MD-Assist

Hintergrund und Motivation

Die Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gemäß § 18 SGB XI [1] zählt zu den zentralen Aufgaben des Medizinischen Dienstes (MD). Auf Grundlage bundesweit einheitlicher Begutachtungsrichtlinien bewerten Gutachter*innen mithilfe des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) die Selbstständigkeit von Antragstellenden und leiten daraus die Einstufung in einen Pflegegrad ab. Darüber hinaus umfasst die Begutachtung Empfehlungen zu Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen, Pflegehilfsmitteln sowie wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, um die Selbstständigkeit und Teilhabe pflegebedürftiger Menschen langfristig zu fördern [2,3]
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anträge auf Leistungen der Pflegeversicherung kontinuierlich gestiegen. Der demografische Wandel sowie die zunehmende Anzahl pflegebedürftiger Personen führen zu einer wachsenden Belastung der Begutachtungsstrukturen [2]. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine transparente, qualitativ hochwertige sowie einheitliche Begutachtung. Vor diesem Hintergrund gewinnen innovative digitale Lösungen zunehmend an Bedeutung [4].
Digitale Technologien bieten das Potenzial, die Erfassung und Dokumentation von Informationen zu unterstützen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und Gutachter*innen im Begutachtungsprozess zu entlasten. Insbesondere Verfahren der automatisierten Datenerfassung und -auswertung können dazu beitragen, die Qualität und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen weiter zu verbessern. Gleichzeitig gilt es zu untersuchen, wie solche Technologien von den beteiligten Akteurinnen akzeptiert werden und welche Voraussetzungen für ihren erfolgreichen Einsatz in der Praxis geschaffen werden müssen.
Das Forschungsprojekt MD-Assist greift diese Herausforderungen auf und untersucht die Möglichkeiten einer digitalen Unterstützung der Pflegebegutachtung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie moderne Technologien dazu beitragen können, den Begutachtungsprozess effizienter zu gestalten und gleichzeitig dessen Beratungs- und Präventionscharakter zu stärken.

 


Beschreibung des Projekts

MD-Assist untersucht, wie digitale Technologien die Pflegebegutachtung nach SGB XI unterstützen können. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Erprobung einer mobilen Anwendung, die Gutachter*innen des Medizinischen Dienstes im Begutachtungsprozess begleitet.
Die Anwendung kombiniert moderne Verfahren der 3D-Bewegungsanalyse und Spracherfassung, um relevante Informationen effizient zu erfassen und die Dokumentation durch eine automatisierte Berichterstattung zu unterstützen. Ziel ist es, den Begutachtungsprozess zu vereinfachen, die Qualität der Dokumentation zu fördern und Gutachter*innen im Arbeitsalltag zu entlasten.
Im Rahmen des Projekts werden die Einschätzungen von Gutachter*innen des Medizinischen Dienstes und Pflegefachpersonen ambulanter Pflegedienste zu Verbesserungsbedarfen sowie zur Akzeptanz digitaler Unterstützungslösungen erhoben. Darüber hinaus untersucht die wissenschaftliche Begleitung durch die Arbeitsgruppe der Professur für Pflegewissenschaft und der Professur für Management in Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens, welche organisatorischen und praktischen Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung digitaler Technologien in der Pflegebegutachtung erforderlich sind.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit KUEI und Lindera GmbH durchgeführt und leistet einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer modernen, effizienten und zukunftsfähigen Pflegebegutachtung.
 

Literaturverzeichnis

  1. Bundesministerium der Justiz. (o. J.). Sozialgesetzbuch (SGB) Elftes Buch (XI) – Soziale Pflegeversicherung. Gesetze im Internet. www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/, Zugriff am 31.07.2026
  2. Medizinischer Dienst Bund. (2024). Richtlinien des Medizinischen Dienstes Bund zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI vom 21. August 2024. Essen: Medizinischer Dienst Bund. Verfügbar unter: md-bund.de/richtlinien publikationen/pflegeversicherung/pflegebegutachtung-rechtliche-grundlagen.html, Zugriff am 31.07.2026
  3. Bundesministerium für Gesundheit. (o. J.). Prävention im Alter: Gesund und aktiv älter werden. www.bundesgesundheitsministerium.de/praevention-aeltere-menschen, Zugriff am 31.07.2026
  4. Medizinischer Dienst Bund. (2026). Report Pflegebedürftigkeit 2026: Entwicklung und Potenziale der Pflegebegutachtung. Essen: Medizinischer Dienst Bund. Verfügbar unter: md-bund.de/richtlinien-publikationen/pflegebegutachtung/pflegebegutachtung-report-pflegebeduerftigkeit.htm, Zugriff am 31.07.2026

Aufgabe der Professur für Pflegewissenschaft

Die Professur für Pflegewissenschaft übernimmt in Zusammenarbeit mit der Professur für Management in Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projekts.

Projektinformationen

Gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)

Laufzeit: 10/2025-05/2027

Projekt ID: 4078

Leitung des Projekts

Inge Eberl
Prof. Dr. Inge Eberl
Dekanin / Professur für Pflegewissenschaft
Gebäude Kapuzinerkloster  |  Raum: KAP-214

Wissenschaftliche Mitarbeit

Christina Papacek-Zimmermann
Christina Papacek-Zimmermann B.Sc.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin