Aktuelles aus der Germanistik

Gerda Henkel Stiftung fördert Forschungsprojekt von David Hünlich

General Photograph Collection - UTSA Digital Collections
© General Photograph Collection - UTSA Digital Collections

„Tüchtige Landwirte und Pioniere – begabte Handwerker mit Unternehmergeist!“ Neben den Ängsten vor Überfremdung und Alkoholismus, prägten auch etliche positive Stereotype die Wahrnehmung deutscher Einwanderung in die USA gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Erstaunlich ist, dass sich diese vereinfachenden Zuschreibungen im Laufe des 20. Jahrhunderts – trotz antideutscher Ressentiments während der Weltkriege und des rasanten Rückgangs der deutschen Sprache in den USA – zu statistisch nachweisbaren beruflichen Milieus entwickelten. 

Wie verschob sich das Gewicht von städtisch geprägten „German Americans“ zu ländlichen Amerikanern mit deutschen Wurzeln? Wie kommt es, dass sich in ländlichen Gemeinden Familienunternehmen mit deutscher Einwanderungsgeschichte bis heute behaupten können, obwohl die Ursprünge deutschen Unternehmertums eher in den Städten lag? Wie wandelte sich die deutschamerikanische Identität im Verlauf des 20. Jahrhunderts?

Diesen Fragen widmet sich David Hünlich ab dem 1. Oktober 2026 im Forschungsprojekt From Stereotype to Distinction: The Emergence of German American Occupational Milieus in the 20th Century, das durch ein Forschungsstipendium der Gerda Henkel Stiftung gefördert wird. Im Rahmen der auf 17 Monate angelegten Förderung entsteht eine Monographie zu den langfristigen Auswirkungen von Migration auf berufliche Milieus und kollektive Identitäten. Das Projekt verbindet die Analyse historischer US-Volkszählungsdaten mit Interviews und ethnographischen Fallstudien in Gemeinden der Vereinigten Staaten, deren Bevölkerung sich bis heute auf eine deutsche Einwanderungsgeschichte beruft. Dabei steht im Mittelpunkt, wie sich Sprache, Herkunft berufliche Spezialisierung und ethnische Selbstzuschreibung als Ausdrucksformen von Identität über Generationen gegenseitig beeinflussten.