Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit

Mit einer Vorlesung zum Ende seiner Lehr- und Forschungstätigkeit hat sich Prof. Dr. Wolfgang Klug an der KU von Kolleginnen und Kollegen, Studierenden sowie Wegbegleitern aus Praxis und Wissenschaft verabschiedet. Sein nahezu 30-jähriges Wirken als Professor für Methoden der Sozialen Arbeit kreist um die Frage, wie die Praxis Sozialer Arbeit ihre Professionalität sichern kann – mit evidenzbasierten Ansätzen, reflektierten fachlichen Entscheidungen und einem funktionierenden Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis.

Die Dekanin der Fakultät für Soziale Arbeit, Prof. Dr. Inge Eberl, würdigte Wolfgang Klug als Wissenschaftler, Lehrer und Kollegen, der die Fakultät über viele Jahre fachlich und persönlich geprägt habe. Er habe die evidenzbasierte Ausrichtung der Sozialen Arbeit vorangetrieben, den kritischen Diskurs gesucht und Generationen von Studierenden, Mitarbeitenden und Kolleginnen und Kollegen inspiriert.

Klugs Vortrag mit dem Titel „Was ich noch zu sagen hätte… Einsichten aus 40 Jahren“ war weit mehr als ein persönlicher Rückblick. Er bündelte zentrale Motive seines Wirkens: die Professionalisierung Sozialer Arbeit, das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis und die Frage, warum der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis so oft misslingt. Wissenschaft, so seine Diagnose, sei in der Praxis lange als weitgehend irrelevant wahrgenommen worden; an ihre Stelle seien häufig moralische Gewissheiten, Erfahrungswissen und intuitive Entscheidungen getreten. Zugleich habe auch die Disziplin selbst lange kein hinreichend geklärtes Verhältnis von Wissenschaft und Praxis entwickelt.

Besonders anschaulich wurde das dort, wo Klug aus Forschungs- und Fortbildungserfahrungen berichtete. Mit Blick auf ein Projekt zu Qualitätsstandards in der Bewährungshilfe in Bayern sprach er rückblickend von einer „methodischen Beliebigkeit“ in den Dienststellen. Die Vorstellung, wissenschaftlich begründete Ansätze ließen sich einfach durch Schulungen in die Praxis implementieren, habe sich jedoch als zu schlicht erwiesen. In einer Fortbildung brachte ein Teilnehmer die Distanz zur Wissenschaft knapp auf den Punkt: „Theorien sind nicht das, was wir brauchen.“ Die begleitende Evaluation zeigte, dass wissenschaftliches Wissen in der Praxis nicht selbstverständlich als Teil professionellen Handelns angesehen wurde – auch, weil es als unverständlich kommuniziert und mitunter als Einschränkung des eigenen Entscheidungsspielraums erlebt wurde.

Verabschiedung Wolfgang Klug
Inge Eberl, Wolfgang Klug, Patrick Zobrist, Jürgen Zerth (v.l.)

Gerade deshalb plädierte Klug mit Nachdruck für Evidenzbasierung. Soziale Arbeit, so seine zentrale These, dürfe sich nicht mit guten Absichten begnügen, sondern müsse ihr Handeln fachlich begründen und seine Wirkung überprüfbar machen. „Wir müssen wissen, ob das, was wir tun, wirklich wirkt.“ Methodische Entscheidungen allein auf Berufserfahrung, kollegialen Rat oder Intuition zu stützen, greife zu kurz – insbesondere dort, wo es um schwerwiegende soziale Problemlagen geht. Stattdessen brauche die Profession eine reflektierte, wissenschaftlich informierte Praxis der Entscheidungsfindung. Aus seiner Analyse leitete Klug dabei kein Plädoyer für eine bevormundende Wissenschaft ab, sondern für Kooperation: Das einfache Modell, Wissenschaft produziere Wissen und Praxis habe es lediglich anzuwenden, sei gescheitert. Nötig seien vielmehr Formen des Wissensaustauschs, in denen wissenschaftliches und praktisches Wissen aufeinander bezogen, geprüft und weiterentwickelt werden. „Professionalisierung und Innovation gibt es für die Praxis nur zusammen mit der Wissenschaft.“

Dass Klug diese Fragen mit besonderer Beharrlichkeit verfolgte, hängt auch mit seinem beruflichen Weg zusammen: Bevor er an die Universität wechselte, arbeitete er selbst in der Praxis und kennt somit beide Seiten. Klug studierte Sozialpädagogik in München und absolvierte später berufsbegleitend weitere Studien in Philosophie und Sozialwissenschaften. Von 1986 bis 1996 leitete er ein Caritas-Sozialzentrum. 1996 wurde er mit einer Arbeit über Wohlfahrtsverbände zwischen Markt, Staat und Selbsthilfe promoviert. Seit 1997 lehrte und forschte er an der KU als Professor für Methoden der Sozialen Arbeit. Insbesondere im Bereich der Gefährdetenhilfe setzte er wichtige Impulse und machte sich damit auch überregional einen Namen. Zu seinen weiteren Forschungsschwerpunkten zählen die Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe, Case-Management-Forschung sowie die Motivationsförderung bei schwer erreichbarer Klientel.

Verabschiedung Wolfgang Klug

Einen weiteren Akzent setzte bei der Festveranstaltung in der Aula der KU Prof. Dr. Patrick Zobrist von der Hochschule Luzern. Der Fachkollege, der in der Vergangenheit mehrfach mit Klug zusammengearbeitet hat, sprach in einem Impulsvortrag unter dem Titel „Was haben Kindertagesstätten mit der Bewährungshilfe zu tun? Über Methoden und Organisation als Dimensionen professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit.“ Der augenzwinkernde Titel zielte auf einen ernsthaften fachlichen Vergleich: Gute Soziale Arbeit, so Zobrist, gelingt nur dort, wo Methoden, Beziehungen und Organisation zusammengedacht werden – ein Gedanke, der auch Wolfgang Klugs wissenschaftliches Werk geprägt hat.