberfest.

Neben meiner Tätigkeit als Lehrerin belege ich als Studentin die Kurse „Second Language Acquisition“ und „Environmental History“, die mir Einblicke in amerikanische Wissenschaftsdiskurse ermöglichen. Besonders sehr mag ich den Kurs „Second Language Acquisition“, den ich mit anderen FLTAs aus Kirgisistan, Taiwan, Irland, Brasilien und der Ukraine sowie mit drei weiteren amerikanischen Studierenden besuche. Wir tauschen uns über eigene Lernerfahrungen aus, aber auch darüber, wie wir unsere Muttersprachen wahrnehmen und sie ins Englische übertragen. Hierbei stellen wir aber auch immer wieder fest, dass nicht alle Wörter übersetzt werden können, da sie mit Emotionen und Erfahrungen verbunden sind, die nur in der jeweiligen Kultur erlebt werden können. 

Gemeinsames Basteln von Zuckertüten mit Schulkindern.
Gemeinsames Basteln von Zuckertüten mit Schulkindern.

Außerhalb meines Unterrichts informiere ich durch öffentliche Präsentationen und spielerische Aktionen mit Schulkindern über die deutsche Kultur. Im Rahmen eines Vortrags über das Oktoberfest habe ich dem Publikum die Bedeutung von Dirndlschleifen erklärt sowie Einblicke in die bayerische Küche gegeben. In der Nachmittagsbetreuung habe ich Kindern erklärt, wie deutsche Schulkinder ihren ersten Schultag feiern, und im Anschluss durften sie selbst kreativ werden und ihre eigenen Zuckertüten gestalten. Gerade die Zusammenarbeit mit verschiedenen Alters- bzw. Zielgruppen finde ich besonders bereichernd, da sie die deutsche Sprache so unterschiedlich wahrnehmen, und ich dadurch selbst beginne, meine Muttersprache zu reflektieren. 

Ausflug zu einer Pumpkin Patch Farm.
Ausflug zu einer Pumpkin Patch Farm.

Neben all der Arbeit kommt der Spaß aber trotzdem nicht zu kurz: Die University of Notre Dame bietet wöchentlich unzählige Events, damit Studierende genügend Ausgleich zum Lernen erhalten. Es lohnt sich sehr, abends über den Campus zu spazieren, da sich immer eine Aktivität finden lässt, an der man spontan teilnehmen kann. Aber auch das Center for the Study of Languages and Cultures bemüht sich sehr um das Wohlergehen der FLTAs. Bei Fragen und Problemen stehen sie immer zur Seite und organisieren für uns Ausflüge, wie beispielsweise einen Besuch bei einer typischen Pumpkin Patch Farm. 

Ein Lehramtsstudium ist für die Stelle als Language Teaching Assistant von großem Vorteil, aber nicht zwingend notwendig. Es ist viel wichtiger, offen für neue Lehrmethoden zu sein, Feedback annehmen zu können und die Bereitschaft zu haben, sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern zusammenarbeiten zu können. 

PAULA RADNITZ

Eine Bewerbung als Language Teaching Assistant ist für das akademische Jahr 2027/2028 vom 26. Oktober - 16. November 2026 möglich. Die Stelle ist ausschließlich für Studierende der Germanistik auf Master-Niveau. 

Weitere Informationen finden Sie hier.

Das International Office bietet Infoveranstaltungen am 19. Oktober (auf Deutsch) und am 20. Oktober (auf Englisch), jeweils um 19 Uhr an. 

  • Infoveranstaltung: Weltweit Bewerbungsverfahren (auf Deutsch)
  • Worldwide - Application procedure (in English)