Michael Husarek fing als Volontär bei den Nürnberger Nachrichten an und ist dem Verlag bis heute treu geblieben – aus Liebe zum Lokaljournalismus. Nun ist er Chefredakteur und war maßgeblich an der Umstrukturierung des Verlags in den letzten Jahren beteiligt. Die Zukunft der Zeitungen und vor allem des Lokaljournalismus beschäftigt ihn sehr, sowohl beruflich als auch persönlich. Er ist fest davon überzeugt, dass es Lokaljournalismus braucht. Dieser habe aber zu lange zu häufig am Publikum vorbei geschrieben. Heute bewerten die Nürnberger Journalistinnen und Journalisten nicht mehr allein nach ihrer eigenen Einschätzung, ob ein Thema relevant ist, sondern orientieren sich stark an dem, was ihre Leserinnen und Leser interessiert. Das erfahren sie aus den Tracking-Daten, die bei ihren Online-Angeboten gesammelt werden. „Am Ende ist es so, dass der Köder nicht dem Angler, sondern dem Fisch schmecken soll“, sagt Husarek dazu. So sind Gastronomie, Trends und Immobilien und Wohnen als Erfolgsthemen identifiziert worden. Themen, die früher häufig als weniger wichtig eingestuft wurden. Um das zu koordinieren, gibt es mittlerweile spezielle Themenmanager. Die Artikel orientieren sich jetzt (wo immer möglich) an Protagonistinnen und Protagonisten. Husarek nennt als Beispiel die Zusammenlegung von zwei Schulen: In diesem Fall würden sie aus der Sicht eines Schülers erzählen, der nun einen deutlich weiteren Schulweg bewältigen muss. Außerdem haben sie ihre überregionale Berichterstattung stark reduziert und sich auf ihre Kernkompetenz – den Lokaljournalismus – fokussiert.
Leider blieben auch einige Entlassungen in der letzten Zeit nicht aus. Diese Gespräche gehörten zu den schwersten Gesprächen, die er überhaupt führen müsse, erzählt Husarek. Doch auf dem aktuellen Printmarkt müsse man sich verändern. Aktuell hätten sie mehr 100-jährige Abonnenten als 20-jährige, sagt Husarek. Sie hätten schon verschiedene Wege ausprobiert, um junge Menschen mehr anzusprechen, aber bisher habe keine Idee so richtig funktioniert. Eine Erfolgsgeschichte aus dem Verlag ist dabei der „Kicker“. Das Sportmagazin habe den digitalen Wandel hervorragend gemeistert und sei nun erfolgreicher als zuvor in seiner Printversion.
Auf die Frage hin, was ihm am Lokaljournalismus so sehr gefällt, sagt er nüchtern: „Der Nürnberger Oberbürgermeister ruft mich 20-mal im Jahr an, Frau Merkel und Herr Merz haben das nie getan.“ Er schätze die Nähe zu den Menschen, über die er berichte und glaube an die Bedeutung kritischen Journalismus für die Demokratie. Dafür nimmt er auch Beschimpfungen von Menschen hin, die nicht mit seiner Berichterstattung zufrieden sind, beispielsweise rechte Aktivisten oder Fußballfans im Stadion, die er kritisiert hatte sich zu extrem zu verhalten. „Man muss damit leben, nicht everybody‘s darling zu sein.“
- von Winona Zschocke und Melanie Rödel