Mit KI zur passenden Literatur: KU startet neuen Bibliothekskatalog
Die Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt erneuert ihre Literatursuche grundlegend: Mit der neuen Version des Online-Katalogs OPAC wird der Zugang zu Büchern, Aufsätzen und digitalen Medien einfacher, schneller und intuitiver. Neu ist vor allem eine Suchfunktion mit Künstlicher Intelligenz, die Fragen in natürlicher Sprache verarbeitet und daraus eine präzise Recherche im Bibliothekskatalog erstellt.
Für die Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das einen deutlichen Wandel in der Recherche. Über viele Jahre war die Literatursuche stark an feste Suchfelder gebunden. Schon der erste computergestützte OPAC, der vor mehr als 30 Jahren an der Universitätsbibliothek der KU eingeführt wurde, hatte die vorherige Suche in Zettelkatalogen entscheidend verbessert: Statt in Karteikästen nach Autor, Titel oder Schlagwort zu blättern, konnten Bestände digital durchsucht, Verfügbarkeit und Standort direkt angezeigt sowie Leihfristen online verwaltet werden. Der neue OPAC geht nun einen Schritt weiter. Er hilft nicht nur beim Auffinden bekannter Titel oder Autorennamen, sondern unterstützt auch die thematische Suche, wenn ein Anliegen zunächst nur inhaltlich beschrieben werden kann.
Fragen statt Schlagwörter
Die zentrale Innovation, die im OPAC nun auch Suchanfragen in natürlicher Sprache ermöglicht, ist die Smart Search. Dabei können ganz unterschiedliche Arten von Suchanfragen eingegeben werden: einzelne Stichwörter, kurze Beschreibungen, vollständige Fragestellungen oder auch längere Textpassagen. So sind beispielsweise Suchanfragen wie „Wie beeinflusst Klimawandel Migration?“, „Zusammenhang zwischen Burnout und Pflegeberufen“, „Suche aktuelle Literatur zur Rolle sozialer Medien in politischen Wahlkämpfen“, „Ich suche Kartenmaterial für Wanderungen im Altmühltal“ oder auch ein ganzes Projektexposé als Eingabe möglich. Im Hintergrund analysiert ein Sprachmodell die Eingabe, erkennt zentrale Themen und ergänzt passende Begriffe, Synonyme, Schreibvarianten sowie englische Fachbegriffe. Zusätzlich werden relevante Filteranweisungen erkannt. Anschließend wird automatisch eine strukturierte Suchanfrage für den OPAC erstellt.
„Mit dem neuen OPAC verändern wir nicht nur die Benutzeroberfläche unseres Katalogs, sondern zugleich die Art, wie Literatur gesucht und gefunden werden kann“, sagt Tobias Potoczki, Leiter der Zweigbibliothek Ingolstadt, der das OPAC-Projekt in der Universitätsbibliothek verantwortlich geleitet hat. „Gerade für Menschen, die ein Thema inhaltlich beschreiben können, aber noch keine exakten Titel, Namen oder Schlagwörter kennen, eröffnet das neue Möglichkeiten.“
Die Startseite des neuen OPAC
Besonderen Wert legte die UB dabei auf die Nachvollziehbarkeit der KI-gestützten Suche. Anders als viele KI-Anwendungen, die aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer wie eine Black Box wirken, macht die Smart Search ihre Arbeitsweise sichtbar: Die verwendeten Suchbegriffe und ihre logischen Verknüpfungen werden angezeigt und können bei Bedarf verändert oder präzisiert werden. Die KI ersetzt die bibliothekarische Recherche also nicht, sondern übersetzt natürlich formulierte Fragen in eine wissenschaftlich strukturierte Suche. „Transparenz war für uns von Anfang an ein zentrales Kriterium“, betont Potoczki, der innerhalb der Universitätsbibliothek auch Ansprechpartner für KI und Informationsgewinnung ist. „Nutzerinnen und Nutzer sollen nachvollziehen können, wie eine Suche aufgebaut ist und an welchen Stellen sie selbst eingreifen können.“
Pilotprojekt mit Signalwirkung
Auch über die KU hinaus stößt das Projekt auf Interesse. Unter wissenschaftlichen Bibliotheken nimmt die UB der Katholischen Universität mit der Integration von KI in die bibliothekarische Suche eine Vorreiterrolle ein. „Wir sind damit eine Pilotbibliothek“, sagt Tobias Potoczki, der die Smart Search der KU erst kürzlich bei verschiedenen Vorträgen mit teils über 100 Teilnehmenden in Fachkreisen vorstellte.
Aus Sicht der UB ist die KI-gestützte Übersetzung der Nutzereingabe allerdings nur ein erster Schritt. KI-Methoden bieten noch deutlich weitergehende Möglichkeiten, die Recherchequalität merklich zu erhöhen – etwa durch eine semantische Suche, bei der auch der Suchindex selbst KI-gestützt transformiert wird und Treffer nicht mehr nur über Begriffe, sondern über inhaltliche Bedeutung erschlossen werden. Die Smart Search versteht die Universitätsbibliothek daher ausdrücklich als Beginn einer längerfristigen Neugestaltung der OPAC-Recherche.
Über den OPAC – die Abkürzung steht für „Online Public Access Catalogue“ – bietet die Universitätsbibliothek Zugang zu mehr als zwei Millionen physischen Medien wie Büchern und Zeitschriften, rund 700.000 E-Books zahlreichen Datenbanken, historischen Beständen und einer besonderen Sammlung zu Eichstätt. Recherchierbar sind nicht nur die Bestände der UB Eichstätt-Ingolstadt, sondern auch Medien der Technischen Hochschule Ingolstadt sowie weitere überregionale und historische Bestände.
Neues Design, mehr Komfort
Neben der neuen Suchfunktion wurde auch die Oberfläche des Katalogs umfassend modernisiert. Die Trefferanzeige ist übersichtlicher gestaltet, die Verfügbarkeit von Medien leichter erkennbar und die Nutzung auf Smartphones und Tablets deutlich verbessert. Auch Merklisten und Zwischenablage wurden komfortabler gestaltet. Zudem entfällt die bisher nötige Vorauswahl eines Bibliotheksstandorts vor der Suche. Die Erneuerung des OPAC ist Teil einer umfassenden Modernisierung der IT-Infrastruktur der UB. Auslöser war die bevorstehende Einführung des neuen Bibliotheksmanagementsystems FOLIO, mit dem der bisherige OPAC nicht kompatibel ist. Die Universitätsbibliothek nutzte diesen notwendigen Technologiewechsel jedoch nicht nur für eine technische Erneuerung, sondern auch, um Benutzeroberfläche und Recherchekonzept grundlegend weiterzuentwickeln. Dabei entstand mit der KI-gestützten Smart Search eine zusätzliche innovative Suchmöglichkeit. Die neue Suchumgebung basiert auf der Open-Source-Lösung VuFind, die speziell für Bibliotheken entwickelt wurde.
In das Projekt wurden auch Nutzerinnen und Nutzer einbezogen: Studierende konnten die neue Oberfläche bereits vorab bei einem „Testessen“ ausprobieren und Rückmeldungen geben – tatsächlich gab es dabei Pizza. Die Hinweise aus dieser frühen Erprobung flossen in die Weiterentwicklung der Suchfunktionen und der Benutzeroberfläche ein. Auch jetzt setzt die Universitätsbibliothek ausdrücklich auf Rückmeldungen aus der Praxis: Der neue OPAC startet zunächst in einer Erprobungsphase, ist aber bereits vollständig nutzbar. Einzelne Funktionen können in dieser Zeit noch angepasst oder ergänzt werden; auch kleinere Darstellungs- oder Funktionsfehler sind möglich.
Hinweise für Nutzerinnen und Nutzer
Der neue OPAC ist ab sofort unter opac-ub.ku.de verfügbar. Bis zum Ende des Sommersemesters 2026 kann er parallel zum bisherigen Katalog genutzt werden. Ab 1. September 2026 wird der alte OPAC vollständig ersetzt.
Merklisten aus dem bisherigen Katalog werden erst kurz vor dem endgültigen Umstieg in das neue System übertragen und stehen dort ab dem 1. September 2026 zur Verfügung. Die Bibliothek empfiehlt, wichtige Merklisten zusätzlich zu exportieren und lokal zu sichern. Die Anmeldung funktioniert auch im neuen Katalog wie gewohnt mit Nutzernummer und Passwort.
Begleitet wird der Umstieg durch kurze Online-Vorstellungen der neuen Oberfläche. Ab 22. Juni 2026 werden die wichtigsten Funktionen und Neuerungen kompakt vorgestellt. Hinweise dazu finden Sie demnächst unter https://www.ku.de/bibliothek/fuehrungen-kurse