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Lesung von Ilija Trojanow zu seinem "Buch der Macht. Wie man sie erringt und (nie) wieder loslässt" (2025)

Buchcoverfoto
© BUCHGESTALTUNG: Kosmos Design, FOTO:BANK

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der 3. ZRKG-Tagung Strukturwandel der Öffentlichkeit. Krisendiskurse in der Spannung von Öffnung und Abwehr

 

1.6.2026, 18:00-19:30 Uhr, Kapuzinerkloster, Raum 209

Der Schriftsteller und Übersetzer Ilija Trojanow (* 1965) liest aus seinem Buch der Macht. Wie man sie erringt und (nie) wieder loslässt (2025). Es handelt sich um eine dialogische Nacherzählung von Stojan Michailowskis (1856-1927) politischer Satire Buch für das bulgarische Volk (1897), die mit den Strategien der Autokraten abrechnet. Michailowski greift auf das vom 16.-18. Jahrhundert beliebte Genre des „Fürstenspiegels“ zurück und hat die Kunstfigur des menschenverachtenden osmanischen Wesirs Abdulrahman Pascha erfunden, der seinen Neffen und designierten Nachfolger Ghalib Efendi 15 Tage lang unterweist, wie er mit Hilfe von Korruption, Manipulation und Gewalt zu regieren hat, um sich beim Sultan unentbehrlich zu machen. Das bedeutet auch die Manipulation der Öffentlichkeit: „In den letzten dreißig Jahren habe ich mit zielstrebiger Beharrlichkeit Gift in das Maul der Öffentlichkeit gegossen, ein Gemisch aus Lügen, Verleumdungen und Unterstellungen […] mit wissenschaftlicher Präzision geradezu, um die Köpfe zu verdrehen und die Herzen zu entstellen.“ Die Anweisungen des Wesirs illustrieren eine Denkschule, der viele gegenwärtige Machthaber und Tech-Mogule anhängen.

Trojanows Nacherzählung ist dialogisch und visuell aufwendig gestaltet: Während die Nacherzählung Michailowskis auf der rechten Seite des Buches in Blau gedruckt steht, befinden sich auf der linken Buchseite in Rot Zitate von und Reflexionen über Theoretiker:innen des Herrschens, von Aristoteles, Niccolò Machiavelli, William Shakespeare, Thomas Hobbes bis Voltaire, über indische Dichter und persische Philosophen, bis zu Denkerinnen wie Simone Weil oder Hannah Arendt. Durch dieses Gespräch ist das Buch eine Art Wunderkammer des ungeschönten Nachdenkens über das Wesen der Macht – und darüber, wie wir uns vor ihren Gefahren schützen. Das ist gerade heutzutage besonders wichtig, „da das Autoritäre wieder attraktiv erscheint, so als hätten wir damit in der Menschheitsgeschichte je gute Erfahrungen gemacht“, wie Trojanow schreibt.

Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Isabelle Stauffer (Neuere deutsche Literaturwissenschaft), Prof. Dr. Martin Kirschner (Theologie in Transformationsprozessen der Gegenwart) und Prof. Dr. Rico Behrens (Politische Bildung/Didaktik der Sozialkunde), die für das Publikum geöffnet wird.

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